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Feinstaub - woher er kommt und was er im Menschen bewirkt

37. Treffen der Parlamentarischen Gruppe «Klimaänderung» vom 5. Dezember 2006

2006
Dez 5
Veranstaltungsort
Bern

Mit dem nahenden Winter wird Feinstaub wieder zum Thema, da sich bei anhaltenden Inversionslagen hohe Feinstaubkonzentrationen aufbauen. Welche Massnahmen müssen getroffen werden, um hohe Konzentrationen zu vermeiden? Ist Feinstaub für die Gesundheit tatsächlich so gefährlich und warum?
Gemäss Prof. Urs Baltensperger vom Paul Scherrer Institut in Villigen ist Feinstaub kein «neues» Problem. Bereits die Lunge des berühmten «Ötzi» war voller Russ - nur wurde der «Ötzi» nicht so alt, dass sich das Feinstaub-Problem auf seine Lebensdauer ausgewirkt hätte. In der Schweiz haben die Feinstaub-Konzentrationen seit Beginn der Messungen bis zum Jahr 2000 abgenommen. Seither bleiben sie konstant und liegen vielerorts weiterhin über dem Grenzwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.
Wegen der schädlichen Auswirkungen auf unsere Gesundheit müssen die Feinstaub-Werte weiter reduziert werden. Dabei sind zwei verschiedene Strategien gleichzeitig zu verfolgen: Einerseits müssen «primäre» Emissionen, also die direkten Emissionen von Feinstaub-Teilchen reduziert werden. Und andererseits müssen so genannte Vorläufer-Stoffe, also Stoffe, die erst in der Atmosphäre in Feinstaub umgewandelt werden, reduziert werden. Diese Strategie hat insbesondere bei den Feinstaub-Episoden, bei welchen aufgrund austauscharmer Inversionslagen der grösste Teil des Feinstaubs hausgemacht ist, viel grössere Erfolgschancen als «das Warten auf die EU».
Prof. Peter Gehr vom Institut für Anatomie der Universität Bern fokussierte anschliessend auf die Wirkung des Feinstaubs auf unsere Gesundheit. Bereits im anatomischen Atlas von Leonardo da Vinci steht über der Lunge «Staub ist schädlich». Heute wissen wir eindeutig, dass sich Feinstaub auf die Gesundheit negativ auswirken kann und möglicherweise sogar die Sterblichkeit erhöht. Die besonders kleinen Staubpartikel mit Durchmesser kleiner als 100 Nanometer (das heisst kleiner als ein 10'000-stel Millimeter) werden Nanopartikel genannt und sind besonders gefährlich. Warum?
Nachdem eingeatmete Nanopartikel auf der inneren Lungenoberfläche abgelagert worden sind, können sie in Zellen und Gewebe der Lunge und sogar in die kleinsten Blutgefässe eindringen und dadurch mit dem Blutstrom in andere Organe transportiert werden.
Luftverschmutzung, und dabei besonders Nanopartikel, Ozon, das Stickoxyd NO2, und der Zigarettenrauch, kann Entzündungsreaktionen verursachen. Dadurch werden Zellen, welche die innere Lungenoberfläche auskleiden, und sogar das darunter liegende Gewebe geschädigt. Tierversuche haben gezeigt, dass dies zu Lungenentzündung und, falls die Partikel ins Blut gelangen, zu Veränderungen im Blut sowie in den Blutgefässen führen kann. Gelangen die Partikel mit dem Blut in andere Organe, können sie auch dort Zell- und Gewebeschädigungen verursachen.

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