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Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und ihre Bedeutung für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz

Bericht der Akademien der Wissenschaften Schweriz erarbeitet vom Forum Genforschung, SCNAT und der Plattform Biotechnologie und Bioinformatik, SATW

Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und ihre Bedeutung für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz (2013, Akademien der Wissenschaften Schweiz)
Bild: Akademien der Wissenschaften Schweiz
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Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und ihre Bedeutung für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz (2013, Akademien der Wissenschaften Schweiz)
Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen und ihre Bedeutung für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz (2013, Akademien der Wissenschaften Schweiz) (Bild: Akademien der Wissenschaften Schweiz)

Gewisse gentechnisch veränderte Pflanzen (GV-Pflanzen) könnten für eine ertragreiche und umwelt- schonende Schweizer Landwirtschaft einen Beitrag leisten. Das zeigen dieAkademien derWissenschaften Schweiz im vorliegenden Bericht. Er schliesst an ein Forschungsprogramm des Nationalfonds (NFP 59) an, welches belegt, dass der Anbau von GV-Pflanzen mit keinen Umweltrisiken verbunden ist, die nicht auch für konventionell gezüchtete Pflanzen bestehen.

Zurzeit werden weltweit vorwiegend GV-Pflanzen angebaut, die gegen das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat tolerant sind oder bestimmte natürliche Insektenbekämpfungsmittel (Bt-Toxine) produzieren. In Entwicklung stehen aber auch Nutzpflanzen mit anderen Eigenschaften. Zum Teil verfügen sie über stärkere pflanzeneigene Abwehrkräfte gegen Schädlinge, andere können der Trockenheit besser standhalten, wieder andere weisen eine optimierte Nährstoffzusammensetzung auf. Die Veränderungen im Erbgut dieser neueren GV-Nutzpflanzen sind oft so beschaffen, dass kaum noch artfremde DNA vorhanden ist. Stellt man die resultierende Pflanze anstatt ihre Herstellungsmethode in den Vordergrund, verschwindet die Grenze zwischen konventioneller Züchtung und gentechnischer Veränderung zunehmend.

Internationale Erfahrungen mit GV-Pflanzen zeigen, dass eine erhöhte Resistenz gegen Schädlinge und eine Toleranz gegenüber Unkrautbekämpfungsmitteln den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die mechanische Verdichtung des Bodens reduzieren können. Zu den GV-Kulturpflanzen, die künftig in der Schweiz von Bedeutung sein können, zählen etwa Kartoffeln mit einer Resistenz gegen Kraut- und Knollenfäule und Apfelbäume mit einer Resistenz gegen Feuerbrand und Schorf. Bei krankheitsresistenten Sorten lassen sich erwartungsgemäss die Spritzeinsätze stark senken, wodurch sowohl die Ernteprodukte als auch die Umwelt weniger belastet werden.

Auch in der kleinräumigen Schweiz wäre es grundsätzlich möglich, dass landwirtschaftliche Anbausysteme mit Gentechnik neben solchen existieren, die darauf verzichten. Auskreuzung und Vermischung lassen sich für die meisten Nutzpflanzen durch gezielte Massnahmen reduzieren oder verhindern; die nötige Erfahrung zur Reinhaltung von Saatgut und Ernteprodukten ist seit langem vorhanden. Eine zukünftige Koexistenzregulierung muss auf wissenschaftlicher Basis beruhen und an die verschiedenen Kulturpflanzen und Anbausysteme angepasst sein.

Ein voraussichtlich bis Ende 2017 gültiges Moratorium verbietet in der Schweiz den kommerziellen Anbau von GV-Pflanzen. In Schweizer Labors und in Gewächshäusern entwickelte GV-Pflanzen wurden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in internationaler Zusammenarbeit im Ausland im Feld getestet. Hierzulande setzen Freilandversuche langwierige und kostspielige Bewilligungsverfahren voraus. Die wenigen bisher in der Schweiz durchgeführten Feldversuche wurden zudem durch Störaktionen bis hin zu mutwilliger Zerstörung behindert und mithin erheblich verteuert. Gefordert sind daher Strukturen, welche die landwirtschaftliche Forschung mit GV-Pflanzen im Freiland vor Vandalismus schützen. Dazu gehört die «protected site», die bei Agroscope am Standort Reckenholz eingerichtet und ab 2014 in Betrieb sein wird. Dass die öffentliche Agrarforschung gestärkt wird und in der Öffentlichkeit ein wissenschaftsbasiertes Verständnis für die Grüne Gentechnik entsteht, ist den Akademien ein grosses Anliegen. Denn aus ihrer Sicht darf die Schweiz der Grünen Gentechnik das Potenzial, zu einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit beizutragen, nicht leichtfertig absprechen, zumal unser Land dadurch Gefahr liefe, in der diesbezüglichen Forschung und Entwicklung ins Hintertreffen zu geraten.

Autoren: Prof. Dr. Daniel Gygax, Prof. Dr. Patrick Matthias, Prof. Dr. Ueli Grossniklaus, Dr. Stefan Kohler, Dr. Olivier Sanvido, Dr. Jörg Romeis
Seitenangabe: 56
Standardnummer: 978-3-905870-33-6

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