Das Webportal erklärt was Bakteriophagen sind und wie sie in der Medizin, Landwirtschaft und Umwelt eingesetzt werden können. Es fasst zudem den aktuellen Stand ihrer Regulierung zusammen.

Bild: Fabienne Estermann

Was sind Bakteriophagen?

Bakteriophagen («Bakterienfresser») sind Viren, die gezielt Bakterien angreifen, aber menschliche Zellen in Ruhe lassen. Wie alle Viren bestehen Phagen zur Hauptsache aus Erbgut (DNA oder RNA) und Proteinen. Und wie alle Viren können sie sich nicht eigenständig vermehren. Sie brauchen Bakterien dazu.

Bakteriophagen sind sehr vielfältig und werden in verschiedene Familien unterteilt. Die T4-Phagen sind wohl die bekannteste Phagen-Familie. Sie haben eine prägnante Form mit Kopf, Schwanz und Fasern. Es gibt aber auch Phagen ohne Fasern oder solche, die lange Filamente bilden. Eine Auswahl ist unten abgebildet. Geschätzt gibt es 1015 Phagen auf der Welt – das heisst, auf einen Menschen kommen 15 Milliarden Phagen. Sie sind somit der weitverbreitetste Organismus auf unserem Planeten.

  • Dieser Phage (rot) heisst MC14B und wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. MC14B gehört zu den ubiquitären T5-ähnlichen Phagen (Drexlerviridae-Tequintavirus), die Escherichia coli oder Salmonellen infizieren. Der Phagenkopf schützt das virale Genom, das über den langen und flexiblen Schwanz des Virus in die Wirtszellen übertragen wird.
  • Dieser Phage heisst UT1 und wurde vor mehr als 30 Jahren aus Seewasser in den USA isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus) und infiziert Pseudomonas aeruginosa, einen gefährlichen Krankheitserreger. Der Schwanz von UT1 und anderen sogenannten „Myoviren” zieht sich wie eine Spritze zusammen, um die Zellhülle der Bakterienzellen zu durchstechen und das virale Erbgut zu injizieren.
  • Dieser Phage heisst HeinrichReichert und wurde in der Summer Science Academy 2019 aus Abwasser isoliert. HeinrichReichert gehört zu den V5-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Vequintavirinae), die ein „Schweizer Taschenmesser” aus Schwanzfasern zur Erkennung verschiedener Bakterienstämme mit sich führen.
  • Phage EM80 wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus), die den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa infizieren. Das Bild zeigt mehrere Phagen mit verlängerten Schwänzen, die das Ergebnis von Fehlern beim Virionaufbau in infizierten Wirtszellen sind.
  • Es sind zwei Phagen zu sehen, ein unbekannter Virus (türkis) und FriedrichMiescher (rosa). Sie wurden während der Summer Science Academy 2019 isoliert. FriedrichMiescher ist ein T4-ähnlicher Phage (Myoviridae-Tevenvirinae) mit kurzen Schwanzfasern, die zur Bindung an die Oberfläche der Wirtszelle dienen.
  • Dieser Phage heisst NA32 und wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein in Basel isoliert. NA32 ist ein T4-ähnlicher Phage (Myoviridae-Tevenvirinae), der sein Genom umfassend chemisch modifiziert, um der Erkennung durch bakterielle Immunsysteme wie die Gen-Schere CRISPR-Cas zu entgehen.
  • Der Phage PB9 wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. PB9 gehört zu einer unbekannten Gruppe sogenannter Siphoviren (Siphoviridae). Im Gegensatz zu entfernten Verwandten, die bereits untersucht wurden, verfügt dieser Phage über einzigartige, robuste Schwanzfasern, mit denen er sich an Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle bindet.
  • Das ist Phage Ercole und wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zur Familie der Podoviridae, die nur einen kurzen, stumpfen Schwanz haben. Ercole nutzt eine neuartige Methode, um den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa zu infizieren, den das Labor von Prof. Alexander Harms an der ETH Zürich untersucht.
  • Dieser Phage (L14) wurde im Rahmen eines Maturaprojekts in der Gruppe von Prof. Alexander Harms aus Basler Abwasser isoliert. L14 gehört zu den Kuraviren (Podoviridae-Kuravirus). Diese Phagen haben einen charakteristischen, länglichen Kopf, den sie benötigen, um ihr Genom zu verpacken, das für diese Art von Viren sehr groß ist.
