Beiträge


7.4.2020: weitere Publikationen

Schwindende Agrobiodiversität gefährdet sichere Ernährung

La disparition de l’agrobiodiversité menace la sécurité alimentaire



SCNAT (Hrsg.)

Die Agrobiodiversität ging in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurück. Wurden früher rund 7000 Pflanzenarten angebaut, tragen heute nur noch etwa 80 Arten massgeblich zur globalen Nahrungsversorgung bei. Als Pfeiler der Ernährungssicherheit muss die Agrobiodiversität deshalb dringend wiederhergestellt werden. Ein neues Faktenblatt der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT), an dem sich Forscherinnen und Forschern des Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern und das Forum Biodiversität beteiligten, fasst den Rückgang und seine Folgen zusammen und zeigt mögliche Massnahmen in Politik und Wissenschaft auf.

L’agrobiodiversité a drastiquement diminué ces dernières décennies. Alors qu’environ 7000 espèces de plantes étaient autrefois cultivées, seules quelques 80 espèces contribuent aujourd’hui à l’approvisionnement alimentaire dans le monde. En tant que pilier de la sécurité de l’approvisionnement, l’agrobiodiversité doit donc être reconstituée d’urgence. Une nouvelle fiche d’information de l’Académie Suisse des sciences naturelles (SCNAT), à laquelle ont participé des chercheurs et chercheuses du Centre for Development and Environment (CDE) de l’Université de Berne et le Forum Biodiversité, résume le déclin et ses conséquences, et montre les mesures possibles au niveaux politique et scientifique.


Die Globalisierung der industriellen Landwirtschaft, die Uniformität und Normierung von Lebensmitteln haben die Agrobiodiversität massiv reduziert. Nur drei Pflanzensorten (Reis, Mais und Weizen) liefern heute die Hälfte der pflanzlichen Kalorien, und 93 Prozent des Fleisches stammt von Schwein, Geflügel, Rind und Büffel. In Europa und Nordamerika machen zudem Holstein-Rinder 60 bis 90 Prozent aller Milchkühe aus.
Dabei ist die Agrobiodiversität das Fundament der Ernährungssicherheit. Der Anbau und die Zucht von diversen Arten, Sorten und Rassen von Tieren und Pflanzen mindert die Risiken durch Klimaextreme, Schädlingsbefall und Krankheiten. Der Anbau und Konsum einer breiten Palette lokaler Nutzpflanzen sorgen zudem für eine gesunde Ernährung.
Hüter der verbliebenen Vielfalt sind kleine Bauernbetriebe. Diese sind oft eingepfercht zwischen Monokulturen, produzieren aber auf rund einem Viertel der landwirtschaftlichen Fläche die Hälfte der Nahrungskalorien. Sie sind deshalb eher Wegbereiter von nachhaltigeren Ernährungssystemen als Anwender veralteter Bewirtschaftungssysteme.
Das Schicksal der kleinen und mittleren Betriebe ist eng mit der weltweiten Agrobiodiversität verknüpft. Das Faktenblatt empfiehlt der Politik deshalb, die Lebensmittelproduktion so zu unterstützen, dass die Agrobiodiversität und jene Betriebe, welche sie fördern, sich entwickeln können. Dabei gilt es, das im 20. Jahrhundert vorherrschende Paradigma der Gleichförmigkeit durch ein Paradigma der Vielfalt für das 21. Jahrhundert zu ersetzen, etwa durch den Aufbau eines globalen Saatgutsystems, das auf freier Nutzung und auf Austausch beruht.
Der Schweiz kommt eine besondere Verantwortung zu, da grosse Unternehmen in den Bereichen Nahrung, landwirtschaftlichem Handel, Agrochemikalien und Saatgut ihren Sitz in der Schweiz haben. Ihr Geschäftsmodell hängt zurzeit noch vom kontinuierlichen Ausbau eines auf Monokulturen basierenden Nahrungssystems ab, das eine direkte Bedrohung für die Agrobiodiversität darstellt.

Quelle: SCNAT


Keywords:
Agrobiodiversität, genetische Vielfalt, Landwirtschaft, Ernährung, Wirtschaft

Art der Publikation:
Bericht

Literatur:
SCNAT (Hrsg.) (2020): Vielfalt ist die Quelle des Lebens: Herausforderungen und Handlungsbedarf für die Förderung der Agrobiodiversität. Swiss Academies Factsheets 15 (1).

PDF Link

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Stephan Rist
Universität Bern
CDE
Mittelstrasse 43
CH-3012 Bern

Stephan.Rist@cde.unibe.ch


Zurück zur Liste