• 12.04.2019
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Der Innovationspark “PARK INNOVAARE” in Villigen (AG) fördert Jungunternehmen im Bereich der Beschleunigertechnologie

CERN-Knowhow geht an den Markt

Im November 2018 hat eine Jury das Genfer Unternehmen Securaxis in das Förderprogramm des “Business Incubation Center of CERN Technologies” im Innovationspark INNOVAARE in Villigen (AG) aufgenommen. Foto (v.l.n.r.): Glenn Meleder (CEO Securaxis), Benno Rechsteiner (CEO PARK INNOVAARE) und Aurélie Pezous (Wissenstransfer-Verantwortliche am CERN).
Bild: Photo: Darya Bachevskaya
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Im November 2018 hat eine Jury das Genfer Unternehmen Securaxis in das Förderprogramm des “Business Incubation Center of CERN Technologies” im Innovationspark INNOVAARE in Villigen (AG) aufgenommen. Foto (v.l.n.r.): Glenn Meleder (CEO Securaxis), Benno Rechsteiner (CEO PARK INNOVAARE) und Aurélie Pezous (Wissenstransfer-Verantwortliche am CERN).
Im November 2018 hat eine Jury das Genfer Unternehmen Securaxis in das Förderprogramm des “Business Incubation Center of CERN Technologies” im Innovationspark INNOVAARE in Villigen (AG) aufgenommen. Foto (v.l.n.r.): Glenn Meleder (CEO Securaxis), Benno Rechsteiner (CEO PARK INNOVAARE) und Aurélie Pezous (Wissenstransfer-Verantwortliche am CERN). (Bild: Photo: Darya Bachevskaya)

Das CERN in Genf ist das führende Laboratorium für Teilchenphysik weltweit. Für die Grundlagenforschung werden dort grosse Teilchenbeschleuniger genutzt, die auf modernster Technologie beruhen. Der Innovationspark “PARK INNOVAARE” in Villigen (AG) hat vor einem Jahr zusammen mit dem CERN das BIC-of-CERN-Programm gestartet: Das Förderprogramm unterstützt Start-ups und kleine High-Tech-Firmen, welche die CERN-Technologien für kommerzielle Anwendungen nutzen. Dieser Tage ist die zweite Ausschreibung gestartet.

Im Jahr 2016 hat die Stiftung „Switzerland Innovation“ an fünf Standorten Innovationsparks ins Leben gerufen. In den Innovationsparks sollen Unternehmen aus der Schweiz und dem Ausland gemeinsam mit Forschern innovative Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Einer der Standorte ist Villigen im Kanton Aargau. Hier hat das Paul Scherrer Institut (PSI) seinen Sitz, und es lag nahe, einen der Innovationsparks in die Nähe dieser wichtigen Forschungseinrichtung des ETH-Bereichs zu legen. Mitte des letzten Jahres hat PARK INNOVAARE ein Entwicklungsprogramm gestartet, das Start-up-Unternehmen ermuntern soll, Beschleunigertechnologien des CERN für kommerzielle Anwendungen zu nutzen. „Mit dieser neuen Initiative ist die gemeinsame Expertise des Paul Scherrer Instituts und des CERN für Firmen im PARK INNOVAARE verfügbar“, sagt Dr. Francesco Colonna, Mitglied des Lenkungsausschusses.

Bei der Gründung im Juli 2018 hatte das „Business Incubation Center (BIC) of CERN Technologies“ – so der offizielle Name des Förder- und Inkubationsprogramms – eine Reihe von Technologiefeldern aufgelistet, die zu den Beschleunigertechnologien gerechnet werden: Big Data/ICT, Detektoren, Hochleistungselektronik, Kühlungssysteme, Magnete, Sensoren, Steuerungs- und Kontrollsysteme oder Vakuumtechnologie. Diese Technologien werden nicht nur bei Bau und Betrieb von Teilchenbeschleunigern benötigt, sie können auch in Medizin und Biomedizin, in Luft- und Raumfahrt, im Umweltbereich und sogar in der Denkmalpflege genutzt werden, wie die Promotoren des BIC of CERN Technologies seinerzeit betonten.

Genfer Start-up entwickelt Sicherheits-Anwendung

Ein Jahr ist unterdessen ins Land gezogen, und das Förderprogramm kann ein erstes Start-up Unternehmen vorweisen: Im November 2018 hat eine Jury mit dem Start-up Securaxis ein erstes Unternehmen auserkoren, das in Genuss des Förderprogramms kommt. Securaxis war Ende 2015 von Glenn Meleder gegründet worden, der zuvor als IT-Spezialist beim IKRK (Internationales Komitee vom Roten Kreuz) in Genf gearbeitet hatte. Die Firma entwickelt Sicherheitslösungen rund um akustische Sensoren, deren Daten mittels künstlicher Intelligenz aufbereitet werden. Werden sogenannte Echtzeit-Ereignis-Detektoren (Real-Time Event Detectors; RTExD) in einer Stadt eingerichtet, sind diese in der Lage, Explosionen oder Brände in Echtzeit zu erkennen und Rettungsdienste zu alarmieren. Die Detektoren helfen nach Auskunft der Firma auch im Verkehrsmanagement. Ferner sind sie in der Lage, Brücken, Staudämme oder Tunnels zu überwachen und über akustische Signale eine drohende Beschädigung durch Materialermüdung präventiv zu erkennen.

Die akustischen Detektoren bedürfen ein leistungsfähiges System zur Datensammlung und -verarbeitung. Hierfür will Securaxis Technologien nutzen, die am CERN zum Auslesen der sehr umfangreichen Daten aus den verschiedenen Teilchenphysik-Experimenten eigens entwickelt wurden (C2MON). „Unsere Technologie hat gegenüber Kameraüberwachung den entscheidenden Vorteil, dass keine Datenschutzprobleme entstehen“, sagt Firmengründer Meleder. „Überdies können Städte mit unserem akustischen Frühwarnsystem Kosten senken.“

Neue Chance für High-Tech-Start-ups

Mit dem auf zwei Jahre angelegten Förderprogramm profitiert Securaxis unter anderem von Management-Coaching durch das Institut für Unternehmensführung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), einem Startkapital von 50'000 Fr., einer Unterstützung durch Techniker von CERN und PSI, sowie von einem vereinfachten Zugang zu ergänzenden Technologien von PSI und CERN zu vergünstigten Konditionen. Securaxis hat seinen Sitz weiterhin in Genf, wo sechs Personen arbeiten. Im ersten Jahr des Inkubationsprogramms wird die Firma ein Zwei-Personen-Büro im PARK INNOVAARE einrichten.

Das Start-up war von einer Jury aus 31 Vorschlägen ausgewählt worden. Am 10. April 2019 wurde nun die zweite Runde des Förderprogramms lanciert. In dieser Runde können bis zu zwei Jungunternehmen in die Förderung aufgenommen werden. Projektideen müssen bis Ende Mai eingereicht werden. Eine zentrale Bedingung jeder Bewerbung: Das Unternehmen muss geistiges Eigentum oder Knowhow des CERN aus dem Bereich der Beschleunigertechnologien nutzen. Am 15. Oktober 2019 fällt die Jury ihren Entscheid.

Weitere Auskünfte über das BIC-of-CERN-Programm unter: https://www.parkinnovaare.ch/cern-bic

Autor: Benedikt Vogel