Projekthintergrund

Wer ist Andreas Vesalius?

Der hervorragende Arzt und Anatom Andreas Vesalius hat eine beeindruckende Entwicklung des Wissens um den menschlichen Körper möglich gemacht. Sein grosses Werk De humani corporis fabrica wurde 1543 in Basel veröffentlicht, ein unglaublich wichtiger Moment in der Geschichte der Medizin und im weiteren Sinne auch für das Bild vom Menschen. Dieses Werk führte eine lange Tradition weiter, die hauptsächlich von Galenos, einem Arzt aus dem antiken Griechenland, geprägt war, es lenkte diese Tradition aber auch in eine neue Richtung.

Das in mehrerlei Hinsicht prachtvolle Lehrbuch lieferte eine Beschreibung des menschlichen Körpers auf der Basis minutiöser Beobachtungen, die noch heute unsere Vorstellung und Wahrnehmung prägt. Die heutigen medizinischen Abbildungstechniken haben ihren Ursprung in der Sektionspraxis, in der Beobachtung und bildlichen Umsetzung des menschlichen Körpers.

Vesalius geniesst zwar weltweit Ruhm und Anerkennung, in der Schweiz hat er aber einen ganz besonderen Stellenwert. Im Jahre 1543 sezierte er in Basel öffentlich die Leiche von Jakob Karrer von Gebweiler, einem Mörder von trauriger Berühmtheit. Heute ist sein Skelett, die einzige noch erhaltene Präparation von Vesalius, im Anatomischen Museum Basel ausgestellt.


Wanderausstellung

Die Austellung konzipiert haben Roxanne Currat, Carolina Liebling und Danaé Panchaud vom Musée de la main mit der Unterstützung von Martine Meyer, Francesco Panese und Pascale Perret. Die Szenographie ist von Laurent Junod und Serge Perret, Konstruktion Pierre- Yves Félix, Serge Perret und Alexandre Schaller.

Ergänzungen wurden im Anatomischen Museum Basel von Magdalena Müller-Gerbl vorgenommen.

Das Projekt wurde von der Plattform Biologie koordiniert und von einem wissenschaftlichen Komitee begleitet.

Die Ausstellung wurde im Musée de la Main in Lausanne eröffnet und danach im Anatomischen Museum Basel und im Kulturama - Museum des Menschen in Zürich präsentiert.

Wissenschaftliches Komitee

Prof. Vincent Barras, Université de Lausanne; Prof Andrea Carlino, Université de Genève; Prof. Jean-Pierre Hornung, Université de Lausanne; Prof. Josef Kapfhammer, Universität Basel; Prof. Patrice Mangin, CHUV; Prof. Reto Meuli, CHUV; Prof. Francesco Panese, Université de Lausanne; Dr. Beat Riederer, Université de Lausanne; Prof. Hans-Konrad Schmutz, Universität Zürich; Dr. Eberhardt Wolff, Universität Zürich

Detaillierte Informationen zur Ausstellung an den verschiedenen Standorten:


Theaterstück

Michel Viala und François Rochaix vertieften sich durch das Lesen von Vesals Texten in sein Leben und Werk. In Zusamenarbeit mit den Professoren Jean-David Rochaix, Hans-Konrad Schmutz, Francesco Panese und Andrea Carlino entstanden in Vorbereitungsgesprächen die ersten Ideen und Skizzen zum Theaterstück. Leider wurde diese Zusammenarbeit durch den Tod von Michel Viala unterbrochen. Erschüttert über die traurige Nachricht und in Erinnerung an seinen Freund schrieb François Rochaix den dramaturgischen Text "Rencontre".

Das Theaterstück wurde erstmals in Lausanne im Jahr 2014 aufgeführt, weitere Vorstellungen folgen in Genf im November 2015. Die Vorstellung wird jeweils mit einer Diskussion zwischen dem Publikum und einem Fachexperten, einer Fachexpertin der Anatomie oder der Medizingeschichte abgerundet.

Produktion und Organisation der Vorstellungen durch FRXPROD

Detaillierte Information zum Theaterstück:

RENCONTRE


ANATOMIEN - Von Vesalius zum virtuellen Körper

Ein reich illustriertes Werk begleitet die Wanderausstellung. Es entstand unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Vincent Barras und enthält Beiträge von einer Vielfalt von ExpertInnen aus verschiedenen Fachbereichen.

Die Anatomie nimmt in unseren heutigen Gesellschaften einen besonderen Platz ein. Auf den ersten Blick scheint sie zu einer einzig dem Gebrauch der Mediziner vorbehaltenen esoterischen Wissenschaft zu gehören, zu der das profane Publikum auf Distanz gehalten wird. Zunächst bildet die Anatomie, als Wissen über und Praxis am menschlichen Körper, seit Jahrhunderten den Grundpfeiler, auf den sich noch heute eine Vielzahl verschiedenster medizinischer Fachgebiete stützt, etwa die Radiologie und die medizinische Bildgebung, die Chirurgie, die Rechtsmedizin und die Pathologie. Die Anatomie betrifft unsere Gesellschaft aber als ganze, da die von Anatomen erworbenen Kenntnisse zeitgenössische Vorstellungen enorm durchdringen und die körperlichen Praktiken von heute bestimmen, von der sportlichen Betätigung bis in die Bodybuilding Center. Vom Zeitalter der grossen Anatomen der Renaissance wie Andreas Vesalius bis zu den erstaunlichen technischen Möglichkeiten in gewisssen medizinischen Fachgebieten heutzutage, beispielsweise dem Röntgen oder den "virtuellen Autopsien" der Rechtsmedizin, gestattet uns ihre Entwicklung, die grundlegende Bedueutung dieser Erkenntnisart des menschlichen Körpers zu verfolgen, sowohl für Wissenschaft und Medizin als auch für Kultur und Gesellschaft.

Autorinnen und Autoren:

Vincent Barras, Experte der Medizingeschichte
Dominique Brancher, Expertin der antiken Literatur
Maike Christalder, Expertin der Kunstgeschichte
Andrea Carlino, Experte der Medizingeschichte und Ethik
Silke Grabherr, Expertin der Rechtsmedizin
Jean-Pierre Hornung, Experte der Neurowissenschaften
Josef Kapfhammer, Experte der Neurowissenschaften
Rafael Mandressi, Experte der Medizingeschichte
Patrice Mangin, Experte der Rechtsmedizin
Francesco Panese, Experte der Medizin- und Wissenschaftssoziologie
Beat Riederer, Experte der Neurobiologie und Anatomie
Jessica Vanhaebost, Expertin der Rechtsmedizin

ANATOMIEN - Von Vesalius zum virtuellen Körper