Christian Obrist

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Christian Obrist
Christian Obrist

Leidenschaftlicher Sammler, Präparator und Entdecker

An ihrer 92. Jahresversammlung vom 28. September 2013 in Laufen hat die Schweizerische Paläontologische Gesellschaft Christian Obrist die Amanz Gressly-Auszeichnung für seine besonderen Verdienste in der Erforschung der Triasfossilien von Graubünden verliehen.

Christian Obrist ist leidenschaftlicher Sammler und Präparator von Fossilien, die er mit grosser Sachkenntnis und Sorgfalt aus Fundstellen der Schweiz, Deutschland, Frankreich, England und Schottland geborgen hat. Seit 1997 arbeitet er jeden Sommer mit einem Team von Heinz Furrer (Universität Zürich, PIMUZ) in einem fossilreichen Horizont der mittleren Trias im Hochgebirge bei Davos. Dabei hat er viele interessante Fische, Reptilien und Krebse entdeckt, geborgen, dokumentiert und präpariert. Das Engagement von Christian Obrist für die paläontologische Forschung in Graubünden wurde nicht nur in Zeitungsartikeln und Fernsehberichten gewürdigt, sondern auch in der Fachliteratur mit der Benennung des Fischs Peltoperleidus obristi Herzog 2001 und des Landsauriers Macrocnemus obristi Fraser & Furrer 2013 geehrt. Sein wohl schönster Fund, ein Saurichthys costasquamosus, wurde 1998 im Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Lissabon ausgestellt. Christian Obrist setzt sich auch für die Förderung der Paläontologie in der Öffentlichkeit ein. So ist er seit vielen Jahren Vorstandsmitglied der Freunde des Naturhistorischen Museums Basel, des Geologisch-Paläontologischen Arbeitskreises Frick und Vertreter der Amateure im Vorstand der Schweizerischen Paläontologischen Gesellschaft (SPG).


Kurzbiographie

Am 22.12.1965 in Basel geboren, erhielt er bereits im Kindergartenalter sein erstes Fossilienbuch (Wilhelm Bölsche, 1931: Das Leben der Urwelt) von seinem Grossvater geschenkt. Alte deutsche Schrift war somit das erste, was Christian lesen konnte. In jungen Jahren sportlich sehr aktiv: mit 15 Jahren Basler Meister im Hochsprung, dann zum Stabhochsprung gewechselt und sich im Zehnkampf versucht. Zusätzlich Jugileiter (J&S) im Turnverein Riehen. 1982–1985 Ausbildung zum Biologielaboranten bei Ciba-Geigy. Ende 80er Jahre Grundlagenforschung mit dem «lebenden Fossil» Limulus polyphemus (Pfeilschwanz). Seit 1982 an den Internationalen Basler Mineralien- und Fossilientagen als Aussteller anzutreffen. Angeln war eine grosse Leidenschaft; so wurde auch die Begeisterung für fossile Fische geweckt.
An der SPG-Tagung in Bergamo 1989 hat Karl Tschanz (Zürich) «sein Leben verändert», als er ihm, Elisabeth Schaufelberger und Alfred Hattich von der Sammelexkursion des PIMUZ im Ducantal und den dortigen Fischfossilien aus der Prosanto-Formation erzählte und sie motivierte, doch mal hinzugehen. Das Sertigtal besuchte er 1991 zum ersten Mal. Nun war es um ihn geschehen. Bis 1993 wurden erst Wochenende, dann ganze Ferien im Sertig verbracht. Jeden Tag zu Fuss hinauf zu einer von ihm entdeckten Fundstelle. Seit 1997 arbeitet er jeden Sommer mit einem Team von Heinz Furrer (PIMUZ) im Rahmen eines vom Kanton Graubünden unterstützten Forschungsprojekts. Seither wird das Material mit dem Helikopter transportiert und im Zelt übernachtet, so dass nicht mehr jeden Tag rauf und runter marschiert werden muss. Wird sein Traum, einen Flugsaurier in der Prosanto-Formation zu finden, je in Erfüllung gehen?

Mitglied diverser Fachgesellschaften
- Schweizerische Paläontologische Gesellschaft, seit 2006 Vertreter der Amateure im Vorstand
- Paläontologische Gesellschaft (Deutschland)
- Freunde des Jura-Museums e.V., Eichstätt
- Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums Stuttgart e.V.
- Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt
- Verein zur Förderung des Sauriermuseums Aathal
- Naturforschende Gesellschaft beider Basel
- Freunde des Naturhistorischen Museums Basel, Vorstandsmitglied seit 2002
- SVSMF Sektion Basel, von 1995–2000 Exkursionsleiter und Vorstandsmitglied
- Geologisch-Paläontologischer Arbeitskreis Frick, seit 1994 im Organisationskomitee


Referenzen

CAVIN L., FURRER H., OBRIST C. 2013. New coelacanth material (Sarcopterygii, Actinistia) from the Middle Triassic of eastern Switzerland, and comments on the diversity of Post-Palaeozoic coelacanths. Swiss Journal of Geosciences 106. DOI 10.1007/s00015-013-0143-7

FRASER N., FURRER H. 2013. A New Species of Macrocnemus from the Middle Triassic of the Eastern Swiss Alps. Swiss Journal of Geosciences 106. DOI 10.1007/s00015-013-0137-5

GASSLER B. 2012. Der Fisch liegt auf dem Berg. Davoser Zeitung, 14. September 2012.

GATTLEN N. & WÜTHRICH T. 2011. GEO Schauplatz Schweiz. GEO 12/2011, 1–12.

FURRER H. 2011. Blättern im Buch der Erdgeschichte Graubündens. Terra Grischuna 6/2011, 35–39.

FURRER H. 2011. Neue Fossilien aus dem Hochgebirge Graubündens. Schweizer Strahler 2/2011, 29–33.

FURRER H. 2009. So kam der Fisch auf den Berg – Eine Broschüre über die Fossilfunde am Ducan. Bündner Naturmuseum Chur und Paläontologisches Institut und Museum, 2. aktualisierte Auflage, 32 S.

SCHWEIZER FERNSEHEN SF2, NZZ-Format, RAUCH B. 22.09.2005. So kam der Fisch auf den Berg. (TV, 25 Min.).

HERZOG A. 2001. Peltoperleidus obristi sp. nov., ein neuer, kleiner Strahlenflosser (Actinopterygii, Perleidiformes) aus der Prosanto-Formation (Mitteltrias) von Graubünden (Schweiz). Eclogae Geologicae Helvetiae 94, 495–469.

FURRER H. & LEU U. 1998. Der Landesplattenberg Engi. Forschungsgeschichte, Fossilien und Geologie. Stiftung Landesplattenberg Engi, 131 S.

OBRIST C. 1998. Als die Schweiz noch ein einziges Meer war. Novartis Live 9, 1998.

TELE BASEL 1995. Bericht über die Präparation von Fossilien (TV, 4 Min)

HOLENWEG H., MEIER E., HIRT R. & OBRIST C. 1994. Eine Seelilienkolonie aus dem Schweizer Jura. Fossilien 1994/2, 96–101.

NATUR AKTUELL 1989. Lagebericht zur Situation im Kanton Baselland 1989, 13–21.

DE BEAUMONT G. 1987. Présence de genre Eusmilus Gervais (Mammifère, Carnivore) dans la molasse oligocène suisse. Eclogae Geologicae Helvetiae 80/3, 939–942.

Heinz Furrer, 18.09.2013