  • Dieser Phage (LH01) wurde 2019 in der Summer Science Academy aus dem Rhein isoliert. LH01 ist in dieser Sammlung einzigartig, da es sich um ein Inovirus handelt, welches lange und filamentöse Virionen bildet, anstatt der typischen kantigen Köpfe und Schwanzfasern anderer Phagen. Inoviren werden daher auch „Spaghetti-Viren“ genannt.
  • Dieser Phage (rot) heisst MC14B und wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. MC14B gehört zu den ubiquitären T5-ähnlichen Phagen (Drexlerviridae-Tequintavirus), die Escherichia coli oder Salmonellen infizieren. Der Phagenkopf schützt das virale Genom, das über den langen und flexiblen Schwanz des Virus in die Wirtszellen übertragen wird.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)1/10
  • Dieser Phage heisst UT1 und wurde vor mehr als 30 Jahren aus Seewasser in den USA isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus) und infiziert Pseudomonas aeruginosa, einen gefährlichen Krankheitserreger. Der Schwanz von UT1 und anderen sogenannten „Myoviren” zieht sich wie eine Spritze zusammen, um die Zellhülle der Bakterienzellen zu durchstechen und das virale Erbgut zu injizieren.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)2/10
  • Dieser Phage heisst HeinrichReichert und wurde in der Summer Science Academy 2019 aus Abwasser isoliert. HeinrichReichert gehört zu den V5-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Vequintavirinae), die ein „Schweizer Taschenmesser” aus Schwanzfasern zur Erkennung verschiedener Bakterienstämme mit sich führen.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)3/10
  • Phage EM80 wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus), die den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa infizieren. Das Bild zeigt mehrere Phagen mit verlängerten Schwänzen, die das Ergebnis von Fehlern beim Virionaufbau in infizierten Wirtszellen sind.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)4/10
  • Es sind zwei Phagen zu sehen, ein unbekannter Virus (türkis) und FriedrichMiescher (rosa). Sie wurden während der Summer Science Academy 2019 isoliert. FriedrichMiescher ist ein T4-ähnlicher Phage (Myoviridae-Tevenvirinae) mit kurzen Schwanzfasern, die zur Bindung an die Oberfläche der Wirtszelle dienen.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)5/10
  • Dieser Phage heisst NA32 und wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein in Basel isoliert. NA32 ist ein T4-ähnlicher Phage (Myoviridae-Tevenvirinae), der sein Genom umfassend chemisch modifiziert, um der Erkennung durch bakterielle Immunsysteme wie die Gen-Schere CRISPR-Cas zu entgehen.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)6/10
  • Der Phage PB9 wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. PB9 gehört zu einer unbekannten Gruppe sogenannter Siphoviren (Siphoviridae). Im Gegensatz zu entfernten Verwandten, die bereits untersucht wurden, verfügt dieser Phage über einzigartige, robuste Schwanzfasern, mit denen er sich an Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle bindet.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)7/10
  • Das ist Phage Ercole und wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zur Familie der Podoviridae, die nur einen kurzen, stumpfen Schwanz haben. Ercole nutzt eine neuartige Methode, um den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa zu infizieren, den das Labor von Prof. Alexander Harms an der ETH Zürich untersucht.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)8/10
  • Dieser Phage (L14) wurde im Rahmen eines Maturaprojekts in der Gruppe von Prof. Alexander Harms aus Basler Abwasser isoliert. L14 gehört zu den Kuraviren (Podoviridae-Kuravirus). Diese Phagen haben einen charakteristischen, länglichen Kopf, den sie benötigen, um ihr Genom zu verpacken, das für diese Art von Viren sehr groß ist.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)9/10
