Unterschiedlicher Wandel der Pflanzenvielfalt

BDM-Facts Nr. 6 / Juni 2013

Neue Untersuchungen mit Biodiversitätsmonitoring-Daten legen nahe, dass sich die Pflanzenvielfalt je nach Ökologie der Arten unterschiedlich entwickelt. So ist beispielsweise mit einem Zuwachs von ursprünglich nicht einheimischen Pflanzenarten zu rechnen, da die Klimaerwärmung sowie die wachsende Siedlungsfläche diese Artengruppe begünstigen. Im Gegensatz dazu ist von einem Rückgang des Reichtums einheimischer Arten auszugehen – bei ihnen wirken sich Klimaerwärmung und Veränderungen der Landnutzung negativ aus.

Teaser: Unterschiedlicher Wandel der Pflanzenvielfalt

In der Schweiz hängt die Artenvielfalt der Farn- und Blütenpflanzen grossräumig hauptsächlich von Landnutzung und Klima ab. Die Schaffung von Kulturlandschaften hat in den letzten Jahrhunderten erheblich zum landschaftlichen und biologischen Reichtung der Schweiz beigetragen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wirkt sich jedoch der vom Menschen geprägte Landschaftswandel negativ auf diese Vielfalt aus.

Wenn man dem prognostizierten Verlust der biologischen Vielfalt be-gegnen will, ist es wichtig zu wissen, welche Effekte durch kommende Landnutzungs- und Klimaveränderungen für die Artenvielfalt zu erwarten sind. Zur Beantwortung dieser Frage hat das Biodiversitätsmonitoring Schweiz eine gute Grundlage geschaffen. Die detaillierten BDM-Daten erlauben nämlich, mit Hilfe von statistischen Modellen die zukünftigen Veränderungen der biologischen Vielfalt genauer abzuschätzen.
Während die meisten bisherigen Untersuchungen in diesem Bereich entweder Veränderungen grösserer taxonomischer Gruppen (etwa aller Gefässpflanzen) oder die Veränderungen einzelner Arten analysierten, geht die hier vorgestellte Untersuchung auf ökologisch interpretierbare Artengruppen ein – ausgehend von der Annahme, dass Arten mit ähnlichen ökologischen Merkmalen auch ähnliche Veränderungstendenzen aufweisen.
Untersucht wurden Gefässpflanzengruppen auf Grundlage von Daten des BDM-Zustandsindikators «Artenvielfalt in Landschaften». Die Einteilung der Artengruppen erfolgte in einheimische und ursprünglich nicht-einheimische Arten oder anhand der Lebensformen. Für jede Artengruppe wurden neben der Veränderung der mittleren Artenzahl pro Quadratkilometer zusätzlich die potenziellen Aus- wirkungen der berücksichtigten Umweltveränderungen abgeschätzt.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass für die verschiedenen Artengruppen unterschiedliche Umweltfaktoren von Bedeutung sind und auch derselbe Umweltfaktor je nach Artengruppe eine Zunahme oder Abnahme der Artenzahl je Quadratkilometer bewirken kann.
Zudem prognostizieren die Modelle, dass die Artenzahlen ein- heimischer Gefässpflanzen (indigene Arten) bis 2050 im landesweiten Durchschnitt abnehmen, während die Artenzahlen der ursprünglich nicht- einheimischen Arten zunehmen. Die Berechnungen für unterschiedliche Lebensformen zeigen, dass vor allem mit einer Zunahme einjähriger Arten (Therophyten) sowie der Bäume und Sträucher (Phanerophyten)zu rechnen ist. Im Gegensatz dazu wird besonders für Pflanzenarten mit bodennahen Überdauerungsknospen (Hemikryptophyten) eine Abnahme der durchschnittlichen Artenzahl pro Quadratkilometer prognostiziert. Diese zu erwartenden Entwicklungen werden durch die Klimaerwärmung bedingt - bei Hemikryptophyten aber auch durch die Veränderungen der Landnutzung.

BDM (2013): Unterschiedlicher Wandel der Pflanzenvielfalt. BDM-Facts Nr.6/Juni 2013. Biodiversitätsmonitoring (BDM) Schweiz und Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg). www.biodiversitymonitoring.ch/fileadmin/

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