Ben Pabst

Photo Ben Papst
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Meeresbiologe, Paläontologe, Ausgräber und Präparator

Anlässlich ihrer 95. Jahresversammlung in Eichstätt (Bayern) verleiht die Schweizerische Paläontologische Gesellschaft am 24. September 2016 die Amanz Gressly-Auszeichnung an Dr. Ben Pabst für seine bedeutenden Verdienste rund um die Kenntnisse von Fossilien im Gelände, deren Bergung und Präparation. Ben hat sich besonders rund ums Thema Dinosaurier verdient gemacht, einerseits in der nordamerikanischen Morrison-Formation, anderseits für die Schweiz ganz speziell in Frick, wo er zum „Dinosaurier-Papst“ avancierte!


Jugendjahre

Benedict Pabst, den meisten als Ben bekannt, kam am 26.1.1949 in Wien, als Sohn von Peter und Sybille Pabst zur Welt. Schon als Fünfjähriger hat er aus dem Sandstein-Sockel eines alten Bauernhauses in der Steiermark fossile Muscheln „herausgepopelt“, darunter auch ein Fossil, welches er später als schönen Clypeaster, einen Seeigel aus dem marinen Miozän identifizieren konnte. Da in Bens Familie fast allesamt Sammler waren, erstaunte seine Sammelleidenschaft eher weniger. Mit seinem Bruder und einem Nachbarn machte Ben später in der Schweiz verschiedene Exkursionen in diverse Jurasteinbrüche um Ammoniten zu suchen. Weiter hatte Ben eine grosse Leidenschaft für lebende Tiere. Seine ersten Haustiere waren Feuerwanzen – seine Mutter war zum Glück sehr tolerant! Die Primarschule begann er in Österreich, setzte sie später in Zürich fort, wo er auch die Sekundarschule und die Kantonsschule in mathematisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung besuchte.


Ausbildungsjahre

1969 begann Ben an der Universität Zürich ein Biologiestudium, welches er 1974 mit dem Diplom abschloss. Dass er in seinem Beruf etwas erforschen würde war ihm von Anfang an klar, das Studium der Zoologie (Meeresbiologie) mit Nebenfach Paläontologie eine logische Konsequenz seiner Leidenschaften. Daher beendete er seine Studien nicht mit dem Diplom. Seine Dissertation über die Fressstrategie von Seesternen schloss er aus verschiedenen Gründen jedoch erst in den Achtziger Jahren ab.

Bei vier Aufenthalten auf Sardinien wurde in verschiedenen Forschungsprojekten

die ökologische Untersuchung freilebender Populationen der Seestern-Gattung Astropecten weitergeführt. An der günstigsten Einsatzstelle koexistieren zwei Seesternarten und bilden mit ihren Beutetieren ein Ökosystem, in dem Konkurrenz sowie Räuber-Beute-Beziehungen regulierend wirksam sein dürften. Die Aufgabe bestand darin, die vermuteten Prozesse quantitativ zu erfassen und auf Grund

der gewonnenen Einsichten ein mathematisches Modell zu bilden, das die Verhältnisse richtig und erschöpfend beschreibt. An den Arbeiten waren gesamthaft 13 Personen beteiligt, unter ihnen der Leiter Prof. H. Burla, der technische Fachspezialist und Gerätetaucher Hainz Maag oder der Assistent H. Vicentini. Es wurden Daten über Fressraten, Kannibalismus und Bestandesdichte der konkurrierenden Seesternarten erhoben und interpretiert.


Ein Herz für Sardinien; Familiengründung

Seinen Urlaub verbringt Ben meist im geliebten Sardinien, seit seiner Studienzeit. Eine Gruppe Studierende der Marin-Biologie, die meisten auch leidenschaftliche Taucher, traf sich wiederholt in Sardinien ab 1969. Bereits 1973 erwarb Ben in Sardinien ein Haus und bis heute kann man ihn daher jedes Jahr auf Sardinien antreffen.

Seine Frau Brigitte hat Ben 1972 während dem Studium kennen gelernt. Sie studierte Medizin, Heilpädagogik und arbeitet als Primarlehrerin. Sie teilt die Freude an der Natur allgemein und für Sardinien. Ben und Brigitte haben einen Sohn und eine Tochter.

Expeditionen mit Köbi Siber

Köbi Siber kennt Ben seit dessen Diplomzeit als Meeresbiologe. Ben hatte einen Nebenverdienst als Präparator begonnen und erhielt von Köbi einen Auftrag zum Präparieren von Fossilien und zur Skelett-Montage von Ursäugern aus den Badlands der USA. Köbi Siber, Urs Oberli, Ben Pabst, Christian Meyer, dessen Bruder sowie Bruno Higgins pachteten eine Zeit lang einen Steinbruch in den eozänen Fischschiefern in Wyoming. Ben präparierte in der Folge sehr viele fossile Wyoming-Fische. In den Achtziger Jahren war Ben bei 5 von 7 Walgrabungen von Köbi Siber in Peru mit dabei. Er profilierte sich dabei mit tollen Improvisationen unter logistisch primitiven und technisch schwierigen Verhältnissen. Seine hervorragende adleraugenmässige Beobachtungsgabe betraf insbesondere die Geologie und Palökologie. Die Walskelette Juan, Fregatt, Jonas und S-Wal (Aathal) wurden von Ben präpariert.


