Agrarland

Agrarlandschaft
Agrarlandschaft (Bild: A. Krebs)
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Agrarlandschaft
Agrarlandschaft (Bild: A. Krebs)

Die Landwirtschaft hat bis Ende des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl von meist neuen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen geschaffen, was zu einer deutlichen Zunahme an Biodiversität geführt hat. Dieser Prozess hat sich seither umgekehrt. Die Intensivierung der Produktion (Meliorationen, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger, Mechanisierung u.a.) führte bis 1990 dazu, dass die Biodiversität auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Schweiz stark reduziert wurde. Besonders tiefgreifend war der Wandel im Mittelland und in den Tallagen, aber auch die Gunstlagen im Alpenraum und im Jura blieben von einer Nutzungsintensivierung nicht verschont.

Bei allen Organismengruppen, zu welchen Daten verfügbar sind, verschwanden viele Arten des Landwirtschaftsgebietes auf lokaler und regionaler Ebene. Zum Teil wurden gesamte Lebensräume in Mitleidenschaft gezogen: Die Fläche der Trockenwiesen- und weiden, Hotspots der Biodiversität in der Schweiz, nahm seit 1900 um 95% ab, die Fläche von Mooren um mehr als 80%.

Auch die Vielfalt der Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen nahm in der Schweiz zwischen 1900 und 1980 stark ab. Viele der um 1900 bekannten Schweizer Landsorten und -rassen starben aus, indem sie auf die Zucht von produktiveren Sorten und Rassen reduziert wurden. Anstrengungen zur Erhaltung der genetischen Vielfalt bei den Kulturpflanzen und den Nutztieren seit den 1980er-Jahren zeigen nun aber Erfolge.

Eines der Ziele der Agrarpolitik seit den 1990er-Jahren ist die Erhaltung und Förderung der Biodiversität. Mit dem ökologischen Leistungsnachweis und den dazu notwendigen Biodiversitätsförderflächen sollen wertvolle Lebensräume im Kulturland bewahrt und neu geschaffen werden. Allerdings ist die Qualität vieler Biodiversitätsförderflächen noch ungenügend. Lokal konnten mit konkreten Aufwertungsmassnahmen Erfolge erzielt werden. Studien zeigen aber auch, dass eine grosse Zahl gefährdeter Arten weiterhin Bestandseinbussen erleidet.


Zustand der Bienen und andere Bestäuber

Bienen sorgen durch ihre Bestäuberleistung für eine nachhaltige und produktive Landwirtschaft wie auch eine vielfältige Natur. Honigbienen kämpfen seit einigen Jahren mit vielschichtigen Problemen und Wildbienen sind in ihrer Artenvielfalt bedroht. Gibt es ein Bienensterben in der Schweiz? Im Jahr 2014 haben die Plattform Biologie und das Forum Biodiversität der SCNAT das Thema aufgegriffen. Ein Faktenblatt und ein Symposiumsbericht fassen den Stand der Kenntnisse zusammen.

Bienen und andere Bestäuber: Bedeutung für Landwirtschaft und Biodiversität (2014)
  • 2014

Bienen und andere Bestäuber: Bedeutung für Landwirtschaft und Biodiversität (2014)

Honigbienen und andere Insekten bestäuben viele Pflanzen und sind damit unerlässlich für eine produktive Landwirtschaft, gesunde Ernährung und eine vielfältige Natur. Die Blütenbestäuber sind jedoch in Bedrängnis, auch in der Schweiz. Die Honigbiene hat mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, und wildlebende Bestäuber zeigen bedenkliche Abnahmen ihrer Individuen- und Artenzahlen. Heutige Massnahmen wirken zwar teilweise, doch reichen sie nicht aus, um die bestäubenden Insekten und ihre Leistungen langfristig zu erhalten. Dieses Faktenblatt der Akademien der Wissenschaften Schweiz zeigt den aktuellen Wissensstand und Handlungsoptionen auf.
Synthesebericht: Bienen im Fokus von Wissenschaft und Politik, SCNAT 2014
  • 2015

Bienen im Fokus von Wissenschaft und Politik

Es sind in erster Linie die Honigbienen, die im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Allgemein verbreitet ist das Bild der Biene als Insekt, das ganze Völker bildet und als Honig produzierendes Nutztier in menschlicher Obhut gehalten wird. Ursprünglich gab es auch in Mitteleuropa wild lebende, vom Menschen unabhängige Honigbienen; heutzutage findet man ausserhalb menschlichem Gewahrsam höchstens einzelne Schwärme, die meistens nicht lange überleben.
EASAC-Bericht "Ecosystem services, agriculture and neonicotinoids"
  • 2015

Ökosystemdienstleistungen, Landwirtschaft und Neonikotinoide

Ein neuer Bericht des European Academies Science Advisory Council (EASAC) thematisiert die Folgen des Einsatzes von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft auf Ökosystemleistungen. Der Bericht geht über die Auswirkungen der Neonikotinoide auf Honigbienen hinaus und umfasst weitere Bestäuber sowie für die Landwirtschaft nützliche Organismen.

Trinkwasser
  • 06.07.2020
  • Agroscope Reckenholz
  • Medienmitteilung

Studie zu Umweltfolgen der Trinkwasserinitiative

Agroscope analysierte in einer umfassenden Studie mögliche Umweltfolgen einer Umsetzung der Trinkwasserinitiative. Die Ökobilanz zeigt: Die Belastung von Gewässern in der Schweiz mit Pestiziden und Nährstoffen liesse sich reduzieren. Zudem könnte sich die Biodiversität im Inland leicht verbessern. Im Gesamtergebnis nähme die Umweltbelastung aber zu, verursacht durch steigende Nahrungsmittelimporte.
Dany Hugentobler im neu eröffneten «Tante Emma – unverpackt einkaufen»-Laden mit dem Bild von sich und seiner Grosstante Emma Lehmann im Jahr 1952. Einst sorg- und genügsam, heute umweltbewusst und nachhaltig. (ProClim Flash 72)
  • 2020
  • ProClim
  • Artikel

Veränderung mit Herz und Verstand

Der genossenschaftlich geführte «Tante Emma»-­Unverpackt-Laden will im Kleinen Grösseres bewirken. Im Bernischen Münsingen werden möglichst regionale, fair produzierte und plastikfrei verpackte Waren verkauft und neue Einkaufsmöglichkeiten geschaffen.
Das gesamte Ernährungssystem der Schweiz auf einen Blick. (ProClim Flash 72)
  • 2020
  • Artikel

Wege zu einem nachhaltigen Schweizer Ernährungssystem

Das globale Ernährungssystem steht vor grossen Herausforderungen. Überfluss und Mangel beschreiben die derzeitige Situation und grundlegende Transformationen auf Produktions- und Konsumseite sind sowohl global als auch in der Schweiz notwendig.
landwirtschaft acker agrarlandschaft
  • Artikelserie

Biodiversität und Landwirtschaft

In sieben kurzen Artikeln beleuchten der Schweizerische Bauernverband und das Forum Biodiversität Schweiz der Akademie der Naturwissenschaften zwischen August 2012 und Februar 2013 die Interaktionen zwischen Landwirtschaft und Biodiversität.