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Klimafragen im Minutentakt

ProClim Flash 68

ProClim Flash 68: Klimafragen im Minutentakt
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ProClim Flash 68: Klimafragen im Minutentakt
ProClim Flash 68: Klimafragen im Minutentakt (Bild: ProClim)

Klima war das abendfüllende Thema der Sendung «+3°» auf den Sendern aller vier Sprachregionen des Schweizer Fernsehens im November 2017. Zum Rahmenprogramm gehörten eine vorgängige Umfrage von über 2000 Personen und ein mehrstündiger Live-Chat mit Expertinnen und Experten am Abend der Ausstrahlung.

Für einmal gehörte die Primetime dem Klimawandel. Vier Livesendungen von SRG-Fernsehsendern aus allen Schweizer Sprachregionen thematisierten die heutige Klimasituation und die möglichen Auswirkungen eines Temperaturanstiegs um drei Grad Celsius für das multikulturelle Alpenland. Der Themenabend trug dementsprechend auch den Titel «+3°». Bereits im Vorfeld stimmten eine Reihe von Radiobeiträgen auf das Abendprogrammein.

Klima zuoberst auf Sorgenbarometer

Für die Programmgestaltung führte die SRG vorgängig eigens eine Bevölkerungsumfrage durch. Dabei wurden 2095 Teilnehmende zu ihrer Wahrnehmung des Klimawandels, ihrer Befürchtungen davor und ihrer Motivation zum Handeln befragt. Der Klimawandel, so stellte sich heraus, wird als reale Bedrohung wahr- und ernst genommen. Er war die grösste Sorge, noch vor Lücken in der Altersvorsorge, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Terrorismus oder Epidemien. Die konkreten Befürchtungen sind häufig lokal geprägt und betreffen insbesondere Ereignisse wie Gletscherschmelze, extreme Wetterphänomene, Permafrostschwund oder Bergstürze. Wenn es darum geht, zu handeln, so wären die Befragten am ehesten bereit, für lokale und saisonale Produkte tiefer in die Tasche zu greifen, keine Klimaanlagen zu benutzen und weniger zu fliegen. Unattraktiv empfanden sie dagegen die Möglichkeiten, privat aufs Auto zu verzichten oder mit weniger Wohnraum auszukommen.

Fragen über Fragen

Auch am Ausstrahlungstag der Sendung «+3°» wurde die Bevölkerung miteinbezogen – unter anderem mit einem Live-Chat mit Klimaexpertinnen und -experten der ETH Zürich und Lausanne, Universität Bern, WSL, Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft sowie des Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts, des Schweizerischen Versicherungsverbands und ProClim. Viereinhalb Stunden lang trafen die Fragen im Minutentakt ein – rund 230 davon wurden von den Expertinnen und Experten beantwortet. Besonders oftgestellt wurden grundlegende Fragen zum Klimawandel, aber auch Fragen zu Eis- und Warmzeiten und zu natürlichen Ursachen von Schwankungen im Klima. Interessiert haben sich die Chatterinnen und Chatter auch dafür, ob der Klimawandel mit der Sonnenaktivität, dem Ozonloch, der Abwärme, Vulkanausbrüchen oder Mobiltelefonwellen zusammenhängt. Auffällig oft fiel die Frage nach einem Abreissen des Golfstroms und ob dann eine Eiszeit folge – ein Szenario, das im Katastrophenfilm «The Day After Tomorrow» durchgespielt wird, der just am Vorabend der Sendung «+3°» auf SRF ausgestrahlt wurde.

Wasser zu anderen Jahreszeiten verfügbar

Oft thematisiert wurden auch die Themen Wasser, Schnee und Eis und in diesem Zusammenhang auch Kunstschnee, Gletscherschmelze, Wasserkraft und Trinkwasserversorgung. Eine Teilnehmerin fragte, wie lange uns die Speicher- und Pumpkraftwerkeund Seen noch nützen, wenn uns alle Gletscher davonschmelzen. Und wie lange wir denn noch das «Wasserschloss Europas» seien. Matthias Huss von der ETH Zürich erklärte: «Wenn die Gletscher weg sind, bedeutet das nicht, dass wir gar kein Wasser mehr haben. Doch es kommt zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr. Nicht mehr im Sommer, wenn wir es in den trockenen Alpentälern benötigen, sondern im Winter oder Frühling. Stauseen können dieses Wasser auch dann zurückhalten und Strom produzieren.» Doch nicht nur die Folgen des Klimawandels waren Thema im Chat, viele Fragen drehten sich auch um die Minderung des Klimawandels, um klimafreundliches Verhalten, neue Technik oder Geoengineering.

