• 2017
  • Faktenblatt

Erdnistende Wildbienen

Die gemeinnützige Organisation wildBee.ch hat neu das erste Merkblatt herausgegeben rund um erdnistende Wildbienenarten. Es richtet sich an Landwirte, landwirtschaftliche Beratung, Landschafts- und Naturgärtner, Wildbienenfreunde und weitere Interessierte. Das Merkblatt zeigt auf, dass die grosse Mehrheit der Wildbienen im Boden lebt und wie sie dort ihre Nester anlegen für die kommende Generation Bestäuber. Darunter viele bedrohte Arten, die auf diese Förderung besonders angewiesen sind. Vorgestellt werden verschiedene Niststrukturen wie offene Bodenflächen, Sandhaufen, Randkanten, Naturwege und Wegfugen, Hohlräume in der Erde, überhängende Abrisse und Steilkanten etc. Praxiserprobt werden die Bedingungen für eine erfolgreiche Besiedlung dargelegt, erklärt wie Beeinträchtigungen vermieden, geeignetes Material ausgewählt und die Bereiche langfristig gepflegt werden. Es ist als eBook kostenlos und frei zugänglich oder kann auch als gedrucktes Exemplar bestellt werden.

Von den 600 Arten von Wildbienen in der Schweiz sind mindestens 45% bedroht. Erdnistende Wildbienen sind in den letzten Jahren besonders stark zurückgegangen. Sie gelten deshalb als stark bedroht und besonders angewiesen auf Fördermassnahmen. Deshalb hat wildBee.ch im Rahmen ihres neuen Projekts «Wildbestäuberfreundliche Landwirtschaft» als erstes Element ein Merkblatt über die Bodenbrüter erstellt. Denn die vielen aktuellen Angebote zur Förderung des Nahrungsangebots wie Blühstreifen, Brachen etc. können viele Wildbienenarten erst nutzen, wenn sie im näheren Flugradius gleichzeitig auch geeignete Nistplätze finden und vor dem schädlichen Einfluss von Pestiziden geschützt sind.

«Mit dem neuen Merkblatt schliessen wir ein wichtige Lücke», freut sich Präsidentin und Projektleiterin Deborah Millett, «denn bisher waren nur wenige Informationen zu diesem wichtigen Thema erhältlich». Da immer mehr Anfragen dazu eingehen, wie man erdnistende Wildbienen fördern kann, wurden im Merkblatt praxiserprobte Erfahrungswerte und Erkenntnisse aus dem Austausch mit Fachleuten und Praktikern zusammengetragen. Eingeflossen ist auch das mehrjährige Knowhow aus den verschiedenen Niststrukturen im Wildbienen-Schaugarten der Organisation. Das Merkblatt zeigt auf, weshalb die Bodennistplätze zurückgegangen sind, welche Ansprüche Wildbienen haben und nach welchen Kriterien sie diese wählen. Mit vielen Fotos und Anleitungen wird sichtbar, wie geeignete Bereiche sinnvoll realisiert werden können. Es portraitiert auch landwirtschaftlich relevante Erdnister, die grossen Einfluss auf den Ernteertrag haben, denn nur eine vielfältige Bestäubergemeinschaft kann eine langfristig nachhaltige Bestäubung und Ernährungssicherheit garantieren. Auf industrielle Konzepte zu setzen wie Laborhummelzuchten oder Mauerbienenvermehrung trägt nur kommerziellen Interessen Rechnung und ist zu einseitig und riskant. Mit Erdstrukturen können viele effiziente Wildbienenarten wie Sandbienen, Furchenbienen, Schmalbienen, heimische Hummelarten und weitere Arten nachhaltiger gefördert werden, die sich freiwillig einfinden und langfristig gute Erträge sichern.

Bereiche für Erdnister können in verschiedenen Grössen geschaffen werden und sind in der Landwirtschaft, im Kulturland wie auch im Siedlungsraum wertvoll. Sie leisten einen grossen Beitrag und ermöglichen spannende Beobachtungsmöglichkeiten der faszinierenden und unverzichtbaren Wildbestäuber, wenn gleichzeitig vielfältige Blütenangebote vorhanden sind.

Interaktives eBook unter https://ebooks.wildbee.ch/erdnister/

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