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Tourismus, Naherholung und Nachhaltigkeit in den Schweizer Pärken

Bericht zur 6. Tagung Parkforschung Schweiz 2025

Mit ihren hochwertigen Natur- und Kulturgütern sind die Schweizer Pärke attraktive Destinationen für Freizeit und Ferien. Sie stehen vor der Herausforderung, ihr Potenzial auf nachhaltige Weise und entsprechend ihrer Werte zu nutzen – von hoher Landschaftsqualität, über lokale Wertschöpfung bis hin zu reicher Artenvielfalt. Die 6. Tagung Parkforschung Schweiz setzte sich mit diesem Spannungsfeld auseinander.

Auf Exkursion im Naturpark Pfyn-Finges
Auf Exkursion im Naturpark Pfyn-Finges
Auf Exkursion im Naturpark Pfyn-FingesBild: FoLAP
Bild: FoLAP

Seit der Gründung des Naturparks Pfyn-Finges im Jahr 1997 bestehen neben Schutzbestrebungen Ansprüche an den Tourismus, wie der Parkdirektor Peter Oggier in seinem einleitenden Vortrag zur 6. Tagung Parkforschung Schweiz erzählte. Über 90 Teilnehmende waren am 30. Oktober 2025 in Siders versammelt, um sich mit Tourismus und Naherholung in den Schweizer Pärken auseinanderzusetzen. Die Tagung fand in Zusammenarbeit zwischen dem Forum Landschaft, Alpen, Pärke (FoLAP), dem Naturpark Pfyn-Finges und dem Institut für Tourismus der HES-SO Valais-Wallis statt. Auf dem Programm standen insgesamt 25 Referate und Workshops von Vertretenden aus Forschung und Praxis.

Ein gemeinsames Problemverständnis entwickeln

Eine Lehre, die Peter Oggier aus einem Vierteljahrhundert des Naturpark Pfyn-Finges zog: Bei Konflikten fühlt sich oft niemand zuständig – das Zusammenbringen der Beteiligten ist daher ein grosser Mehrwert, den ein Park erbringt. Wie aber gelingt ein gemeinsames Problemverständnis, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen? Dazu sammelte beispielsweise das Reallabor Jurapark Aargau Erfahrungen, welche die Forschenden des ETH-Bereichs an der Tagung vermittelten. Im Reallabor setzen sich Menschen aus der Gesellschaft und Wissenschaft in Workshops gemeinsam mit den aktuellen Problemen im Naturpark auseinander. Mit Experimenten probieren sie die Lösungsansätze direkt in der Praxis aus. Dieser transdisziplinäre Ansatz könnte künftig für andere Naturpärke gewinnbringend sein. Auch Jean-Christophe Loubier, Geograf und Professor am Institut für Tourismus der HES-SO Valais-Wallis, hat an der Tagung einen Ansatz zur Konfliktlösung vorgestellt. Dieser beruht darauf, grundlegende Überzeugungen von Konfliktparteien – wie unterschiedliche Naturkonzepte und Wertesysteme – besser zu verstehen und in die Konfliktlösung miteinzubeziehen.

Auf Parkbesuch

Zwischen Naturschutz und Tourismus ist der Umgang mit Besuchenden ein zentrales Thema für die Schweizer Pärke. So brachte die Tagung Beiträge zu Besuchermonitoring und -lenkung zusammen, die sich mit diesem Zielkonflikt auseinandersetzen. Vorgestellt wurden drohnenbasierte Kartierungen in ökologisch sensiblen Gebieten oder Heatmaps, um Besucherströme und deren Auswirkungen zu analysieren. Das Beispiel der V-Bahn in Grindelwald zeigte konkret den Mehrwert davon auf, das Monitoring von Projektstart an mitzudenken. So können negative ökologische Auswirkungen von Besucherumverteilungen verhindert werden. Zusätzlich deckten die durchgeführten Befragungen Sensibilisierungs- und Informationsbedarf bei den Besuchenden auf. Dass Pärke zu Orten des kollektiven Lernens werden können, veranschaulichte der Verein Erlebniswelt Roggen Erschmatt. Mit einer Vielfalt an Anlässen und interaktiven Formaten wie Backworkshops vermittelt der Verein das Natur- und Kulturerbe des Getreides und sensibilisiert die Parkbesuchenden.