In Wyoming auf Dinosaurierjagd

Während vieler Jahre war Ben Pabst beauftragter des Sauriermuseums Aathal auf den Grabungen der Howe Ranch in Wyoming. Bereits auf der ersten Erkundungsgrabung 1989/90 auf der Howe-Ranch war Ben mit dabei. Er tätigte diverse wichtige Funde und er erwies sich als äusserst geländegängig: Bei Geländeexplorationen entdeckte er auch weitere Fundstellen (Howe Scott, Aurora, Alf). Er war mindestens sieben Jahre auf den Ausgrabungen von Köbi Siber dabei. Seine Erfahrung in Ausgrabung und Präparation der Dinosaurierknochen verhalf stets zu Verbesserungen der Grabungstechnik. Ben hat auch eine eigene Grabungsstelle in Wyoming gepachtet, gräbt dort in letzter Zeit jedoch kaum mehr, wohl wegen seines alljährlichen grossen Einsatzes in Frick.

Eine Grabungsanekdote im 2. Jahr im Howe Stephens Quarry

Über dem Camarasaurier „ET“ lagen Becken und Schwanzteile eines andern Sauropoden. Ben grub eine Art Tunnel zum Sondieren – es wurde fast eine Höhle daraus. Plötzlich wurde es 2 Stunden lang dort sehr ruhig. Köbi Siber wunderte sich und fragte ihn, was denn los sei. Nun, Ben hatte mit einer Brechstange den Unterkiefer von ET erwischt, da er diesen dort überhaupt nicht erwartet hatte. Nun suchte er minutiös alle Stücke und klebte sie sorgfältig zurück. Am Ende war nichts verloren gegangen und ET gehört zu den weltbesten Camarasauriern!

Zusammenbau der „Jagdbeute“ für das Sauriermuseum Aathal

Neben der Präparation machte Ben immer mit grösster Begeisterung Skelett-Wandmontagen für das Sauriermuseum Aathal und brachte dabei 150% Einsatz. Moritz, Big Al II, ET, Arky, MaX sind allesamt Montagen im typischen, attraktiven Halbrelief „Ben-Stil“. Auch die Schädelrekonstruktionen mit Originalmaterial (Schädel-Gallerie Big Al II bis MaX) im Sauriermuseum Aathal tragen Bens Handschrift.

Steckenpferd Frick: Leiter der Dinosaurierausgrabungen

Schon 1960 wurden erste Dinosaurierknochen in Frick gemeldet. Ben barg zusammen mit Urs Oberli über Pfingsten 1976 die ersten Dinosaurierfunde in Frick. 1978 wurde das erste Sauriermuseum im Werkareal der Tonwerke Keller in Frick durch Ben eingerichtet. Seit 1996 entstand das neue Museum im Schulhaus Frick und die Saurierkommission wurde gegründet. Seit 2004 ist Ben Pabst offiziell Beauftragter der Saurierkommission in Frick (AG) und Grabungsleiter in der dortigen Tongrube Gruhalde. Seither sind über 35 Skelette und Teilskelette von grossen uns kleineren Plateosauriern, darunter einige hervorragend erhaltene Plateosaurus-Skelette in verschiedenen Altersstadien geborgen worden. Bereits 2006 konnte Ben mit einer Sensation aufwarten: Der erste Raubsaurierfund aus Frick, ein rund 2m langes, kopfloses, noch junges männliches Exemplar eines mit Coelophysis verwandten Raubdinosauriers! Wenig später, als auch noch dessen Schädel hinzu kam, war die Sensation perfekt. Weitere Funde erfolgten auch anlässlich von Notgrabungen bei Einfamilienhausbauten am Frickberg, so auch die bisher einzige Schildkröte aus Frick, Proganochelis.


Jährlich kommen in Frick neue Knochen-Funde ans Tageslicht, die erst teilweise präpariert werden konnten. Ein Museumsneubau drängt sich allmählich auf.

Bilanz

Ben Pabsts „Dinosaurier-Knochenbilanz“ umfasst also ein paar Dutzend Teilskelette in den USA und in Frick! Im Schaupräparatorium in Aathal arbeitet Ben auch an Präparationsaufträgen aller Art: Fische aus Solnhofen, Ammoniten aus dem Aargauischen Frick, von Marokko etc. Auch der Fossilinhalt der Spaltenfüllungen von Dielsdorf, vor der Haustüre Zürichs, wurde von Ben geborgen. Vorher hatte sich kaum jemand darum gekümmert.

Wo immer spannende Funde getätigt werden, Ben kann sie zu neuem Leben erwecken. Seine grosse Leidenschaft gilt nach wie vor den Fossilien. Publizieren ist allerdings weniger Bens Leidenschaft, dies überlässt er lieber andern. Ich wünsche Ben weiterhin viele tolle Saurierfunde und viel Lebensfreude in und mit der Natur. Bei Köbi Siber, René Kindlimann und Ben Pabst bedanke ich mich für Informationen, Korrekturen und Lektorat.

Thomas Bolliger


Referenzen von und über Ben Pabst

Burla, H., Pabst, B., & Stahel, W. (1976): Vorkommen von Asiropecten aranciacus (Echinodermata, Asteroidea) in Abhängigkeit von Umweltbedingungen. Helgoländer wiss. Meeresunters. 28. 167-182.

Der Dino-Papst. Migros-Magazin 3.9.2012.

Foelix, R. (2007): Neue Sauriergrabungen in Frick. ANG-Bulletin 2/2007: 6-8.

Huwyler, M. (2015): Der Dinosaurier-Papst. Schweizer Illustrierte 36/1: 42 – 51.

Pabst, B. & Vicentini, H. (1978): Dislocation Experiments in the Migrating Sea Star Astropecten johnstoni. – Mar. Biol. 48: 271-278.

Zollinger, Y. (2008): Der Knochenjäger. Mir z’lieb, Kundenzeitschrift EGK-Gesundheitskasse 13/März 2008: 18-19.