  • Dieser Phage (LH01) wurde 2019 in der Summer Science Academy aus dem Rhein isoliert. LH01 ist in dieser Sammlung einzigartig, da es sich um ein Inovirus handelt, welches lange und filamentöse Virionen bildet, anstatt der typischen kantigen Köpfe und Schwanzfasern anderer Phagen. Inoviren werden daher auch „Spaghetti-Viren“ genannt.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)10/10
  • Dieser Phage (rot) heisst MC14B und wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. MC14B gehört zu den ubiquitären T5-ähnlichen Phagen (Drexlerviridae-Tequintavirus), die Escherichia coli oder Salmonellen infizieren. Der Phagenkopf schützt das virale Genom, das über den langen und flexiblen Schwanz des Virus in die Wirtszellen übertragen wird.
  • Dieser Phage heisst UT1 und wurde vor mehr als 30 Jahren aus Seewasser in den USA isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus) und infiziert Pseudomonas aeruginosa, einen gefährlichen Krankheitserreger. Der Schwanz von UT1 und anderen sogenannten „Myoviren” zieht sich wie eine Spritze zusammen, um die Zellhülle der Bakterienzellen zu durchstechen und das virale Erbgut zu injizieren.
  • Dieser Phage heisst HeinrichReichert und wurde in der Summer Science Academy 2019 aus Abwasser isoliert. HeinrichReichert gehört zu den V5-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Vequintavirinae), die ein „Schweizer Taschenmesser” aus Schwanzfasern zur Erkennung verschiedener Bakterienstämme mit sich führen.
  • Phage EM80 wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus), die den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa infizieren. Das Bild zeigt mehrere Phagen mit verlängerten Schwänzen, die das Ergebnis von Fehlern beim Virionaufbau in infizierten Wirtszellen sind.
  • Es sind zwei Phagen zu sehen, ein unbekannter Virus (türkis) und FriedrichMiescher (rosa). Sie wurden während der Summer Science Academy 2019 isoliert. FriedrichMiescher ist ein T4-ähnlicher Phage (Myoviridae-Tevenvirinae) mit kurzen Schwanzfasern, die zur Bindung an die Oberfläche der Wirtszelle dienen.
  • Dieser Phage heisst NA32 und wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein in Basel isoliert. NA32 ist ein T4-ähnlicher Phage (Myoviridae-Tevenvirinae), der sein Genom umfassend chemisch modifiziert, um der Erkennung durch bakterielle Immunsysteme wie die Gen-Schere CRISPR-Cas zu entgehen.
  • Der Phage PB9 wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. PB9 gehört zu einer unbekannten Gruppe sogenannter Siphoviren (Siphoviridae). Im Gegensatz zu entfernten Verwandten, die bereits untersucht wurden, verfügt dieser Phage über einzigartige, robuste Schwanzfasern, mit denen er sich an Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle bindet.
  • Das ist Phage Ercole und wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zur Familie der Podoviridae, die nur einen kurzen, stumpfen Schwanz haben. Ercole nutzt eine neuartige Methode, um den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa zu infizieren, den das Labor von Prof. Alexander Harms an der ETH Zürich untersucht.
  • Dieser Phage (L14) wurde im Rahmen eines Maturaprojekts in der Gruppe von Prof. Alexander Harms aus Basler Abwasser isoliert. L14 gehört zu den Kuraviren (Podoviridae-Kuravirus). Diese Phagen haben einen charakteristischen, länglichen Kopf, den sie benötigen, um ihr Genom zu verpacken, das für diese Art von Viren sehr groß ist.
  • Dieser Phage (LH01) wurde 2019 in der Summer Science Academy aus dem Rhein isoliert. LH01 ist in dieser Sammlung einzigartig, da es sich um ein Inovirus handelt, welches lange und filamentöse Virionen bildet, anstatt der typischen kantigen Köpfe und Schwanzfasern anderer Phagen. Inoviren werden daher auch „Spaghetti-Viren“ genannt.
Dieser Phage (rot) heisst MC14B und wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. MC14B gehört zu den ubiquitären T5-ähnlichen Phagen (Drexlerviridae-Tequintavirus), die Escherichia coli oder Salmonellen infizieren. Der Phagenkopf schützt das virale Genom, das über den langen und flexiblen Schwanz des Virus in die Wirtszellen übertragen wird.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)1/10

