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21.6.2018: Forschung CH

Brutvögel mögen vielfältige und kleinparzellierte Landwirtschaftsbetriebe

Les oiseaux nicheurs aiment les exploitations agricoles diversifiées avec de petits parcelles



Judith Zellweger-Fischer et al.

Auf 133 Landwirtschaftsbetrieben im Schweizer Mittelland wurde untersucht, welche Faktoren die Anzahl Arten und Individuen von Vögeln beeinflusst. Das Ergebnis: Die Parzellengrösse, die Kulturenvielfalt, die Nutzungsintensität und der Unterhalt von naturnahen Lebensräumen (artenreiche Wiesen, Hecken, Kleinstrukturen etc.) spielen eine zentrale Rolle. Landwirte haben es also in der Hand, die Artenzahl und Abundanz typischer Kulturlandvögel auf ihren Betrieben positiv zu beeinflussen.

Les facteurs qui influencent la diversité des oiseaux ont été étudiés dans 133 exploitations agricoles du Plateau suisse. Résultat: la taille des parcelles, la diversité des cultures, l’intensité de l’utilisation et l’entretien de milieux proches de l’état naturel (prairies riche en espèces, haies, petites structures etc.) jouent un rôle clé. Les agriculteurs ont donc le pouvoir d’influencer positivement le nombre d’espèces et l’abondance des oiseaux typiques des milieux agricoles sur leur exploitation.


Die vorliegende Studie beschreibt den Einfluss von Bewirtschaftungsweisen (u.a. Biolandbau, Parzellengrösse, Kulturenvielfalt) sowie des Vorhandenseins naturnaher Lebensräume auf die Artenzahl und Individuendichte von Brutvögeln (mehrheitlich Singvögel). Es werden Handlungsweisen und Massnahmen aufgezeigt, mit denen Landwirte die Brutvögel auf ihren Betrieben fördern können.
Dazu wurde Artenzahl und Abundanz typischer Landwirtschafts-Vogelarten von 133 Landwirtschaftsbetrieben im Schweizer Mittelland analysiert. Die Daten wurden zum einen auf Betriebsebene ausgewertet, da dies der eigentliche Wirkungsradius eines Landwirts ist. Zum anderen wurde für neun weitverbreitete Arten auf Ebene ihrer Brutreviere untersucht, welche Habitate Brutvögel in ihre Reviere integrieren.
Die Individuendichte (nicht aber die Artenzahl) von Kulturlandvögeln war auf Biobetrieben höher als auf Nicht-Biobetrieben. Artenzahl und Individuendichte nahm mit abnehmender durchschnittlicher Parzellengrösse zu. Die Kulturenvielfalt war positiv korreliert mit der Revierwahl von fünf Arten. Mehrere naturnahe Lebensräume, insbesondere Hecken, waren mit höheren Artenzahlen und Individuendichte (sowohl auf Revier- als auch Betriebsebene) assoziiert. Der Anteil Siedlung im Umland hatte auf Betriebsebene negative Effekte auf Artenzahl und Abundanz. Auf Revierebene zeigten sich aber auch positive Zusammenhänge. Dies war bei Arten der Fall, welche typischerweise an Bauernhofgebäuden (Holzschober, Scheunen, Ställe) brüten.
Obwohl Vögel als Landschaftsindikatoren dienen und grossräumig Ansprüche an ihren Lebensraum haben, nutzen viele Brutvögel eine recht kleine Fläche während ihres Brutgeschäfts (oft 1-2 Hektaren). Deshalb können auch kleinere Landwirtschaftsbetriebe zum Schutz und zur Förderung von Vögeln im Kulturland beitragen, zum Beispiel indem unterschiedliche Kulturen in kleineren Parzellen angebaut werden. Zentral ist auch das Vorhandensein einer möglichst grossen Diversität an verschiedenen naturnahen Lebensräumen. Diese Massnahmen sollten für die Brutvögel idealerweise innerhalb ihrer relativ kleinen Revierflächen zugänglich sein.

Quelle: Vogelwarte Sempach

Keywords:
Agrarökologie, Biologischer Landbau, Vögel, Parzellengrösse, Heterogenität, naturnahe Lebensräume

Art der Publikation:
Fachpublikation

Literatur:
Zellweger-Fischer J. et al. (2018): Identifying factors that influence bird richness and abundance on farms. Bird Study 3, 1–13
https://doi.org/10.1080/00063657.2018.1446903
https://www.tandfonline.com/eprint/XMI9yzDG5WrCgDNwmTZv/full

Kontaktadresse:
J. Zellweger-Fischer, Schweizerische Vogelwarte, Seerose 1, CH-6204 Sempach
judith.zellweger@vogelwarte.ch
Tel: +41 (0)41 462 97 00


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