• 28.04.2017
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Künstlerischer Blick auf die Physik

Das interdisziplinäre Programm art@CMS ist fünf Jahre alt

Michael Hoch – promovierter Teilchenphysiker, Fotograf und Künstler – nutzt für die Vermittlung der Teilchenphysik gern auch künstlerische Mittel. Foto: privat
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Michael Hoch – promovierter Teilchenphysiker, Fotograf und Künstler – nutzt für die Vermittlung der Teilchenphysik gern auch künstlerische Mittel. Foto: privat
Michael Hoch – promovierter Teilchenphysiker, Fotograf und Künstler – nutzt für die Vermittlung der Teilchenphysik gern auch künstlerische Mittel. Foto: privat

Die hochkomplexe Forschung der Elementarteilchenphysik ist für die meisten Menschen nicht auf Anhieb fassbar. Ein künstlerischer Zugang kann helfen, die Unnahbarkeit dieser Disziplin zu überwinden und Teilchenphysik begreifbar zu machen. Das ist die Grundidee des art@CMS-Programms, das in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen feiert.

Physiker und Künstler nehmen die Welt mit unterschiedlichen Augen war. Das heisst aber nicht, dass sich diese beiden Sichtweisen ausschliessen. Im Gegenteil, sie können sich auch gegenseitig befruchten, ist Michael Hoch überzeugt. Der geborene Österreicher hat in Wien Physik studiert und später am CERN bei Genf im selben Fach eine Doktorarbeit verfasst. Zugleich ist Hoch ein leidenschaftlicher Fotograf und Künstler. Er hat früh begonnen, die physikalischen Experimente am CERN fotografisch zu dokumentieren. Die Ästhetik der Wissenschaftsarchitektur – der riesigen Forschungsanlagen des CERN – hat ihn stets fasziniert.

Physik und Fotografie verbunden

Im Jahr 2012 hat Michael Hoch aus der Verbindung von Physik und Fotografie, von Wissenschaft und Kunst dann ein Programm erschaffen, das er bis heute leitet: art@CMS. Das Programm ist interdisziplinär angelegt und will zur künstlerischen Auseinandersetzung mit der Teilchenphysik anregen, die am CERN betrieben wird. Der Name des Programms bezieht sich auf CMS, eines der vier grossen Experimente, die seit Jahren am CERN-Teilchenbeschleuniger LHC in Betrieb sind und Spuren von Teilchenkollisionen auswerten. art@CMS bezieht sich allerdings nicht nur auf das CMS-Experiment, sondern auf die Teilchenphysik insgesamt.

„Über viele Jahre habe ich künstlerische Fotos am CERN gemacht aus dem Blickwinkel, die nur ein Physiker hat, der diese Wunderwerke der modernen Wissenschaft aufbaut und so Zugang hatte wie kein anderer Fotograf“, erzählt Hoch. „Aus einigen meiner Fotos des Wissenschaftsapparatus CMS habe ich dann Fotocollagen kreiert, indem ich andere Wissenschaftsthemen in das Ursprungsfoto eingearbeitet habe. Als ich meine Werke in Ausstellungen präsentiert habe, wurde rasch klar, dass dieses Konzept, künstlerisch komplexe wissenschaftliche Themen zu präsentieren, ein grosses Publikum interessiert und einlädt, darüber wertfrei und ohne Vorbehalte zu diskutieren“, sagt Michael Hoch.

Austausch ermöglichen

Im fünften Jahr seines Bestehens hat das art@CMS-Prgramm zwei Standbeine: Zum einen werden Künstlerinnen und Künstler angeregt, sich (auf eigene Kosten) mit Themen der Teilchenphysik zu befassen und darüber in einer künstlerischen Sprache zu sprechen. „Ich verstehe mich dabei als 'Ermöglicher'“, sagt Michael Hoch, „vor einiger Zeit habe ich beispielsweise den Zürcher Konzeptkünstler Christian Waldvogel und den ETH-Teilchenphysiker Günther Dissertori zusammengebracht.“ Kunstwerke, die aus solchen Begegnungen über die Disziplinen hinweg entstehen, werden dann in verschiedenen Kontexten ausgestellt. „Bei den Ausstellungen und Veranstaltungen, die wir im Rahmen von art@CMS organisieren, haben wir die Freiheit, mit professionellen Künstern wie auch mit Studenten und Schülern zusammenzuarbeiten. Fast wichtiger als das kreierte Kunstwerk am Ende sind mir der Prozess und der Dialog, der dabei zwischen den Künstlern, Studenten und unserer Wissenschaftsgemeinschaft generiert wird“, sagt Hoch.

Schülerinnen und Schüler – das sind neben den Künstlern die zweite Zielgruppe des art@CMS-Programms. Das Programm regt Workshops (art@CMS sciARTmasterclass) zu Themen der Teilchenphysik in Kantonsschulen und Gymnasien an – und arbeitet darauf hin, dass diese Themen anschliessend im Kunstunterricht aufgegriffen und weiterverarbeitet werden. Eine solche Zusammenarbeit pflegt art@CMS seit mehreren Jahren mit der Ecole Internationale de Genève. Die dabei entstehenden Werke werden in der Schule, aber auch in den Räumlichkeiten des CMS-Experiments am CERN ausgestellt.

Skepsis der Physiker abgebaut

Michael Hoch hat in den letzten fünf Jahren an die Hundert Ausstellungen in zahlreichen Ländern weltweit angeregt und über sein Wissenschaftsnetzwerk in der Teilchenphysik realisiert, darüber hinaus rund zwei Dutzend Workshops in Schulen angestossen. Dieser Kraftakt ist dem Physiker, dessen Tätigkeit vom CMS-Experiment finanziert wird, auch gelungen, weil er die Teilchenphysiker von der Sinnhaftigkeit seiner Tätigkeit überzeugen konnte. „Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, damit meine Kollegen sich auf diesen interdisziplinären Dialog mit anderen professionellen Kreativen sowie mit Schülern und Studenten eingelassen haben. Es dauerte ganze zwei Jahre, bis ich genug Unterstützung in der eigenen Wissenschaftsgemeinschaft hatte. Den Moment, als ich diesen Support dann bekam, bezeichne ich als ‚break even‘ meines Unternehmens“, sagt der art@CMS-Gründer.

Autor: Benedikt Vogel

Kontakt: Dr. Michael Hoch / Michael.Hoch@cern.ch / Leiter art@CMS / Tf. +41 75 411 5720

Künstlerisches Video über den CERN-Besuch einer Salzburger Schülergruppe vom Februar 2017

Video zu einer Ausstellungseröffnung im Jahr 2015 an der Ecole Internationale de Genève

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