Herausforderungen für die Schweiz

Wasserkraft gewinnt an Bedeutung

Durch die Entscheidung der Schweiz, die Kernkraftwerke (KKW) stillzulegen, steigt das Interesse an der Wasserkraftnutzung. Wasserkraft ist zwar eine weitgehend ökologische Energiequelle, doch sie hat ihre Kehrseiten wie alle anderen Stromquellen auch: Die Abflüsse unterhalb der Wasserkraftwerke werden geändert, der Aus- und Neubau von Kleinkraftwerken wirkt teilweise den laufenden Renaturierungen entgegen und erschwert die Durchgängigkeit für Fische. Und Pumpspeicherkraftwerke liefern zwar zu Spitzenzeiten und im Winter bedarfsgerecht Strom, aber sie brauchen zum Hochpumpen von Wasser in die Speicherseen mehr Strom als sie selbst herstellen. In Kombination mit Sonnen- und Windkraftwerken hätten Pumpspeicherkraftwerke aber einen grossen Vorteil: Sie könnten die unregelmässige Stromproduktion aus Sonnen- und Windkraftwerken abfangen und haltbar machen. Denn diese Energiequellen sind erneuerbar und unerschöpf bar, jedoch stark abhängig vom Wetter und von der Tageszeit. So könnte sich die Schweiz als Stromspeicher Europas profilieren.

In den nächsten Jahrzehnten stehen viele Konzessionserneuerungen und Erweiterungen von Wasserkraftwerken bevor. Die Diskussionen und Entscheidungen um Konzessionen, neue Kleinkraftwerke, Erweiterungen von Speicherseen und so weiter werden im Spannungsfeld der ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen an den Gewässern stattfinden. Welche Flussabschnitte sind als Erholungs- und Rückzugsgebiete (Freizeit, Fischerei, Biodiversität), welche als Landschaftsbilder schützenswert? Welche Abschnitte können wasserwirtschaftlich genutzt werden? Wie soll es mit der Schwall/Sunk-Problematik umgegangen werden, das heisst mit den künstlichen Abflüssen durch die Wasserkraftnutzung? Ganzheitliche Entscheidungshilfen (z. B. Hemund 2012) sowie der Einbezug der betroffenen Bevölkerung werden sich bewähren müssen.

Die Klimaänderung verändert die jahreszeitliche Verfügbarkeit des Wassers

Die Klimaänderung wird Auswirkungen auf Schnee und Eis haben, die natürlichen Wasserspeicher. Zudem ist mit einer Umverteilung der Niederschläge zu rechnen: mehr im Winterhalbjahr und deutlich weniger im Sommer. Beides zusammen wird sich auf die jahreszeitliche Verteilung der Abflüsse auswirken. Die Hochwasserzeit wird sich laut Expertinnen und Experten vom Frühsommer ins Winterhalbjahr verschieben und länger anhalten. Niedrigwasser wird in den meisten Gebieten des Mittellandes vermehrt im Spätsommer auftreten.

Diese Änderungen im Wasserkreislauf werden wasserwirtschaftliche Folgen mit sich ziehen: Die rechtlichen Regelungen in verschiedenen Bereichen wie Wasserentnahmen, Einleitung von Kühlwasser, Regulierung von Seen, Restwassermengen für Wasserkraftwerke und viele mehr müssen überprüft werden. Weil im Sommer die Gefahr von Wasserknappheit zunehmen dürfte, muss auch die Wasserversorgung überdacht werden. Der Bedarf an zusätzlichen (Mehrzweck-)Speichern muss abgeklärt werden. Und durch die zunehmende Unregelmässigkeit der Abflüsse und Niedrigwasser dürfte die Rheinschifffahrt vermehrt beeinträchtigt werden.

Neue Wege suchen

Trotz der sich verbessernden Wasserqualität in den Gewässern der Schweiz und der hohen Versorgungssicherheit muss gemeinsam an einer nachhaltigen Wassernutzung gearbeitet werden:

Wasserversorgung

  • Durch die Verknüpfung verschiedener, bis jetzt unabhängiger Wasserversorgungssysteme würde sich die Versorgungssicherheit erhöhen.

Landwirtschaft ƒ

  • Die Bewässerung kann zum Beispiel durch Tropf bewässerung effizienter gemacht werden. ƒ
  • Der Einsatz von Dünge- und Pflanzschutzmittel muss überdacht werden.

Wasserkraft ƒ

  • Die Erneuerung, beziehungsweise der Ausbau von bestehenden Kraftwerken, soll die künstlichen Schwankungen der Abflüsse (Schwall und Sunk) unterhalb der Wasserkraftwerke vermindern. ƒ
  • Renaturierungsmassnahmen und eine verbesserte Durchgängigkeit der Kraftwerke für Fische sollen die Bestände erhalten und vergrössern.

Industrie und Gewerbe ƒ

  • Gewisse Stoffe wie Hormone und Nanopartikel von Medikamenten und Kosmetikprodukten stellen im Wasserkreislauf ein Problem dar. Denn sie können in den herkömmlichen Abwasserreinigungsanlagen nicht entfernt werden. Die Mikroverunreinigungen bedingen ausgeklügelte technische Massnahmen, um in Kläranlagen beseitigt werden zu können. Sonst drohen sie sich in der Umwelt anzusammeln – mit noch schwer abzuschätzenden Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Welche Chemikalien sind wirklich nötig? Welche können durch andere, ökologisch abbaubare Stoffe ersetzt werden?

Abwasserreinigung ƒ

  • Die bereits heute zum Teil praktizierte Trennung von Regenwasser und Abwasser entlastet die Abwasserreinigungsanlagen deutlich.
  • ƒDie Zusammenlegung von kleineren Kläranlagen ermöglicht eine effizientere Reinigung. ƒ
  • Neue Methoden müssen entwickelt werden, damit kleinste Mengen an Mikroverunreinigungen festgestellt und aus dem Abwasser entfernt werden können.