• 25.05.2018
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Prix Schläfli 2018 Biologie: Hester Sheehan

Prix Schläfli 2018 Biologie: Hester Sheehan
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Prix Schläfli 2018 Biologie: Hester Sheehan
Prix Schläfli 2018 Biologie: Hester Sheehan

Wer sich auskennt im Nachtleben, trägt in manchen Lokalen gern weiss – im UV-Licht strahlt man dann umso schöner. Dass auch die Pflanzen ein ganz ähnliches «Nachtleben» haben, war Forschenden lange nicht aufgefallen: Wie sich Blütenfärbung und die Attraktion von bestäubenden Insekten oder Vögeln gegenseitig beeinflussen, war zwar schon lange ein wichtiges Forschungsfeld, doch waren die Forschenden – den üblichen Arbeitszeiten geschuldet – allein von der Situation am Tag ausgegangen, von bunt leuchtenden Blüten also und auf Farben spezialisierte Augen. Hester Sheehan dagegen nahm sich in ihrer Forschungsarbeit die Nachtseite des Phänomens vor: Langweilig weisse Petunien, die aber im UV-Spektrum auffällig schwarz aussehen. Ein Blickfang für nachtaktive Motten auf der Suche nach Nektar.

Die junge Forscherin musste nicht unbedingt ein besonderer Nachtmensch sein, um ihr Experiment durchzuführen. Sie müsse entsprechende Hoffnungen enttäuschen, sie gehöre zu der langweiligen Spezies, die ihre Tage (und wohl auch manch eine Nacht) im Labor zubringe. Keine Feldforschung, keine Expeditionen mit UV-Lampen – es ging vor allem darum, die entsprechenden Gene aufzuspüren, die für die verschiedenen Färbungen der Blüten verantwortlich sind. Die Frage, die sich dabei stellt, ist aber nicht weniger interessant: Was passiert auf regulatorischer Ebene, wenn sich eine Pflanze auf einen neuen Bestäuber einstellt? Wie gehen die genetischen Verschiebungen genau vor sich? Sheehan konnte in akribischer molekularbiologischer Detektivarbeit zeigen, dass die Vorläufer der von ihr studierten Art von Bienen bestäubt worden sind und dass damals das von ihr entdeckte Gen MYB-FL kaum aktiv war. Als in einem ersten evolutiven Schritt das Gen aktiviert wurde, dominierten die produzierten Stoffe die Pigmentierung und die Blüten wurden weiss – und lockten in der Nacht Schwärmer-Motten an. Als das Gen in einem weiteren evolutiven Schritt mutierte und seine Funktion ganz verlor, änderte sich die Farbe wiederum. Von nun an waren es plötzlich Kolibris, die die Blüte am attraktivsten fanden, jetzt wieder tagsüber.

Den aufregendsten Moment ihrer Forschungsarbeit erlebte Sheehan, als sie zur Blütezeit in ihrem Treibhaus inmitten hunderter gleichfarbiger Blüten das erste Mal auf eine etwas hellere Farbe gestossen sei. Da hielt sie das Resultat ihrer Forschung, das heisst die entscheidende Genmutation, buchstäblich in Händen. Ein einzelnes Gen, das für eine entscheidende Veränderung in der Blütenfärbung und damit die Bildung einer neuen Art verantwortlich ist? So eine evolutive «Smoking Gun» bekommen die Biologen selten in die Finger, vor allem wenn es um komplexe Adaptationen wie einen Wandel der Bestäubung geht. Aber bis zur Bestätigung der Theorie im Labor war es dann natürlich noch ein weiter Weg, mit vielen kleinen Fort- und Rückschritten und Momenten des Zweifelns und Neuorientierens. Sheehan hält dieses Fortschreiten im Zickzack für eine besondere Qualität, die jede Forscherin mitbringen sollte: Zu lernen, die Prioritäten immer wieder neu zu setzen, immer wieder herauszufinden, ob der aktuelle Ansatz immer noch entscheidend ist. Oder ob man den inneren Kompass nicht besser neu ausrichten sollte.

Hester Sheehan wurde von der Akademie der Naturwissenschaften mit dem Prix Schläfli 2018 in Biologie ausgezeichnet für den Artikel «MYB-FL controls gain and loss of floral UV absorbance,a key trait affecting pollinator preference and reproductive isolation», den Sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität Bern publiziert hat. Sie forscht nun an der Universität Cambridge.

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Preisträgerin und Preisträger Prix Schläfli 2018
  • 25.05.2018
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SCNAT zeichnet die vier besten Dissertationen in Naturwissenschaften aus

Die Lagerung radioaktiver Abfälle, die Bestäubung von Pflanzen, die Nutzung von Sonnenenergie und das mathematische Fassen von Knoten und Oberflächen – die Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) zeichnet am 25. Mai in Bern die vier wichtigsten Einsichten und Lösungen von jungen Forschenden an Schweizer Hochschulen mit dem Prix Schläfli 2018 aus. Alexandre Bagnoud (Geowissenschaften), Livio Liechti (Mathematik), Hester Sheehan (Biologie) und Xiaojiang Xie (Chemie) erhalten den Preis für Entdeckungen im Rahmen ihrer Dissertation. Der Prix Schläfli wird seit 1866 vergeben.
Xiaojiang Xie
  • 25.05.2018
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Prix Schläfli 2018 Chemie: Xiaojiang Xie

Einen «Vulkan an wissenschaftlichen Ideen» nennt ihn Eric Bakker, sein «Doktorvater» an der Universität Genf. Xiaojiang Xie lacht ein wenig, als er das hört, am Telefon in Shenzen, wo er seit zwei Jahren wieder beheimatet ist. Zuvor forschte er während fünf Jahren in Genf und Paris. Hier hatte er einen Karrierestart hingelegt, der aufhorchen liess – als Postdoc brachte er es bereits auf 20 Publikationen als Erstautor.
Alexandre Bagnoud
  • 25.05.2018
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Prix Schläfli 2018 Geowissenschaften: Alexandre Bagnoud

Unweit von St. Ursanne, dem mittelalterlichen Idyll am Doubs, gibt es noch eine weitere Sehenswürdigkeit ganz anderer Art: Das Mont-Terri Felslabor der swisstopo. Der Mikrobiologe Alexandre Bagnoud ist oft dort zu Besuch gewesen zwischen 2012 und 2016 – nicht als interessierter Bürger, der neugierig ist, wie man radioaktive Abfälle am besten lagern sollte, sondern als aktiver Forscher.
Livio Liechti
  • 25.05.2018
  • SCNAT
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Prix Schläfli 2018 Mathematik: Livio Liechti

Man könnte nun mit Flamenco anfangen. Oder mit Donuts. Aber wirklich weiterhelfen würde das auch nicht, wenn man sich einen Begriff von Livio Liechtis Forschung machen möchte. «On the spectra of mapping classes and the 4-genera of positive knots» ist der Titel seiner vor einem guten Jahr eingereichten Dissertation – wer sich darunter etwas Plastisches vorstellen kann, der gehört zum eingeweihten Kreis von Spezialisten.

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