Wissenschaftskommunikation in der Schweiz: Bestandsaufnahme und Empfehlungen

Wissenschaftskommunikation und der Dialog zwischen Gesellschaft und Wissenschaft wurden in den letzten Jahren wiederholt gefordert, insbesondere während der Covid-19-Pandemie. Jetzt legt eine von den Akademien der Wissenschaften Schweiz eingesetzte Gruppe von Expertinnen und Experten einen umfassenden Bericht zur Wissenschaftskommunikation in der Schweiz vor. Demnach gibt es in der Bevölkerung einen starken Rückhalt für die Wissenschaft und vielfältige Formate für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Handlungsbedarf besteht bei der Unterstützung von Forschenden, die mit der Öffentlichkeit kommunizieren, der Erosion des Wissenschaftsjournalismus oder der Verbreitung von falschen Informationen in den sozialen Medien.

Science in the Swiss Public
Bild: a+

«Die Empfehlungen unserer Gruppe beruhen auf einer gründlichen und umfassenden Sichtung der verfügbaren Studien über Wissenschaftskommunikation in der Schweiz», so Mike S. Schäfer, Professor an der Universität Zürich und Sprecher der Fachgruppe. «Darin wird beispielsweise betont, dass Wissenschaftskommunikation ein akzeptierter Teil der Wissenschaft und dementsprechend wertgeschätzt werden sollte. Es wird ausserdem deutlich gemacht, dass Wissenschaftskommunikation nicht nur in eine Richtung, sondern in Dialogform stattfinden muss und dass Forschende versuchen sollten, die Perspektiven der Bevölkerung zu verstehen.» Zudem empfiehlt die Gruppe, dass die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik regelmässiger werden, der Wissenschaftsjournalismus gestärkt werden sollte und mehr Forschung über Wissenschaftskommunikation erforderlich ist.

Lage in der Schweiz ist positiv

«Studien zeigen, dass die Schweizer Bevölkerung die Wissenschaft positiv wahrnimmt und das Vertrauen in die Wissenschaft hoch ist», erklärt L. Suzanne Suggs, Professorin für Social Marketing an der Università della Svizzera italiana und Co-Sprecherin der Fachgruppe. «Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in unserem Land finden Wissenschaftskommunikation wichtig und sind bereit, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.» Gian-Andri Casutt, Leiter Kommunikation des ETH-Rats und ebenfalls Co-Sprecher der Gruppe, fügt hinzu: «Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen haben ihre Aussenkommunikation in den letzten Jahren intensiviert, und der Bevölkerung steht ein breites Spektrum an Formaten der Wissenschaftskommunikation zur Verfügung – von Museen und Wissenschaftszentren über journalistische Medien und soziale Medien bis hin zu Wissenschaftscafés und öffentlichen Vorlesungen.»

Notwendigkeit von Verbesserungen

«Forschungsergebnisse zeigen, dass ein kleiner, aber nicht unbedeutender Teil der Schweizer Bevölkerung sich von der Wissenschaft distanziert hat», erklärt Mike Schäfer, «und damit können wir nicht zufrieden sein». Dem Bericht zufolge halten sich viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der öffentlichen Kommunikation zurück, da sie nicht dafür ausgebildet sind und sich vom Wissenschaftssystem nicht unterstützt fühlen, vor allem in Krisensituationen.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass der Wissenschaftsjournalismus in der Schweiz vor bedeutende Herausforderungen gestellt ist und dass viele Medienschaffende unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Ausserdem wird aufgezeigt, dass digitale Plattformen wichtige Informationsquellen zu Wissenschaftsthemen geworden sind, besonders für jüngere Menschen, dass sie aber auch Dis- und Misinformation erleichtern.


Methode:
Der Bericht basiert auf einer umfassenden Sichtung der interdisziplinären Forschung zu Wissenschaftskommunikation und gesellschaftlichem Engagement mit der Wissenschaft in der Schweiz. Zu Aspekten, zu denen wenige veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten verfügbar waren, bezieht der Bericht auch Primärdaten, internationale Befunde und Sekundäranalysen ein. Ein erster Entwurf des Berichts wurde anhand von Preprints der einzelnen Kapitel auf dem «Open Science Framework»-Repository öffentlich evaluiert. Ein zweiter Entwurf des Berichts wurde dann von vier international renommierten WissenschaftlerInnen mit Expertise im Bereich Wissenschaftskommunikation und gesellschaftliches Engagement und Kenntnis der Schweizer Situation begutachtet.

Zusammensetzung der Fachgruppe: Die Gruppe besteht aus 16 Expertinnen und Experten verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen, unterschiedlicher akademischer und wissenschaftlicher Organisationen und aller Sprachregionen der Schweiz. Beteiligt sind auch Sozialwissenschaftler mit dem Forschungsgebiet Wissenschaftskommunikation, Informatikerinnen, Wissenschaftler aus öffentlich beachteten Disziplinen wie Klimawissenschaft sowie professionelle Wissenschaftskommunikatorinnen und -journalisten.

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