CO2-Senken und -Quellen in der Waldwirtschaft

Anrechnung im Rahmen des Kyoto-Protokolls

Das Kyoto-Protokoll verpflichtet die meisten Industriestaaten zur Begrenzung ihrer Treibhausgasemissionen: die Schweiz wie die EU zu einer Reduktion von 8% gegenüber dem Stand von 1990. Bei der Abrechnung der erlaubten Treibhausgasemissionen müssen auch biologische Senken und Quellen aus Landnutzungsänderungen - Aufforstungen und Rodungen - einbezogen werden. Als Senke wird die Nettoaufnahme von Kohlendioxid durch Ökosysteme bezeichnet, als Quelle die Nettoabgabe an die Atmosphäre.

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Das Kyoto-Protokoll ist seit dem 16. Februar 2005 in Kraft. Darin verpflichten sich in erster Linie die Industriestaaten, die Treibhausgasemissionen im Zeitraum 2008 bis 2012 zu senken. Das Kyoto-Protokoll gibt Staaten mit einer Verpflichtung die Möglichkeit, einen Teil der Reduktionsauflagen mit Hilfe von so genannten Senkenleistungen zu erfüllen.

Eine Senke ist zum Beispiel der Wald, wenn er mehr CO2 (Kohlendioxid) aufnimmt, als er abgibt. Je mehr CO2 in Form von Kohlenstoff in der Biomasse dauerhaft gespeichert ist, desto weniger wird die Atmosphäre belastet. Verliert der Wald hingegen mehr CO2, als er aufnimmt, dann ist er eine Quelle. Dies wirkt sich auf die Atmosphäre nachteilig aus. Der Schweizer Wald ist derzeit eine Senke. Er bindet jährlich 4 Millionen Tonnen CO2; davon fallen allerdings drei Viertel durch Holznutzung und absterbende Bäume sogleich wieder weg.

Das Kyoto-Protokoll schreibt vor, Aufforstungen (Senke) und Rodungen (Quelle) zu berücksichtigen (Artikel 3.3), und verlangt eine jährliche Bilanzierung im nationalen Treibhausgasinventar. Senkenleistungen aus Aufforstungen sind in der Schweiz klein. Ein weit grösseres Potenzial hat eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Das Kyoto-Protokoll erlaubt die Anrechnung solcher Senkenleistungen (Artikel 3.4), sofern sie nachweislich auf menschliche Eingriffe nach 1990 zurückzuführen sind.

Senken bieten langfristig keinen nachhaltigen Klimaschutz:

  • Die Senkenleistung nimmt in alten Wäldern ab und wird in wenigen Jahrzehnten erlahmen.
  • Stürme, Waldbrände oder Borkenkäferepidemien können den gespeicherten Kohlenstoff freisetzen, der Wald wird dann sogar zur Quelle.
  • Die Option Senken gibt uns lediglich den erforderlichen zeitlichen Spielraum, bis mit Energiesparmassnahmen und klimafreundlichen Alternativenergien die CO2-Emissionen substanziell reduziert werden können.

Quelle: Fischlin A. et al. 2006: CO2-Senken und -Quellen in der Waldwirtschaft – Anrechnung im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Umwelt-Wissen Nr. 0602. Bundesamt für Umwelt, Bern. 45 S.

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