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27.3.2018: Forschung CH

Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?

Dispersion des œufs de poissons par les oiseaux d’eau: un mythe?



Philipp Hirsch et al.

Wie gelangen Fische in abgelegene Gewässer, wenn sie nicht selbst dorthin schwimmen können? Obwohl Forscher seit Jahrhunderten vermuten, dass Wasservögel Fischeier in solche Gewässer einschleppen, zeigt eine systematische Literaturrecherche, dass die Beweise für diese Theorie bis heute fehlen.

Comment des poissons se retrouvent-ils dans des eaux éloignées, s'ils ne peuvent s’y rendre à la nage par eux-mêmes ? Bien que les chercheurs soupçonnent depuis des siècles que les oiseaux aquatiques introduisent les œufs de poisson dans de telles eaux, une recherche systématique de la littérature montre que les preuves font encore défaut.


Kleine Seen und Weiher bilden einen Grossteil der globalen Süsswasserökosysteme. Viele dieser Seen liegen in abgelegenem, oft gebirgigem Gelände und haben weder Zu- noch Abfluss. In den meisten dieser Seen gibt es aber dennoch Fische. Doch wie kommen Fische in Seen, Teiche und Tümpel, die nicht mit anderen Gewässern verbunden sind?
Diese Frage stellten sich bereits die grossen Naturforscher des 19. Jahrhunderts wie Charles Darwin, Alfred Russel Wallace und Charles Lyell. Sie alle kamen zum gleichen Schluss: Wasservögel müssen für die Verbreitung der Fische verantwortlich sein.
Für die Ausbreitung hatten sie eine plausible Erklärung. Fischeier sind klebrig und überleben eine gewisse Zeit an der Luft. So geht die Theorie davon aus, dass die Fischeier im Gefieder oder an den Füssen von Wasservögeln anhaften und so von einem Gewässer zum anderen geflogen werden..
Eine Studie von Umweltwissenschaftlern der Universität Basel zeigt nun, dass diese Theorie zwar innerhalb der Forschergemeinschaft als gesichert gilt, dass aber publizierte Studien dazu fehlen.
Um das Fehlen von Evidenz objektiv zu messen, führte das Forscherteam eine systematische Literaturrecherche durch. Das Ergebnis zeigt: es gibt keine wissenschaftlich profunden Studien, die belegen, dass Wasservögel Fischeier verschleppen. Um auszuschliessen, dass die erfolglose Suche an der Methode der Literatursuche liegt, wurde auf gleiche Weise nach Belegen für die Verbreitung von wirbellosen Wassertieren gesucht. Hier fanden die Forscher zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, die sich auf Experimente und Feldversuche stützen.
Für ihre Studie konsultierten die Forscher zudem Onlineforen und befragten rund 40 Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis. Damit wollten sie klären, wie verbreitet die Theorie der Fischverbreitung durch Wasservögel inner- und ausserhalb der Forschergemeinde ist. Die Mehrzahl der befragten Fachleute findet die Theorie so plausibel, dass sie das Rätsel als gelöst betrachten. Auf empirische Ergebnisse kann sich aber niemand beziehen.
Das Fehlen von Evidenz bedeutet nicht, dass die Ausbreitung über Wasservögel nicht vorkommt. Aber wir wissen heute schlicht nicht, welche Rolle dabei die Vögel, welche der Mensch und welche andere Prozesse spielen.
Die Verbreitungswege von Arten in entlegene Gewässer zu verstehen, ist wichtig für die Erhaltung der Biodiversität. Das Wissen, wie Arten neue Lebensräume kolonisieren, bildet die Grundlage für den Erhalt von Refugien und die gezielte Wiederansiedelung, aber auch um ein Eindringen invasiver Neobiota zu verhindern.

Quelle: Universität Basel

Keywords:
Biogeografie, Fische, Gewässer, Verbreitung, Wiederansiedlung

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Hirsch P.E. et al. (2018): Colonizing Islands of water on dry land-on the passive dispersal of fish eggs by birds Fish and Fisheries. doi: 10.1111/faf.12270

Kontaktadresse:
Dr. Philipp E. Hirsch
Universität Basel
Departement Umweltwissenschaften
CH-4056 Basel
philipp.hirsch@unibas.ch
Tel: +41 (0)61 207 04 07


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