• 08.08.2019
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Gute Ernährung, Boden- und Klimaschutz gehen Hand in Hand

Trockenheit in Europa
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Trockenheit in Europa
Trockenheit in Europa

Die nachhaltige Bewirtschaftung und der Erhalt von Landsystemen ist auch für den Klimaschutz wichtig. Dies zeigt der neueste Spezialbericht des Weltklimarats IPCC. Dabei spielen auch Massnahmen für eine gesündere Ernährung eine wichtige Rolle.

Landsysteme bilden die hauptsächliche Lebensgrundlage für alle Menschen. Sie liefern Nahrung, Süsswasser und viele weitere Ökosystemdienstleistungen. Landsysteme spielen aber auch eine wichtige Rolle im Klimasystem, sind sie doch gleichzeitig sowohl eine Quelle als auch eine Senke von Treibhausgasen. In der Summe haben Landsysteme zwischen 2007 und 2016 der Atmosphäre fast 30 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen entzogen. Aufgrund des Klimawandels ist jedoch unsicher, ob dies auch in Zukunft so bleibt.

Produktion von Nahrungsmitteln trägt rund einen Drittel der Treibhausgas-Emissionen bei

Die Nutzung durch den Menschen beeinflusst heute mehr als 70 Prozent der eisfreien Landoberfläche weltweit, einen beträchtlichen Teil davon durch die Nahrungsmittelproduktion. Die gesamte Nahrungs-Produktionskette trägt zwischen 21 und 37 Prozent zu den durch den Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen bei. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und weitere Landnutzungen verursachen dabei fast die Hälfte des Methan-Ausstosses und über 80 Prozent des Lachgas-Ausstosses. Im gleichen Zeitraum wuchs der Nahrungsmittelverbrauch pro Kopf um etwa einen Drittel, der Fleischkonsum pro Kopf hat sich mehr als verdoppelt. Ohne Gegensteuer wird der Einfluss der Nahrungsmittelproduktion auf das Klima weiter zunehmen. Der IPCC-Bericht weist auch auf grosse Ineffizienzen im Ernährungssystem hin: So landen heute weltweit rund 25 bis 30 Prozent aller Lebensmittel im Abfall.

Ernährungssicherheit sinkt durch Klimawandel

Der Klimawandel wirkt sich bereits heute negativ auf die Ernährungssicherheit aus, also auf Verfügbarkeit, Zugang, Nutzung und Stabilität. «Der Klimawandel hat negative Folgen für alle Indikatoren des Landverlustes, wie Wüstenbildung, Bodenerosion, Verlust von Vegetation und Permafrost», sagt Edouard Davin von der ETH Zürich und Leitautor des Berichtes.

Als Folge der Erwärmung erwarten die Klimawissenschaftlerinnen und Klimawissenschaftler, dass Extremereignisse wie Hitzewellen generell, Starkniederschläge in vielen Regionen und Dürren vor allem im Mittelmeerraum und südlichen Afrika zunehmen. Bereits heute unterliegt etwa ein Viertel der eisfreien Landfläche einer Degradation. 2015 lebten etwa 500 Millionen Menschen in Gebieten, die in den letzten Jahrzehnten von Wüstenbildung betroffen waren.

Die nachhaltige Nutzung und der Erhalt von Landflächen und Böden sind demnach nicht nur wichtig, um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. Vielmehr stellen sie auch eine wichtige Massnahme gegen den Klimawandel dar.

Mehr Vielfalt auf Acker und Teller

Eine vielfältigere Ernährung mit mehr Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse, Früchten und Nüssen sowie weniger tierischen Produkten würden den Treibhausgasausstoss reduzieren – und gleichzeitig die Gesundheit der Menschen verbessern. Der Anbau von Mischkulturen und Pflanzen zur Bodenverbesserung (Gründüngung) oder die reduzierte mechanische Bodenbearbeitung wirken der Erosion und der Auswaschung von Nährstoffen entgegen. Auch Anpassungen beim Gülle- und Beweidungsmanagement oder die Entwicklung hitze- und trockenheitstoleranter Sorten könnten sowohl den Klimawandel als auch die Bodendegeneration mindern.

Zudem sind viele Massnahmen nicht kostspielig: Mit der Minimierung von Produktionsverlusten und der Vermeidung von Food-Waste liesse sich eine grosse Menge an Treibhausgas-Emissionen einsparen.

Lokale Bedürfnisse beachten

Gefordert ist nun die Politik, die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und klimaverträgliche Landnutzung und Nahrungsmittelproduktion zu schaffen. Als relevante Instrumente nennt der Bericht beispielsweise die Integration der Umweltkosten in die Preise von Nahrungsmitteln oder die Bezahlung von Ökosystemdienstleistungen. Aber auch Aufklärung und Bildung stärken eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen.

Entscheidend ist es laut dem IPCC, dass die Massnahmen zusammen mit den betroffenen Bevölkerungsgruppen erarbeitet und umgesetzt werden. Insbesondere den Frauen kommt eine wichtige Rolle zu: Ihre Stärkung könnte die Ernährungssicherheit der Familien und eine nachhaltige Landnutzung gewährleisten. Wichtig sei zudem, dass man nun rasch handle, da zuzuwarten zu negativen Folgen für die Landsysteme und die nachhaltige Entwicklung führte.

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IPCC‐Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL)

Hauptaussagen des IPCC‐Sonderberichts über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen.
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