„Physik anschaulich und interessant machen“

Bahar Behzadi, Physiklehrerin am Freien Gymnasium Zürich, hat mit ihren Schülern im letztjährigen Wettbewerb 'Physik im Advent' gewonnen. Der Siegerpreis war ein Besuch im Swiss Science Center Technorama in Winterthur. Im Interview berichtet die 44-jährige Lehrerin über ihre Erfahrungen.

Bahar Behzadi, Physiklehrerin am Freien Gymnasium Zürich.
Bild: zVg

Frau Behzadi, Sie waren dieser Tage mit Ihren Schülerinnen und Schülern zu Besuch im Swiss Science Center Technorama in Winterthur. Wie ist die Wissenschaftsausstellung bei der Klasse angekommen?

Sehr gut. Der Besuch hat sehr gut gepasst, denn wir haben im Unterricht gerade das Thema Schwingungen und Wellen. Zu dem Thema gibt es im Technorama eine sehr schöne Ausstellung. Wir versuchen auch in der Schule, physikalische Phänomene verständlich zu machen, aber das ist nicht vergleichbar mit dem, was das Technorama anbietet.

Was zum Beispiel gibt es in Winterthur zu sehen, das Sie in der Schule nicht verfügbar haben?

Eine transversale oder eine longitudinale Welle können wir auch in der Schule zeigen, aber nicht in dieser Dimension wie im Technorama. Neu für die Schüler waren die Versuche zur stehenden Welle. Was wir an der Schule ebenfalls nicht zeigen können sind etwa die grossen Blitze in der Elektrizitätslehre oder Versuche mit Supraleitern.

'Physik im Advent' ist ein Adventskalender im Internet, bei dem die Schüler jeden Tag ein einfaches physikalisches Experiment durchführen können. Was hat Sie vor einem Jahr bewogen, bei dem Wettbewerb mitzumachen?

Ich mache bei 'Physik im Advent' seit Beginn mit, und jetzt auch 2016 wieder. Aktivitäten dieser Art sind eine Bereicherung für den Unterricht. Bei den Experimenten muss ich auch selber manchmal nachdenken, um sie ganz zu verstehen. Wir führen die Versuche in der Klasse durch. Dafür besorgen wir vorgängig das notwendige Material, wie es auf der Internetseite von 'Physik im Advent' beschrieben ist. Die Experimente geben immer wieder Anlass für spannende Diskussionen mit den Schülern.

'Physik im Advent' stellt jeden Tag ein neues Experiment vor, während Sie die Schüler nicht täglich in Physik unterrichten. Wie lösen Sie dieses Problem?

Ich nehme mit meiner Schwerpunktfach-Klasse an 'Physik im Advent' teil. Da sind nur acht, neun Schüler dabei, was die Abstimmung erleichtert. An den Tagen ohne Physikunterricht sehen wir uns manchmal in der Pause, um die Experimente zu besprechen. Oder die Schüler machen die Experimente allein zu Hause, erstellen davon ein Video, und anschliessend diskutieren wir im Chat darüber.

Unter welchen Voraussetzungen ist eine Teilnahme an 'Physik im Advent' für Physiklehrkräfte besonders empfehlenswert?

Schüler aus Schwerpunktklassen sind natürlich besonders interessiert. Im Grundlagenfach gelingt es manchmal zumindest, Interesse zu wecken. Unterrichtet man eine ganze Klasse mit 20 Schülern, ist es ratsam, ein oder zwei Experimente aussuchen, statt den ganzen Adventskalender durchzuarbeiten. Den mit so vielen Schülern ist das Nachvollziehen und Diskutieren der Experimente doch recht anstrengend.

Unsere Webseite befasst sich hauptsächlich mit der Physik der Elementarteilchen. Welche Rolle spielt diese Fachrichtung in Ihrem Unterricht am Freien Gymnasium Zürich?

Wir machen Atom- und Kernphysik. Elementarteilchenphysik habe ich bisher leider nie unterrichtet. Das Thema interessiert mich aber schon, zumal die Schüler viel Interesse an CERN-Besuchen zeigen. Ich hatte bisher ganz einfach keine Zeit, eine passende Unterrichtseinheit zu entwerfen. Ich möchte dies aber noch tun, so wie ich es früher schon für die Quantenmechanik gemacht habe.

Was ist Ihr persönliches Rezept, um Schüler ganz generell für Physik zu interessieren?

Physik ist ein Fach mit sehr viele faszinierenden Phänomenen und praktischen Anwendungen. Das muss man den Schülern sichtbar machen. Und sie müssen die Möglichkeit bekommen, selber auszuprobieren. Leider ist das nur mit kleinen Klassen wirklich gut möglich. Nicht zu vergessen: Die Schulen müssen die nötige Zeit und das nötige Geld investieren.

Sie haben in Teheran und an der ETH Zürich studiert, befassten sich nach dem Erwerb des Doktortitels dann fünf Jahre bei ABB mit Halbleitertechnik. Ein Vorteil für den Unterricht?

Die Erfahrung aus der Industrie kommt mir heute als Physiklehrerin sehr zugut. Ich kann den Schülern vermitteln, wie wichtig die Technik im täglichen Leben ist und wie sehr wir davon abhängig sind. Das trägt viel dazu bei, Physik im Unterricht anschaulich und interessant zu machen.

Interview: Benedikt Vogel

Die Schülerinnen und Schüler von Bahar Behzadi beim Besuch im Technorama.
Die Schülerinnen und Schüler von Bahar Behzadi beim Besuch im Technorama.Bild: zVg

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