Das Webportal «SCNAT wissen» schafft Orientierung. Die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) und ihr Netzwerk stellen den Stand des Wissens zusammen, auf Basis solider wissenschaftlicher Resultate und mit Bezug zur Schweiz – zuhanden von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis.mehr

Bild: Tobias Günther, SNSF Scientific Image Competitionmehr

Neuerungen in der Klimaüberwachung

Der Klimawandel beschleunigt sich in der Schweiz immer mehr. 2022 und 2023 waren die zwei deutlich wärmsten Jahre seit Messbeginn 1864. Zur Beschreibung dieser rasanten Entwicklung braucht es neue Ansätze. MeteoSchweiz führt deshalb einige Neuerungen in der Klimaüberwachung ein – ein kurzer Überblick.

Neuerungen in der Klimaüberwachung Tesearbild (Quelle Pixabay)

Gerade ist mit 2023 in der Schweiz das zweitwärmste Jahr seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 1864 zu Ende gegangen. Und das, nachdem bereits 2022 den bisherigen Rekord von 2018 deutlich übertroffen hat. Seit den 1970er Jahren waren alle Dekaden wärmer als die jeweils vorangegangene. Das zeigt klar: Die Erwärmung in der Schweiz hat sich deutlich beschleunigt. Dies stellt einige bisher für die Klimaüberwachung verwendeten Methoden zunehmend in Frage (vgl. Blog vom 13. Juli 2023). MeteoSchweiz hat neue Ansätze systematisch untersucht und Lösungen erarbeitet, siehe MeteoSchweiz Fachbericht 285 und begutachtete Fachpublikation. Die Resultate werden nun schrittweise in den Produkten und Publikationen eingeführt. Wir geben einen kurzen Überblick über die kommenden Neuerungen.

Was wird neu?

MeteoSchweiz führen eine Klima-Trendlinie basierend auf lokaler linearer Regression ein (vgl. Slideshow). Sie erlaubt eine gute Beschreibung der nichtlinearen Klimaentwicklung und entspricht ziemlich genau einem laufenden 30-jährigen Durchschnitt. Wo immer möglich wird auf die Verwendung des linearen Trends für die langfristige Beschreibung der Klimaentwicklung verzichtet. Den Endpunkt der Klima-Trendlinie verwendt MeteoSchweiz als aktuelles Klimamittel. Es wird unter anderem neu benutzt, um die Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Referenz (Durchschnitt der Jahre 1871-1900) zu bestimmen. Die Schweizer Jahresmitteltemperatur ist demnach seit der vorindustriellen Zeit um rund 2.8 °C angestiegen und liegt heute bereits 0.9 °C über dem Normwert 1991-2020. Die Unschärfe des aktuellen Klimamittels beträgt knapp ±0.4 °C. Zur Beschreibung von dekadischen Klima-Schwankungen wird neu statt dem Gaussglättter ein Glätter basierend auf lokaler linearer Regression eingesetzt.

Was bleibt beim Alten?

Vieles bleibt wie gehabt. Die von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definierte Normperiode (aktuell 1991-2020) ist weiterhin die zentrale Referenz zur Einordnung des Klimas im aktuellen Monat, in der aktuellen Saison oder im aktuellen Jahr. Die Aussage, ob zum Beispiel ein Monat zu warm oder zu kalt war, oder ob die vergangene Saison sonniger oder nässer «als normal» war, wird sich weiterhin auf die aktuell gültige WMO-Referenzperiode beziehen können. Bei Kartendarstellungen ergeben sich ebenfalls keine Änderungen. Abweichungen zu einer Referenz, dargestellt in der Fläche über der Schweiz, werden sich ebenfalls wie bisher auf die WMO-Normperiode beziehen. Die WMO-Klima-Normwerte haben also in diversen Bereichen weiterhin ihre Berechtigung.

Wann und wo werden die Neuerungen eingeführt?

Die Neuerungen fliessen nun schrittweise in MeteoSchweiz Produkte ein. Die Verwendung in den Klimabulletins startet in den Klimabulletins ab sofort. Die Produkte auf der MeteoSchweiz Webseite werden 2024 nach und nach erweitert oder angepasst. Der Klimareport 2023, der im Sommer 2024 erscheint, wird ebenfalls schon die Neuerungen enthalten.

Kategorien