Phagen vermehren sich ausschliesslich in Bakterienzellen. Bislang waren zwei Lebenszyklen bekannt: den lytischen und den lysogenen Zyklus. Lytische Phagen zerstören die Bakterienzellen, wenn sie sich in ihnen vermehren. Der Phage dockt an ein Bakterium an und schleust sein Erbgut in die Zelle. Das Bakterium produziert nun Phagenteile, die sich selbstständig zu neuen Phagen zusammensetzen. Wenn genügend neue Phagen gebildet sind, zerstören sie die Zelle. Die freigesetzten Viren können sich nächste Opfer suchen. Der folgende Film zeigt den Zyklus im Detail.

Phage EM80 wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus), die den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa infizieren. Das Bild zeigt mehrere Phagen mit verlängerten Schwänzen, die das Ergebnis von Fehlern beim Virionaufbau in infizierten Wirtszellen sind.Inhalt von Youtube LLC (Google LLC) laden
Lytischer PhagenzyklusBild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)

Lysogene Phagen fügen ihr Erbgut direkt in das Erbgut der Bakterien ein. Wenn sich die Bakterien teilen, verbreiten sie auch das Phagen-Erbgut weiter. Dieses kann sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktivieren. Äussere Faktoren können das schlummernden Phagen-Erbgut aufwecken, zum Beispiel wenn sich die Lebensbedingungen des Bakteriums verändern. Auch diese produziert nun Phagenteile, die sich zu neuen Phagen zusammenfügen. Nachdem die neuen Phagen produziert wurden, töten sie wiederum die Zelle ab und werden freigesetzt, um weitere Bakterien zu infizieren.

Mittlerweile haben Forschende Bakteriophagen mit einem dritten Lebenszyklus entdeckt. Sie heissen Inoviren oder filamentöse Phagen, weil sie eine dünne, längliche Gestalt haben. Filamentöse Phagen infizieren Bakterien chronisch: Sie vermehren sich in den Zellen, ohne diese zu zerstören.

Dieser Phage (LH01) wurde 2019 in der Summer Science Academy aus dem Rhein isoliert. LH01 ist in dieser Sammlung einzigartig, da es sich um ein Inovirus handelt, welches lange und filamentöse Virionen bildet, anstatt der typischen kantigen Köpfe und Schwanzfasern anderer Phagen. Inoviren werden daher auch „Spaghetti-Viren“ genannt.Inhalt von Youtube LLC (Google LLC) laden
Der tödlichste Killer der Welt – Der BakteriophageBild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)

Wo werden Bakteriophagen eingesetzt?

In der Medizin dienen Phagen dazu, bakterielle Infektionen zu behandeln. In der Landwirtschaft werden sie als biologische Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel und Futtermittelzusätze eingesetzt. Die Lebensmittelindustrie verwendet Phagen als natürliche Desinfektionsmittel.

Phagentherapie

Das Prinzip zur Behandlung bakterieller Infektionen mithilfe von Bakteriophagen ist einfach: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Die Phagen dringen in die krankmachenden Bakterien ein und töten sie.

Allerdings muss man dabei einiges beachten. Die meisten Phagen sind sehr spezifisch und greifen nur bestimmte Bakterienspezies oder sogar nur einzelne Untergruppen an. Bakterien verändern sich sehr rasch und bilden so genannte Stämme, Varianten einer Art, die sich in manchen Eigenschaften voneinander unterscheiden. Das kann dazu führen, dass ein Phage diese Bakterien nicht mehr befallen kann.

Um Patienten und Patientinnen behandeln zu können, muss man das Bakterium, das die Infektion verursacht, isolieren und im Labor testen. Danach sucht man den passenden Phagen, um das Bakterium zu bekämpfen. Für manche Bakterienarten ist es schwierig oder aktuell unmöglich, passende Phagen zu finden.

Bakterien werden mit der Zeit nicht nur gegen Antibiotika resistent, sondern auch gegen Phagen. Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, setzen Medizinerinnen und Mediziner manchmal Kombinationen verschiedener Phagen ein In einigen Fällen erkaufen sich die Bakterien diese Resistenz allerdings zum Preis einer geringeren Virulenz, wodurch sie anfälliger werden und vom Immunsystem besser bekämpft werden können

Der Phage PB9 wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. PB9 gehört zu einer unbekannten Gruppe sogenannter Siphoviren (Siphoviridae). Im Gegensatz zu entfernten Verwandten, die bereits untersucht wurden, verfügt dieser Phage über einzigartige, robuste Schwanzfasern, mit denen er sich an Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle bindet.Inhalt von Youtube LLC (Google LLC) laden
Phagentherapie – die Medizin geht viralBild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)

Landwirtschaft und Umwelt

Um den Einsatz problematischer Chemikalien zu verringern, setzt die Landwirtschaft Phagen als Pflanzenschutz- und Tierarzneimittel ein. Vor allem Obstbäume werden mit Viren behandelt. Sie kommen dabei mehrheitlich in Gewächshäusern zum Einsatz.

