Grundlagen für einen besseren Schutz vor Extremhochwasser an der Aare veröffentlicht

Die Studie «Extremhochwasser an der Aare» liefert die Basis für die Beurteilung der Gefährdung durch Hochwasser auch bei sehr seltenen Ereignissen. Für fünf Standorte, darunter die Kernkraftwerke Mühleberg, Gösgen und Beznau, wurden detaillierte Hochwasser-Gefährdungsanalysen durchgeführt. Damit verfügen Behörden und Betreiber von Anlagen über fundierte Grundlagen, um kritische Infrastrukturen besser vor Extremhochwasser zu schützen.

Aare bei Selhofen

Mit der Studie «Extremhochwasser an der Aare», welche von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) koordiniert wurde, liegen nun für das Einzugsgebiet Daten über Gefährdungen bis 100 000-jährliche Hochwasserereignisse vor. Für 50 Standorte konnten Niederschlags- und Abflusszeitreihen in stündlicher Auflösung für einen Zeitraum von fast 300 000 Jahren simuliert werden. Dabei zeigte sich, dass bei äusserst seltenen Niederschlagsereignissen (Wiederkehrperiode von 100 000 Jahren) vor der Aaremündung in den Rhein Spitzenabflüsse von mehr als 7000 m3/s möglich sind. Das entspricht dem zwölffachen des mittleren Abflusses.

Im Rahmen der Studie wurden unterschiedliche Faktoren berücksichtigt, welche die Abflüsse der Aare beeinflussen können: Rutschungen, Verstopfungen bei Brücken durch Schwemmholz (Verklausungen), Ufererosionen, Brechen von Dämmen oder menschliches Versagen bei der Bedienung der Wehranlagen. Dazu wurden Expertenbeurteilungen, Berechnungen und Simulationen von natürlichen Prozessen und technischen Bauwerksversagen beigezogen. Sie sind jedoch mit Unsicherheiten behaftet, deren Brandbreite soweit möglich beziffert wurde.

Für die Kernkraftwerke Mühleberg, Gösgen und Beznau, für das Gelände des Paul Scherrer Instituts (PSI) mit dem Zwischenlager für radioaktive Abfälle (ZWILAG) sowie für die Stadt Olten als wichtigen Verkehrsknotenpunkt wurde im Rahmen der Studie je eine lokale Gefährdungsbeurteilung durchgeführt.

Das Einzugsgebiet der Aare bedeckt rund 43 Prozent der gesamten Landesfläche und umfasst einige der am dichtesten besiedelten Regionen der Schweiz. Zusätzlich zu den fünf untersuchten Standorten befinden sich entlang des Flusses und seiner Zuflüsse 19 Stauanlagen sowie nationale Verkehrsinfrastrukturen. Die neuen Erkenntnisse über die Extremhochwassergefährdung, liefern eine wichtige Grundlage für deren Risikobeurteilung.

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