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Wegbereiterin für die ersten Chemie-Doktorinnen der Welt

Als erste Hochschule Europas hat die Universität Zürich Frauen zum Studium zugelassen und als weltweit erste einer Frau einen Doktortitel in Chemie verliehen. Die SCNAT hat die Hochschule dafür als bedeutende historische Stätte der Chemie mit einem Chemical Landmark geehrt.

Enthüllung der Gedenktafel durch Jean-Marc Piveateau (Präsident SCNAT) und Michael Schaepman (Rektor UZH)
Enthüllung der Gedenktafel durch Jean-Marc Piveateau (Präsident SCNAT) und Michael Schaepman (Rektor UZH)
Enthüllung der Gedenktafel durch Jean-Marc Piveateau (Präsident SCNAT) und Michael Schaepman (Rektor UZH)Bild: Andres Jordi
Bild: Andres Jordi

Diesen und weitere Artikel finden Sie im Jahresbericht 2025 der SCNAT.

Im Chemielabor der ehemaligen Kantonsschule Zürich erforschte Lydia Sesemann vor über 150 Jahren die chemischen Eigenschaften der Dibenzylessigsäure und entdeckte ein neues Verfahren, um Homotoluylsäure herzustellen. Beide Säuren sind wichtige Ausgangsstoffe für die Herstellung von Medikamenten. Am 15. Mai 1874 verlieh die Universität Zürich der Chemikerin den Doktortitel. Sesemann war die erste Frau der Welt, die in Chemie promovierte. Für ihre Rolle als Wegbereiterin für die ersten Doktorinnen der Chemie wurde die Universität von der SCNAT mit dem Chemical Landmark geehrt. Mit diesem Preis zeichnet die Akademie Wirkungsstätten in der Schweiz aus, die für die Chemie historisch bedeutend sind.

Lydia Sesemann blieb nicht die einzige Pionierin. Zürich war zu dieser Zeit vielmehr ein Magnet für Studentinnen aus der ganzen Welt. Frauen, denen andernorts eine akademische Laufbahn verwehrt blieb, konnten hier ihren Wissensdurst stillen. Auffallend viele stammten aus dem Zarenreich, das sich im gesellschaftlichen Umbruch befand. Oft waren sie politisch aktiv und hatten in Zürich Kontakt zu revolutionären Kreisen. 1873 verbot der Zar deshalb das Studium in der Schweiz. Die meisten Frauen verliessen daraufhin die Stadt. Lydia Sesemann, deren Heimat Finnland damals zum russischen Reich gehörte, blieb und schloss ihre Doktorarbeit ab – eine der besten der Fakultät wie einer ihrer Doktorväter befand.

Während ausländische Studentinnen an die Universität Zürich und andere Schweizer Hochschulen kamen, blieben Schweizerinnen zunächst grösstenteils aussen vor. Denn um studieren zu können, brauchten sie eine Matura. Der Besuch eines Gymnasiums war Mädchen aber nicht erlaubt.

Andres Jordi

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