Fütterungsstudien

Umstrittene Studien sorgen für Schlagzeilen

Studien, die angeblich schockierende Gesundheitsrisiken von gentechnisch veränderten (GV) Nahrungsmitteln aufdecken, sorgen in den Medien immer mal wieder für Schlagzeilen. So berichtete zum Beispiel im Jahr 2012 eine Forschungsgruppe um Gilles-Eric Séralini, dass GV-Mais bei Ratten Krebs und Organschäden auslöse und die Tiere früher sterben lasse.1 Die Forschenden hatten dazu eine Langzeitstudie durchgeführt und Ratten während 2 Jahren entweder mit GV-Mais oder mit konventionellem Mais gefüttert. Die Studie wurde von breiten Fachkreisen wegen gravierender wissenschaftlicher Mängel kritisiert und schliesslich vom Verlag zurückgezogen. Inzwischen wurde die Studie allerdings in einer anderen Fachzeitschrift erneut veröffentlicht.

> Mehr zur Séralini-Studie

Herausforderungen bei Langzeitstudien

Vor der Zulassung einer neuen GV-Sorte in Europa werden unter anderem Fütterungsstudien über 90 Tage an Mäusen oder Ratten durchgeführt. Seit 2013 sind diese Untersuchungen für eine Zulassung zwingend notwendig. Wenn über eine Versuchsdauer von 3 Monaten keine giftige Wirkung der GV-Pflanze festgestellt wird, empfiehlt die für die Zulassung zuständige Behörde EFSA auf Langzeitstudien zu verzichten.2

Ein Grund dafür ist, dass es sehr aufwendig ist, Langzeitstudien mit Nahrungs- und Futtermitteln wissenschaftlich korrekt durchzuführen. Eine Herausforderung liegt darin, dass bei einem Langzeitversuch viele Ratten mit zunehmendem Alter spontan Tumoren entwickeln oder altersbedingt krank werden und sterben. Dies macht es schwierig, einen Einfluss des Nahrungsmittels von den natürlichen Schwankungen der Tumor- und Sterblichkeitsrate zu trennen. Um aussagekräftige Daten zu erhalten, ist deshalb eine sehr grosse Anzahl Versuchstiere nötig - bei den meisten Studien wären es wohl mehrere hundert Tiere.2 Auch aus tierethischen Gründen drängt es sich deshalb auf, Langzeitstudien nur durchzuführen, wenn vorherige Studien auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung hinweisen.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die im Fütterungsversuch verwendeten GV-Pflanzen und konventionellen Pflanzen aus isogenen Pflanzenlinien stammen sollten, also aus Pflanzen, die sich nur durch das zusätzliche Gen unterscheiden, und am gleichen Standort und unter denselben Bedingungen angebaut und auf gleiche Weise verarbeitet wurden. Nur so ist es möglich, allfällige Unterschiede tatsächlich auf die genetische Veränderung zurückzuführen.

Schlussendlich ist es auch möglich, dass die zu untersuchende Pflanzenart als Futtermittel für Ratten ungeeignet ist, was die Versuchsresultate verfälschen kann.

Fütterungsversuche für Lebensmittel werden häufig an Ratten durchgeführt.
Fütterungsversuche für Lebensmittel werden häufig an Ratten durchgeführt. (Bild: Janet Stephens, National Cancer Institute, USA)
×
Fütterungsversuche für Lebensmittel werden häufig an Ratten durchgeführt.
Fütterungsversuche für Lebensmittel werden häufig an Ratten durchgeführt. (Bild: Janet Stephens, National Cancer Institute, USA)

Bisher keine negative Langzeitwirkung von GV-Produkten nachgewiesen

Die meisten bisher durchgeführten Langzeitstudien mit GV-Nahrungsmitteln entsprechen den wissenschaftlichen Bedingungen nicht oder nur teilweise.3

Betrachtet man die Gesamtheit dieser Langzeitstudien lässt sich feststellen, dass:

  • die Mehrheit der Studien keine negativen gesundheitlichen Effekte von zugelassenen GV-Pflanzen gefunden hat
  • nur einzelne Forschungsgruppen grosse negative Effekte wie erhöhte Sterblichkeit und Tumorentwicklung meldeten; diese Studien wurden allesamt von breiten Fachkreisen wegen gravierender wissenschaftlicher Mängel kritisiert
  • einzelne Studien für gewisse GV-Nahrungsmittel geringe Veränderungen in bestimmten Organen oder deren Stoffwechsel festgestellt haben; diese hatten jeweils keine Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit oder die Sterblichkeitsrate der Tiere; da die betreffenden Studien meist keine isogenen Pflanzenlinien verwendet haben und/oder die Pflanzen nicht unter denselben Bedingungen angebaut und teilweise auch mit Glyphosat behandelt wurden, ist es unmöglich festzustellen, ob die beobachteten Unterschiede tatsächlich auf die genetische Veränderungen zurückzuführen ist.

Aufgrund der vorliegenden Resultate lässt sich festhalten, dass es bis heute keine Hinweise darauf gibt, wonach die Anwendung der Gentechnik als Züchtungsmethode per se mit grösseren Risiken für die menschliche und tierische Gesundheit verbunden wären als konventionelle Methoden.3-5

Referenzen

(1) Séralini GE, Clair E, Mesnage R, Gress S, Defarge N, Malatesta M, Hennequin D, de Vendômois JS (2012) Long term toxicity of a Roundup herbicide and a Roundup-tolerant geneticallymodified maize. Food Chem Toxicol. 50:4221-31. Link

(2) EFSA (2013) Considerations on the applicability of OECD TG 453 to whole food/feed Testing. EFSA Journal 11:3347. Link

(3) Snell C, Bernheim A, Bergé JB, Kuntz M, Pascal G, Paris A, Ricroch AE (2012) Assessment of the health impact of GM plant diets in long-term and multigenerational animal feeding trials: aliterature review.Food Chem Toxicol. 50:1134-48. Link

(4) Hoffmann-Sommergruber, K., Dorsch-Häsler, K. (2011) Medical issues related to genetically modified plants of relevance for Switzerland. National Research Programme NRP 59 “Benefis and Risks of the Deliberate Release of Genetically Modified Plants”: Review of International Literature. vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich. Link

(5) Nicolia A, Manzo A, Veronesi F, Rosellini D (2014) An overview of the last 10 years of genetically engineered crop safety research. Crit Rev Biotechnol. 34:77-88. Link

Verwandte Themen

Politische Debatte

Runder Tisch

Die Gentechnik wird seit gut 30 Jahren kontrovers debattiert. Eine Übersicht über die Entwicklung.