• 25.05.2018
  • Meldung
  • SCNAT

Prix Schläfli 2018 Chemie: Xiaojiang Xie

Xiaojiang Xie
Bild: Xiaojiang Xie
×
Xiaojiang Xie
Xiaojiang Xie (Bild: Xiaojiang Xie)

Einen «Vulkan an wissenschaftlichen Ideen» nennt ihn Eric Bakker, sein «Doktorvater» an der Universität Genf. Xiaojiang Xie lacht ein wenig, als er das hört, am Telefon in Shenzen, wo er seit zwei Jahren wieder beheimatet ist. Zuvor forschte er während fünf Jahren in Genf und Paris. Hier hatte er einen Karrierestart hingelegt, der aufhorchen liess – als Postdoc brachte er es bereits auf 20 Publikationen als Erstautor.

Offene Ohren für ein solches Jungtalent hatte man auch in China, an der aufstrebenden Southern University of Science and Technology. Er wäre auch gern in Europa geblieben, sagt Xiaojiang, doch sei er wohl einfach zu ungeduldig gewesen – oder die Institutionen in China schlicht forscher und schneller als jene im Westen. Sie haben dem 30-Jährigen einen Posten als Associate Professor angeboten, also forscht Xiaojiang nun wieder in seinem Heimatland, wo es derzeit natürlich wunderbare Möglichkeiten gebe, aber auch einen sehr harten Wettbewerb: «Es gibt sehr viele Jungforscher wie mich, die eine Chance suchen sich zu etablieren.»

Auf sein Forschungsgebiet sei er durch die Arbeiten von Eric Bakker in Genf gekommen. Die Anwendung der analytischen Chemie auf alle möglichen chemischen Sensoren habe ihn inspiriert. Doch dann hat ihn seine Arbeit noch in ein ganz anderes Gebiet davongetragen, Experten nennen es ziemlich poetisch «light harvesting», das Ernten von Licht. In der Biologie gibt es tatsächlich diverse Arten, von Sonnenlicht zu profitieren. Die Photosynthese ist nur eines dieser chemischen Systeme, die Licht in für einen Organismus nutzbare Energie umwandeln. Andere Möglichkeiten sind strukturell verwandt mit den Sensoren, an denen Xiaojiang geforscht hat. Und plötzlich spuckte der Vulkan eine ganz neue Idee aus: Was wenn man diese auf Licht reagierenden Sensoren so umkonzipiert, dass sie nicht primär messen, sondern selbst Energie produzieren? Dabei ist er auf eine fundamentale neue Methode gestossen, die mit etwas Glück eines Tages zur Produktion neuartiger Solarzellen genutzt werden könnte.

Sieht Xiaojiang diese intellektuellen Eruptionen als seine besondere Qualität als Forscher an? Er stutzt ein wenig – natürlich habe er immer wieder Ideen und nicht selten probiert er sie im Labor einfach mal selbst an einem Experiment aus. Aber letztendlich möchte er sich selbst nicht allzu sehr ins Zentrum stellen. «Soll ich Ihnen das Geheimnis meines Erfolgs verraten?» sagt er zum Schluss des Gesprächs. «Es sind all die lebhaften Diskussionen, die ich mit meinen Kollegen und Betreuern hatte.» Wenn er jungen Forschenden erklären müsste, wie eine Karriere wie seine zu erreichen wäre, dann müsste er sagen: Indem man offene Geister trifft, die das «thinking outside of the box» überhaupt möglich machen. Diese habe er in Genf angetroffen, und dafür werde er immer dankbar sein.

Xiaojiang Xie wurde von der Akademie der Naturwissenschaften mit dem Prix Schläfli 2018 in Chemie ausgezeichnet für den Artikel «Photocurrent generation based on a light-driven proton pump in an artificial liquid membrane», den er im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Genf publiziert hat. Er forscht nun an der South University of Science and Technology in Shenzen.

  • Verknüpfungen

Alexandre Bagnoud
  • 25.05.2018
  • SCNAT
  • Meldung

Prix Schläfli 2018 Geowissenschaften: Alexandre Bagnoud

Unweit von St. Ursanne, dem mittelalterlichen Idyll am Doubs, gibt es noch eine weitere Sehenswürdigkeit ganz anderer Art: Das Mont-Terri Felslabor der swisstopo. Der Mikrobiologe Alexandre Bagnoud ist oft dort zu Besuch gewesen zwischen 2012 und 2016 – nicht als interessierter Bürger, der neugierig ist, wie man radioaktive Abfälle am besten lagern sollte, sondern als aktiver Forscher.
Livio Liechti
  • 25.05.2018
  • SCNAT
  • Meldung

Prix Schläfli 2018 Mathematik: Livio Liechti

Man könnte nun mit Flamenco anfangen. Oder mit Donuts. Aber wirklich weiterhelfen würde das auch nicht, wenn man sich einen Begriff von Livio Liechtis Forschung machen möchte. «On the spectra of mapping classes and the 4-genera of positive knots» ist der Titel seiner vor einem guten Jahr eingereichten Dissertation – wer sich darunter etwas Plastisches vorstellen kann, der gehört zum eingeweihten Kreis von Spezialisten.
Preisträgerin und Preisträger Prix Schläfli 2018
  • 25.05.2018
  • SCNAT
  • Medienmitteilung

SCNAT zeichnet die vier besten Dissertationen in Naturwissenschaften aus

Die Lagerung radioaktiver Abfälle, die Bestäubung von Pflanzen, die Nutzung von Sonnenenergie und das mathematische Fassen von Knoten und Oberflächen – die Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) zeichnet am 25. Mai in Bern die vier wichtigsten Einsichten und Lösungen von jungen Forschenden an Schweizer Hochschulen mit dem Prix Schläfli 2018 aus. Alexandre Bagnoud (Geowissenschaften), Livio Liechti (Mathematik), Hester Sheehan (Biologie) und Xiaojiang Xie (Chemie) erhalten den Preis für Entdeckungen im Rahmen ihrer Dissertation. Der Prix Schläfli wird seit 1866 vergeben.
Prix Schläfli 2018 Biologie: Hester Sheehan
  • 25.05.2018
  • SCNAT
  • Meldung

Prix Schläfli 2018 Biologie: Hester Sheehan

Wer sich auskennt im Nachtleben, trägt in manchen Lokalen gern weiss – im UV-Licht strahlt man dann umso schöner. Dass auch die Pflanzen ein ganz ähnliches «Nachtleben» haben, war Forschenden lange nicht aufgefallen: Wie sich Blütenfärbung und die Attraktion von bestäubenden Insekten oder Vögeln gegenseitig beeinflussen, war zwar schon lange ein wichtiges Forschungsfeld, doch waren die Forschenden – den üblichen Arbeitszeiten geschuldet – allein von der Situation am Tag ausgegangen, von bunt leuchtenden Blüten also und auf Farben spezialisierte Augen. Hester Sheehan dagegen nahm sich in ihrer Forschungsarbeit die Nachtseite des Phänomens vor: Langweilig weisse Petunien, die aber im UV-Spektrum auffällig schwarz aussehen. Ein Blickfang für nachtaktive Motten auf der Suche nach Nektar.
Absender

SCNAT