Besucht wurde auch im Rahmen der Tagung Parkforschung: Am 31. Oktober führten zwei Exkursionen durch den Naturpark Pfyn-Finges. Eine Gruppe besichtigte die grosse archäologische Ausgrabungsstätte im Pfyngut. Der Schwemmfächer des Illgrabens hat hier vergangene Landschaften mit Sedimenten überdeckt, wodurch zahlreiche Objekte konserviert wurden: Eine römische Strasse, landwirtschaftliche Relikte wie Trittspuren von Tieren oder Wasserleitsysteme aus dem Mittelalter und Spuren der Pfynschlacht von 1799. Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit der Autobahn, die durch das Schutzgebiet Pfynwald gebaut wird. Da ermöglichte eine sorgfältige Planung, Chancen zur ökologischen und landschaftlichen Aufwertung des Gebiets zu erkennen. Diese werden nun im Zuge des Autobahnbaus realisiert und verbessern zugleich die Rahmenbedingungen für Tourismus und Naherholung.

Zum Wandel beitragen und weiter forschen

Die Tagung Parkforschung 2025 zeigte: Zum Tourismus in den Schweizer Pärken wird wertvolles Wissen (ko-)produziert. Tourismus und Naherholung bringen nicht nur Herausforderungen in die Pärke, sondern bieten auch Potenzial für deren lokale Wirtschaft, Gesellschaft und Natur. Wegleitend kann diesbezüglich das Konzept des regenerativen Tourismus sein, welches die Regeneration von Ökosystemen mitdenkt. In diesem Bereich bleibt Forschungsbedarf bestehen – so auch zu Themen der sozialen Nachhaltigkeit wie Gesundheit oder Inklusion. Das Netzwerk Schweizer Pärke hat eine Übersicht mit offenen Forschungsfragen zu Tourismus und Naherholung aus Sicht der Praxis zusammengestellt. Damit kann die Wissenschaft weiter dazu beitragen, mit den Pärken zusammen den Tourismus integrativ und nachhaltig zu gestalten.

Hier gehts zur Tagungssynthese der HES-SO Valais-Wallis.

  • Peter Oggier begrüsst zur 6. Tagung Parkforschung Schweiz
  • Die Teilnehmenden bringen sich aktiv in Workshops ein
  • Besuch der archäologischen Ausgrabungsstätte im Pfyngut
  • Auf Exkursion im Naturpark Pfyn-Finges
  • Syntheserunde der 6. Tagung Parkforschung Schweiz
  • Peter Oggier begrüsst zur 6. Tagung Parkforschung SchweizBild: FoLAP1/5
  • Die Teilnehmenden bringen sich aktiv in Workshops einBild: FoLAP2/5
  • Besuch der archäologischen Ausgrabungsstätte im PfyngutBild: FoLAP3/5
  • Auf Exkursion im Naturpark Pfyn-FingesBild: FoLAP4/5
  • Syntheserunde der 6. Tagung Parkforschung SchweizBild: FoLAP5/5
  • Peter Oggier begrüsst zur 6. Tagung Parkforschung Schweiz
  • Die Teilnehmenden bringen sich aktiv in Workshops ein
  • Besuch der archäologischen Ausgrabungsstätte im Pfyngut
  • Auf Exkursion im Naturpark Pfyn-Finges
  • Syntheserunde der 6. Tagung Parkforschung Schweiz
Peter Oggier begrüsst zur 6. Tagung Parkforschung SchweizBild: FoLAP1/5

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Dr. Elisa Frank
SCNAT
Forum Landschaft, Alpen, Pärke (FoLAP)
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