Zukunft und Auswirkungen

Die Schweizer Gletscher befinden sich in einem rasanten Wandel. Seit dem Jahr 2000 haben sie fast 40 % ihres Volumens verloren, und allein in den Jahren 2022 und 2023 verschwand zehn Prozent des gesamten Gletschereises. Der Rückgang wird sich fortsetzen, mit tiefgreifenden Folgen für Landschaft, Natur und Gesellschaft.

Veränderungen der Landschaft
Der Rückzug der Gletscher verändert die alpine Landschaft grundlegend. Wo einst mächtige Eisströme dominierten, entstehen neue Fels- und Schuttlandschaften sowie Gletscherseen. Diese Veränderungen können neue touristische Attraktionen schaffen, stellen aber auch Herausforderungen für den Alpinismus und den Schutz der Infrastruktur dar.
Wasserhaushalt und Energieversorgung
Gletscher speichern im Winter Wasser und geben es im Sommer ab – ein entscheidender Faktor für die Wasserversorgung und die Stromproduktion durch Wasserkraft. Während in den nächsten Jahrzehnten zunächst mehr Schmelzwasser verfügbar ist, werden langfristig Wasserknappheit und stärkere saisonale Schwankungen zu erwarten sein. Flüsse wie der Rhein und die Rhone, die im Sommer stark auf Gletscherschmelze angewiesen sind, könnten in trockenen Perioden deutlich weniger Wasser führen.

Auswirkungen der Gletscherschmelze
Die Schmelze der Gletscher trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei – wenn auch deutlich weniger im Vergleich zum Beitrag der von den Eisschilden Grönlands und der Antarktis zu erwarten sind. Weltweit schwindende Gletscher werden jedoch Küstenregionen zunehmend unter Druck setzen und Millionen von Menschen zur Umsiedlung zwingen.
Können Gletscher mit Technologie gerettet werden?
Im Zusammenhang mit touristischer Infrastruktur auf Gletschern werden in der Schweiz seit rund 20 Jahren weisse Tücher, sogenannte Geotextilien, auf dem Eis ausgelegt. Diese Methode kann lokal 50-70 % der Schmelze verhindern. Allerdings ist sie teuer und auf kleine Flächen von wenigen 1000 m² begrenzt, bei denen ein wirtschaftlicher Nutzen besteht.
Um das vollständige Verschwinden ganzer Gletscher oder ganzer Regionen zu verhindern, reichen solche Maßnahmen nicht aus – sie sind reine Symptombekämpfung. Zudem belasten sie die Umwelt, unter anderem durch Mikroplastik. Die einzige wirksame Maßnahme, um Gletscher langfristig zu bewahren, ist die Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen.

Die Zukunft der Schweizer Gletscher
Die Schweizer Gletscher schrumpfen rasch und reagieren verzögert auf das Klima: Selbst wenn die Temperaturen heute stabil blieben, würde ihr Eisvolumen in den nächsten 25 Jahren um einen Drittel abnehmen. Ohne Klimaschutz könnten bis 2100 fast alle Gletscher der Alpen verschwunden sein, bei einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter zwei Grad bliebe rund ein Viertel des heutigen Eises erhalten. Insbesondere der Grosse Aletschgletscher könnte bei einem Szenario ohne Klimaschutz in 75 Jahren vollständig verschwunden sein. Vielerorts würden sich tief eingeschnittene Täler mit neuen Gletscherseen bilden. Durch wirksame Klimaschutzmassnahmen kann jedoch ein erheblicher Teil des Gletschervolumens erhalten und der Meeresspiegelanstieg verlangsamt werden.