Derzeit prüft die EU das erste Phagen-basierte Produkt für den Einsatz im Gartenbau. Es soll Apfel- und Birnenbäumen Schutz vor Feuerbrand bieten, einer Pflanzenkrankheit, die vom Bakterium Erwinia amylovora verursacht wird.

Lebensmittelindustrie

Es gibt bereits kommerziell erhältliche Phagen-Produkte, die für die Behandlung von frisch geschnittenem, verzehrfertigem Obst und Gemüse, in der Fleischverarbeitung und bei der Käseproduktion eingesetzt werden. Aufgrund der fehlenden lebensmittelrechtlichen Zulassung dürfen sie in der EU, anders als in den USA, Kanada, Israel oder der Schweiz, bislang jedoch nicht eingesetzt werden.

In der Schweiz können laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) «Bakteriophagen im Rahmen eines Verfahrens zur Verlängerung der Haltbarkeit und zur Erhöhung der hygienisch-mikrobiologischen Sicherheit bei Lebensmitteln nicht tierischen Ursprungs eingesetzt werden». Ein solches Produkt ist beispielsweise Listex.

Mit Bafasal hat die EU im Sommer 2025 ein Nahrungsmittelzusatz für Hühner zugelassen, der den Salmonellen-Befall reduziert beziehungsweise verhindert.

In den USA bietet die Firma AgriPhage Phagen an, um bakterielle Krankheiten bei Pflanzen und Tieren zu bekämpfen und Lebensmittel zu behandeln.

Wie steht es um die Zulassung von Phagentherapien?

Schweiz

Es gibt bis heute keine klinischen Studien, die heutigen Standards entsprechen und den Nachweis erbracht haben, dass Phagentherapien beim Menschen wirksam sind. Solche Studien sind für eine Zulassung aber nötig.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Aufkommen von Phagentherapien wurden zwar viele Studien durchgeführt. Aber diese genügen den heutigen Anforderungen nicht. Da Phagentherapien für grosse Pharmakonzerne aus verschiedenen Gründen kaum interessant sind, ist es schwierig, weitere Studien durchzuführen. Denn diese sind kostspielig. Aktuell laufen deshalb nur einige kleine Studien, unter anderem eine zu Lungeninfektionen bei Personen mit zystischer Fibrose.

Weil die Phagentherapie nicht zugelassen ist, darf sie aktuell in nur in Notfällen eingesetzt werden, in denen alle zugelassenen Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind, und wenn ein schwerer Ausgang droht (Bsp. Tod, Amputation).

Vor einer Behandlung müssen die Patienten und Patientinnen oder deren Angehörige über die Behandlung und ihre Risiken ausführlich informiert werden und müssen ihr sie anschliessend zustimmen. Es braucht dazu keine behördliche Bewilligung. In den Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) heisst es, die behandelnden Ärztinnen und Ärzte solle den Rat eines geeigneten Expertengremiums oder zumindest eine Zweitmeinung einholen. In manchen Kliniken muss die zuständige Ethik-Kommission zustimmen. Die Haftung liegt beim Hersteller des verwendeten Phagenpräparats und bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten.

Europäische Union und andere Länder

In den meisten Ländern sind Phagentherapien wie in der Schweiz nicht offiziell zugelassen. Eine Ausnahme ist Georgien.

Einige Länder haben den Zugang trotz fehlender Zulassung erleichtert. Dies, weil es sonst selbst in Notfällen nur selten zu Behandlungen mit Phagen kommt. Die Hürden und der administrative Aufwand sind zu hoch.

Ein Pionier für einen erleichterten Zugang in Europa ist Belgien. Dort dürfen Ärztinnen und Ärzte Phagen grundsätzlich einsetzen, wenn diese die Sicherheitsvorschriften erfüllen und das eingesetzte Präparat von einem staatlich zertifizierten Labor hergestellt und von einem davon unabhängigen staatlich zertifizierten Labor kontrolliert worden ist. Trotz der Erleichterung sind die Behandlungszahlen in Belgien nicht stark gestiegen.

Portugal hat das belgische System kürzlich übernommen, einen erleichterten Zugang gibt es auch in Frankreich. Die EU arbeitet zudem an einer gesamteuropäischen Lösung. Die einzelnen Mitgliedsstaaten werden aber entscheiden können, ob sie das System einführen möchten oder nicht.

Eine erleichterte Praxis in unterschiedlicher Ausprägung existiert auch in Australien und in den USA.

