Potentielle Sorten für die Schweiz

Pflanzenzüchtung für eine nachhaltige Landwirtschaft

In der Schweiz sollte künftig auf gleicher landwirtschaftlicher Fläche mehr produziert werden, ohne dabei die Umwelt stärker zu belasten. Dem Standort und Klima angepasste Kultursorten, die gegen Krankheiten und Schädlinge widerstandsfähig sind, ermöglichen hohe Erträge und brauchen weniger Pflanzenschutzmittel. Verschiedene Züchtungsprojekte arbeiten sowohl mit gentechnischen als auch mit konventionellen Methoden daran, verbesserte Sorten zu entwickeln.

So werden im Ausland beispielsweise gentechnisch veränderte (GV) Kartoffeln geprüft, die gegen den Erreger der Kraut­- und Knollenfäule resistent sind. Es wird erwartet, dass sich bei den resistenten Sorten die Anzahl der Spritzeinsätze mehr als halbieren und somit die Umweltbelastung reduzieren wird.1 Auch mit konventionellen Methoden ist die Zucht solcher Sorten möglich. Allerdings wird dann mehr Zeit benötigt und es entstehen – anders als mit den gentechnischen Verfahren – neue Sorten mit anderen Eigenschaften, die zuerst im Markt eingeführt werden müssen.

GV-Sorten für die Schweiz?

Gewisse GV-Sorten, die im Ausland bereits angebaut werden oder noch in Entwicklung sind, könnten künftig auch für die Schweizer Landwirtschaft von Interesse sein.

Eine Studie im Rahmen des NFP 59 hat gezeigt, dass krankheitsresistente GV-Kartoffeln und GV-Äpfel auch hierzulande mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln behandelt werden müssten und so die Biodiversität gefördert würde. Besonders beim Anbau von krankheitsresistenten Äpfeln stiegen dabei auch die Gewinne der Landwirte markant an.2

Auch GV-Zuckerrüben mit einer Toleranz gegenüber Unkrautbekämpfungsmitteln könnten gemäss Berechnungen von Agroscope um bis zu 40 Prozent höhere Gewinne abwerfen.3 Die GV-Rüben könnten zudem direkt in den Boden gesät werden, ohne dass das Feld vorher gepflügt werden muss. Dies schont den Boden und wirkt der Erosion entgegen. Welchen Einfluss der Anbau von herbizidtoleranten Zuckerrüben auf die Biodiversität hätte, hängt stark davon ab, wann und wie oft Unkrautbekämpfungsmittel eingesetzt würden. Studien zeigen, dass es möglich ist, eine Unkraut-Management-Strategie zu wählen, die sowohl die Biodiversität der Unkräuter fördert als auch hohe Erträge sichert.4

Aber nicht alle GV-Sorten, die im Ausland erfolgreich eingesetzt werden, brächten auch der Schweizer Landwirtschaft Vorteile. So wird beispielsweise der Maiszünsler in den meisten Schweizer Regionen erfolgreich mit Schlupfwespen bekämpft. Ein Anbau von insektenresistentem GV-Mais ist deshalb nicht sinnvoll.2 Auch der Anbau von GV-Raps wäre in der Schweiz kaum möglich. Rapspollen können durch Wind und Insekten über weite Distanzen transportiert werden, was ein Nebeneinander von GV- und konventionellen Kulturen schwierig macht. Zudem kann Raps auswildern und sich mit verwandten Wildarten kreuzen.

Einige Beispiele für GV-Sorten, die auch in der Schweiz zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen könnten:

Die beliebte Apfelsorte „Gala“ soll mit Hilfe der Cisgenetik gegen Feuerbrand und Schorf resistent werden.

Krankheitsresistente Äpfel

Pflanzenschutzmittel einsparen dank Feuerbrand- und Schorf-resistenten Äpfeln
Ein von Kraut- und Knollenfäule befallener Kartoffelbestand kann bei anfälligen Sorten innerhalb weniger Tage vollständig zusammenbrechen.

Knollenfäule-resistente Kartoffeln

Weniger Pflanzenschutzmittel dank resistenten Sorten
Zuckerwürfel

Herbizidtolerante Zuckerrüben

Effizientes und bodenschonendes Unkraut-Management

Referenzen

(1) Dixelius C, Fagerström T, Sundström JF (2012) European agricultural policy goes down the tubers. Nature Biotechnology 30: 492–493. Link

(2) Speiser B , Stolze M, Oehen B, Gessler C, Weibel FP, Bravin E, Kilchenmann A, Widmer A, Charles R, Lang A, Stamm C, Triloff P, Tamm L (2013) Sustainability assessment of GM crops in a Swiss agricultural context. Agronomy for Sustainable Development 33: 21–61. Link

(3) Albisser Vögeli G, Burose F, Wolf D, Lips M (2011) Wirtschaftlichkeit gentechnisch veränderter Ackerkulturen in der Schweiz: Mit detaillierter Berücksichtigung möglicher Koexistenz-Kosten, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART). Link

(4) May MJ, Champion GT, Dewar AM, Qi A, Pidgeon JD (2005) Management of genetically modified herbicidetolerant sugar beet for spring and autumn environmental benefit. Proceedings of the Royal Society B 272: 111–119. Link

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