Vermeidet individuelle Vorbeugung kostspielige Behandlungen?

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Mit gesunder Ernährung und reichlich Bewegung lässt sich bestimmten Krankheiten vorbeugen oder deren Ausbruch hinausschieben; diese Erkenntnis gilt grundsätzlich für alle Menschen. Nun gibt es aber Menschen, die aufgrund ihrer Erbanlagen ein erhöhtes Risiko haben, an einem bestimmten Leiden zu erkranken. Personalisierte Gesundheit stellt die Mittel bereit, solche Risiken zu entdecken. Sie schafft die Voraussetzung für eine frühzeitige Intervention, die den Ausbruch der Krankheit vermeidet oder mildert. Kurzum: Individuelle Prävention beugt einer Krankheit vor und spart dadurch Behandlungskosten.

Ein Beispiel ist die Familiäre Hypercholesterinämie (FH). Die Stoffwechselstörung geht mit hohen Blutfettwerten einher und führt ohne geeignete Prävention mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Ursache ist ein angeborener Gendefekt, der dazu führt, dass die Körperzellen nicht genug sogenanntes LDL-Cholesterin aus dem Blut aufnehmen können. Ob dieser Gendefekt vorliegt, lässt sich heute über einen Bluttest bestimmen. Ist das genetische Risiko identifiziert, kann dem Ausbruch einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung unter anderem durch Gabe von Medikamenten (z.B. Statinen) vorgebeugt werden.

Das Beispiel zeigt: Mit einer präventiven Massnahme lassen sich der Ausbruch einer Krankheit und damit Behandlungskosten vermeiden. Allerdings stehen dieser Einsparung die Kosten für die Prävention (hier: Bluttest, ev. lebenslange Medikamente) gegenüber. Die Aufwendungen für Prävention schwanken zwischen verschiedenen Krankheiten stark. Je nachdem hat die individuelle Vorbeugung einer Krankheit ein günstigeres oder ein weniger günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Günstig erscheint dieses zum Beispiel im Fall der APC-Resistenz: Heute können Frauen durch einen genetischen Bluttest feststellen, ob sie sich bei Einnahme der Pille einem erhöhten Thromboserisiko aussetzen, weil sie an einer bestimmten angeborenen Blutgerinnungsstörung (APC-Resistenz) leiden. „Nicht nur klinisch, sondern auch gesundheitsökonomisch ist ein APC-Screening durchaus sinnvoll“, schreiben die Gesundheitsökonomen Thomas D. Szucs und Patricia R. Blank in einer Studie1. „Diese Massnahme ist im Vergleich zu anderen Screening-Interventionen (z.B. bei der Hypercholesterinämie- oder der Krebsprävention; Anm. d. A.) im primär-präventiven Bereich kosteneffektiver“.

September 2018


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Literatur

(1) Szucs TD, Blank PR (2016) Wird sich personalisierte Medizin rechnen? Betrachtungen aus gesundheitsökonomischer Sicht. In: Personalisierte Medizin. Hoffnung oder leeres Versprechen? Herausgeber: Isabel Klusman, Effy Vayena. Buchreihe: Zürcher Hochschulforum Band 54, 2016. ISBN: 978-3-7281-3575-9 Link

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