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13.11.2019: weitere Publikationen

Biodiversität ist für die Gesundheit wichtiger als bisher gedacht

Biodiversité plus importante pour la santé qu’on ne le croyait



Danièle Martinoli, Lisa Crump und Jakob Zinsstag

Der Kontakt zur Natur hält gesund. Dies belegt eine Analyse von wissenschaftlichen Studien, die das Forum Biodiversität Schweiz der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) zusammen mit Forschenden durchgeführt hat. Die Ergebnisse wurden nun als Faktenblatt publiziert. Dieses zeigt, dass der Schutz der Biodiversität von grosser Bedeutung ist, um Herausforderungen bei der öffentlichen Gesundheit zu meistern. Jede Person in der Schweiz sollte daher Zugang zu hochwertiger Natur haben.

Le contact avec la nature maintient en bonne santé. C’est ce que confirme une analyse d’études scientifiques que le Forum Biodiversité Suisse de l’Académie Suisse des sciences naturelles (SCNAT) a effectué en collaboration avec des chercheurs. Les résultats ont désormais été publiés dans une fiche d’information. Cette dernière montre que la protection de la biodiversité revêt une grande importance pour relever les défis de santé publique. Chaque personne en Suisse devrait donc avoir accès à une nature de haute qualité.


Eine ganzheitliche Gesundheitsvorsorge fusst auf einer intakten Umwelt. Deren Funktionsfähigkeit wiederum beruht auf der Biodiversität. Eine intakte Natur liefert nicht nur Nahrungs- und Arzneimittel, saubere Luft und Trinkwasser; sie reguliert auch das Klima und baut Schadstoffe ab.
Immer mehr Studien belegen, dass der Beitrag der Biodiversität zu einem gesunden Leben noch viel weiter reicht. Zusammen mit Forschenden hat das Forum Biodiversität Schweiz der SCNAT diese Studien analysiert. Ihr Fazit: Das erhebliche präventive und therapeutische Potenzial der Biodiversität ist zurzeit noch weitgehend ungenutzt.
Der regelmässige Aufenthalt in der Natur hat zahlreiche positive Effekte auf die menschliche Gesundheit: Grünräume spornen dazu an, körperlich aktiv zu sein, Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, sich zu entspannen und geistig zu erholen. Dies ist nicht nur angenehm, sondern wirkt auch nachweislich gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stress, Müdigkeit, Angstzustände, Depressionen und Fettleibigkeit. Es gibt auch Hinweise, dass die Interaktion mit Natur in Zusammenhang steht mit vorteilhafteren Herzfrequenzen, Blutdruckwerten, Vitamin-D- und Cortisol-Spiegeln sowie mit einer tieferen Diabetesrate. Und die Studien zeigen: Menschen verbringen mehr Zeit in artenreichen Umgebungen, die ästhetisch ansprechend, nahegelegen und sicher sind.
Besonders relevant ist die tägliche Dosis Natur für die städtische Bevölkerung. Gerade Kinder brauchen naturnahe, biodiverse Freiräume. Eine landesweite Studie in Dänemark mit fast einer Million Menschen zeigte, dass Kinder, die kaum mit Grünflächen aufgewachsen sind, ein bis zu 55 Prozent höheres Risiko haben, eine psychiatrische Störung zu entwickeln, und dies unabhängig von den Auswirkungen anderer bekannter Risikofaktoren.
Die Biodiversität bremst zudem Infektionskrankheiten beim Menschen, weil Häufigkeit und Vorkommen vieler Erreger eng mit ökologischen Prozessen verbunden sind. So existieren in vielfältigen Lebensräumen viele ungeeignete Wirte, was die Dichte der Krankheitserreger verdünnt und das Infektionsrisiko reduziert.
Eine vielfältige Natur beherbergt viele verschiedene Mikroorganismen. Diese fördern die nötige Reifung des Immunsystems. So gibt es starke Hinweise, dass mikrobenreiche Umgebungen, etwa auf landwirtschaftlichen Betrieben, vor Entzündungen und Autoimmunerkrankungen schützen. Der mangelnde Kontakt von Kindern und Erwachsenen mit verschiedensten Mikroben könnte für die zunehmende Anfälligkeit für Entzündungen und Allergien verantwortlich sein, vermuten Forschende.
Das Faktenblatt präsentiert mehrere Handlungsoptionen, wie sich die Gefahren für die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden minimieren lassen, die sich aus dem anhaltenden Verlust der biologischen Vielfalt ergeben. Politik, Stadt- und Raumentwicklung, Land- und Waldwirtschaft sowie die Verwaltung sind auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene gefordert, allen Menschen den gleichberechtigten Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Natur in ihrem Alltag zu ermöglichen. Dabei gilt es, die Synergien zwischen Biodiversitäts-, Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz zu nutzen. Zudem sind die noch vielen Wissenslücken zum Zusammenspiel von Biodiversität und Gesundheit in der Schweiz zu schliessen. Dazu braucht es ein integriertes, inter- und transdisziplinäres Forschungsprogramm.

Keywords:
Gesundheit, Gesellschaftskrankheiten, Stadt- und Raumentwicklung, Mikroben, inter- und transdisziplinäres Forschungsprogramm

Art der Publikation:
Bericht

Literatur:
Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (2019) Biodiversität, eine Garantie für Gesundheit? Swiss Academies Factsheet 14 (3), 10 S.

PDF-Link

Kontaktadresse:
Dr. Danièle Martinoli
Forum Biodiversität Schweiz, SCNAT
Haus der Akademien
Postfach
3001 Bern

daniele.martinoli@scnat.ch
Tel: +41 (0)31 306 93 41


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