• 25.09.2019
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Meeresspiegel steigt stärker als bisher angenommen

Eine gewaltige Gletschermühle auf dem Glacier de la Plaine Morte (BE), durch welche sich Ende Juli 2018 der Faverges-Gletschersee ergoss.
Bild: M. Huss
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Eine gewaltige Gletschermühle auf dem Glacier de la Plaine Morte (BE), durch welche sich Ende Juli 2018 der Faverges-Gletschersee ergoss.
Eine gewaltige Gletschermühle auf dem Glacier de la Plaine Morte (BE), durch welche sich Ende Juli 2018 der Faverges-Gletschersee ergoss. (Bild: M. Huss)

Die Gletscher, Permafrostböden und Ozeane weltweit verändern sich mit dem Klimawandel im Laufe des 21. Jahrhunderts markant. Dies zeigt der am Mittwoch in Monaco veröffentlichte neue Bericht des Weltklimarates (IPCC). Der Meeresspiegel wird bis 2100 um 43 bis 84 Zentimeter steigen und Gebiete unter Wasser setzen, in denen heute Hunderte von Millionen Menschen leben. Gletscher weltweit verlieren zwischen 2015 und 2100 18 bis 36 Prozent ihrer Masse, jene in Europa gar über 80 Prozent. Bei weiterhin hohen Treibhausgas-Emissionen könnten bis 2100 49 bis 89 Prozent der wenig tiefen Permafrostböden auftauen und damit an Stabilität einbüssen.

«Die Hänge in den Alpen und anderswo werden durch die immer wärmeren Permafrostböden instabil und setzen in den Polarregionen Kohlenstoff-Reservoire frei, die dort seit Tausenden von Jahren ruhten», sagt Konrad Steffen, Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und Autor des IPCC-Berichtes. Dadurch gelangen bis Ende 2100 Dutzende oder gar Hunderte von Gigatonnen als Kohlendioxid oder Methan in die Atmosphäre und heizen das Klima weiter auf. «Durch eine starke Reduktion der Treibhausgas-Emissionen können wir wesentliche Teile der ikonischen Hochgebirgslandschaften erhalten», sagt Autorin Carolina Adler von der Mountain Research Initiative. «Dazu müssen wir bei der Entwicklung der Gebirgsregionen die Anpassung an den Klimawandel stets berücksichtigen und die lokale Bevölkerung miteinbeziehen.» Autor Andreas Fischlin von der ETH Zürich und Vizepräsident der zweiten Arbeitsgruppe des Weltklimarats ergänzt: «Überall auf der Welt ändert sich das Hochgebirge besonders stark: Gletscher schmelzen und Pflanzen und Tiere aus dem Unterland besiedeln höhere Lagen oder ändern ihr Verhalten, wobei der Lebensraum der Hochgebirgsspezialisten schwindet.»

Bezüglich der Ozeane spricht der Weltklimarat von einem neuen, seit präindustriellen Zeiten noch nie dagewesenem Klima. Marine Hitzewellen werden bei weiterhin hohen Treibhausgas-Emissionen bis 2100 50-mal häufiger. Die Ozeane werden saurer, enthalten immer weniger Sauerstoff und die Primärproduktion nimmt ab. «Wir sehen bereits jetzt markante Veränderungen in den Ozeanen, von der Oberfläche bis in grosse Tiefen, von den Polen bis in die Tropen. Dieser Wandel wird die Verteilung und die Fülle des Lebens überall in unseren Meeren beeinflussen», sagt Thomas Frölicher, IPCC-Autor von der Universität Bern.

«Das Schmelzen der Eisschilde an den Polen beschleunigt den Anstieg des Meeresspiegels», sagt Autor Nicolas Gruber von der ETH-Zürich. Gerade der Anteil des schmelzendes Eises in der Antarktis wurde bisher unterschätzt. Mit dem steigenden Meeresspiegel nehmen in diesem Jahrhundert Risiken wie Fluten oder Küstenerosion deutlich zu. Alleine die Schäden durch Überschwemmungen werden jährlich auf das 100- bis 1000-fache ansteigen.

«Das offene Meer, die Arktis oder die Antarktis scheinen vielen weit weg zu sein. Aber die Bevölkerung weltweit, inklusive wir Menschen in der Schweiz, hängt von diesen Systemen ab – für Wetter und Klima, für Nahrung und Wasser, für Energie, Handel, Transport, Erholung und Tourismus, Gesundheit und Wohlergehen, Kultur und Identität», sagt Thomas Frölicher. Die Autorinnen und Autoren des IPCC-Berichtes formulieren viele politische, gesellschaftliche und technische Handlungsmöglichkeiten und verweisen deutlich auf die Dringlichkeit: Für eine nachhaltige Entwicklung müssten die Treibhausgas-Emissionen «dringend und ambitioniert» gesenkt und die Folgen des Klimawandels auf die lebenserhaltenden Ozeane und die Kryosphäre gemindert werden, z.B. durch den Ausbau des Küstenschutzes durch Bauten oder Bepflanzungen.

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