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Dieser Phage (LH01) wurde 2019 in der Summer Science Academy aus dem Rhein isoliert. LH01 ist in dieser Sammlung einzigartig, da es sich um ein Inovirus handelt, welches lange und filamentöse Virionen bildet, anstatt der typischen kantigen Köpfe und Schwanzfasern anderer Phagen. Inoviren werden daher auch „Spaghetti-Viren“ genannt.
Dieser Phage (LH01) wurde 2019 in der Summer Science Academy aus dem Rhein isoliert. LH01 ist in dieser Sammlung einzigartig, da es sich um ein Inovirus handelt, welches lange und filamentöse Virionen bildet, anstatt der typischen kantigen Köpfe und Schwanzfasern anderer Phagen. Inoviren werden daher auch „Spaghetti-Viren“ genannt.
Dieser Phage (LH01) wurde 2019 in der Summer Science Academy aus dem Rhein isoliert. LH01 ist in dieser Sammlung einzigartig, da es sich um ein Inovirus handelt, welches lange und filamentöse Virionen bildet, anstatt der typischen kantigen Köpfe und Schwanzfasern anderer Phagen. Inoviren werden daher auch „Spaghetti-Viren“ genannt.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)
Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)
Dieser Phage heisst HeinrichReichert und wurde in der Summer Science Academy 2019 aus Abwasser isoliert. HeinrichReichert gehört zu den V5-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Vequintavirinae), die ein „Schweizer Taschenmesser” aus Schwanzfasern zur Erkennung verschiedener Bakterienstämme mit sich führen.
Dieser Phage heisst HeinrichReichert und wurde in der Summer Science Academy 2019 aus Abwasser isoliert. HeinrichReichert gehört zu den V5-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Vequintavirinae), die ein „Schweizer Taschenmesser” aus Schwanzfasern zur Erkennung verschiedener Bakterienstämme mit sich führen.
Dieser Phage heisst HeinrichReichert und wurde in der Summer Science Academy 2019 aus Abwasser isoliert. HeinrichReichert gehört zu den V5-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Vequintavirinae), die ein „Schweizer Taschenmesser” aus Schwanzfasern zur Erkennung verschiedener Bakterienstämme mit sich führen.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)
Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)
Der Phage PB9 wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. PB9 gehört zu einer unbekannten Gruppe sogenannter Siphoviren (Siphoviridae). Im Gegensatz zu entfernten Verwandten, die bereits untersucht wurden, verfügt dieser Phage über einzigartige, robuste Schwanzfasern, mit denen er sich an Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle bindet.
Der Phage PB9 wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. PB9 gehört zu einer unbekannten Gruppe sogenannter Siphoviren (Siphoviridae). Im Gegensatz zu entfernten Verwandten, die bereits untersucht wurden, verfügt dieser Phage über einzigartige, robuste Schwanzfasern, mit denen er sich an Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle bindet.
Der Phage PB9 wurde während der Summer Science Academy 2022 aus dem Rhein isoliert. PB9 gehört zu einer unbekannten Gruppe sogenannter Siphoviren (Siphoviridae). Im Gegensatz zu entfernten Verwandten, die bereits untersucht wurden, verfügt dieser Phage über einzigartige, robuste Schwanzfasern, mit denen er sich an Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtszelle bindet.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)
Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)
Phage EM80 wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus), die den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa infizieren. Das Bild zeigt mehrere Phagen mit verlängerten Schwänzen, die das Ergebnis von Fehlern beim Virionaufbau in infizierten Wirtszellen sind.
Phage EM80 wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus), die den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa infizieren. Das Bild zeigt mehrere Phagen mit verlängerten Schwänzen, die das Ergebnis von Fehlern beim Virionaufbau in infizierten Wirtszellen sind.
Phage EM80 wurde aus Abwasser isoliert. Er gehört zu den PB1-ähnlichen Phagen (Myoviridae-Pbunavirus), die den gefährlichen Erreger Pseudomonas aeruginosa infizieren. Das Bild zeigt mehrere Phagen mit verlängerten Schwänzen, die das Ergebnis von Fehlern beim Virionaufbau in infizierten Wirtszellen sind.Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)
Bild: Fabienne Estermann (CC BY-NC-ND)

Über das Portal

Redaktion: Sandro Käser, Forum Genforschung; Thomas Häusler, Wissenschaftsjournalist;
Illustrationen: Anne Seeger
Bilder: Fabienne Estermann