Langstreckenflüge besonders schädlich

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Thema Verkehr. Die Schädlichkeit des Flugverkehrs war Thema, ebenso wie die CO2-Kompensation von Flügen oder der Schiffsverkehr durch Frachtschiffe. Die Emissionen verschiedener Fortbewegungsmittel wurden verglichen und Antriebstechnologien gegeneinander abgewogen. Reto Knutti von der ETH Zürich erklärte auf eine Frage, dass ein Langstreckenflug weit mehr Emissionen verursache als ein dreiwöchiger Roadtrip durch Südeuropa – solange nicht sehr, sehr weit gefahren würde. Häufig aufgegriffen wurden auch die Themen Heizen, Stromverbrauch oder erneuerbare Energien. Ein Chatter wollte beispielsweise wissen, wie «sauber» Schweizer Strom sei. Konstantinos Boulouchos von der ETH Zürich erklärte, dass Strom, der in der Schweiz produziert wird, einen deutlich geringeren CO2-Ausstoss verursache, als im Ausland produzierter Strom. Da wir jedoch übers Jahr gesehen sehr viel Strom ins Ausland exportierten und vor allem auch aus dem Ausland importierten, verschlechtere dies die CO2-Bilanz des Strommixes, der aus unseren Steckdosen fliesse. Wie «sauber» der Strom aus der heimischen Steckdose sei, lasse sich daher schwer beziffern. Auch die Themen Landwirtschaft und insbesondere der Fleischkonsum interessierten. Auf eine Frage erklärte etwa Urs Neu von ProClim, dass die Produktion von Geflügel und Schweinefleisch eine weitaus bessere Klimabilanz aufweise als diejenige von Rindfleisch.

Auch Klimaskeptiker aktiv

Auch klimaskeptische Beiträge wurden verfasst: Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Chats stellten den Klimawandel an sich oder den Menschen als dessen Verursacher in Frage. Die Mehrheit der Chat-Gemeinde aber ging – wie schon in der Bevölkerungsumfrage – vom menschgemachten Klimawandel als gegebenen Fakt aus. Dennoch bezweifelten einige den Sinn von Klimaschutz-Bemühungen in der kleinräumigen Schweiz, falls der Rest der Welt nicht mitzöge.

Konkrete Beispiele und Empfehlungen – dies war bei den Chatterinnen und Chattern gefragt: Welche klimabedingten Veränderungen sind heute schon in den Alpen sichtbar? Oder: Was empfehlen die Expertinnen und Experten konkret im Umgang mit der eigenen Heizung? Vielleicht sind es gerade diese konkreten Beobachtungen und alltäglichen Fragestellungen – mehr als allgemein formulierte Empfehlungen –, die zum Weiterdenken anregen und eine Einzelperson schliesslich zum Handeln bewegen.

Autoren: ProClim

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In der Umfrage der SRG beschrieben die Leute ihre persönliche konkrete Bereitschaft sich beim Konsum einzuschränken. Nicht alle Lösungsansätze sind gleich beliebt.
In der Umfrage der SRG beschrieben die Leute ihre persönliche konkrete Bereitschaft sich beim Konsum einzuschränken. Nicht alle Lösungsansätze sind gleich beliebt. (Bild: Sarah Arnold, ProClim; Daten: SRG)
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In der Umfrage der SRG beschrieben die Leute ihre persönliche konkrete Bereitschaft sich beim Konsum einzuschränken. Nicht alle Lösungsansätze sind gleich beliebt.
In der Umfrage der SRG beschrieben die Leute ihre persönliche konkrete Bereitschaft sich beim Konsum einzuschränken. Nicht alle Lösungsansätze sind gleich beliebt. (Bild: Sarah Arnold, ProClim; Daten: SRG)
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