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Abfluss in Fliessgewässern

Der Abfluss bezeichnet das Wasser, welches in einem Einzugsgebiet nicht gespeichert oder verdunstet werden kann, und deshalb über das Fliessgewässernetz in Richtung Meer fliesst. Gebiete wie die Alpen, die viel Niederschlag erhalten und wo aufgrund der niedrigeren Temperatur weniger verdunstet, generieren also besonders viel Abfluss. Vor allem im Sommer, wenn Schnee- und Gletscherschmelze zusätzliches Wasser in die Fliessgewässer liefern.

Da die Schweiz über viele Berge verfügt, gilt sie europaweit als «Wasserschloss». Dieser oft genannte Begriff ist etwas irreführend, da er auf einer Fehlübersetzung aus dem Französischen «château d'eau» basiert, was hier sinnvollerweise mit «Wasserturm» übersetzt werden sollte. Es hat also nichts mit einem Märchenschloss im See zutun, sondern mit einem in der Höhe gelegenen Wasserspeicher.

Abflussregimes

Je nach Höhe, Region und Vergletscherung von Einzugsgebieten unterscheidet sich die jährliche Verteilung des Abflusses. Vergleichbare Muster lassen sich zu Typen gruppieren, sogenannte Abflussregimes.

Einzugsgebiete mit vielen Gletschern führen im Spätsommer, wenn die Gletscher schmelzen, am meisten Wasser. Im Winter hingegen sind die Fliessgewässer fast leer. Höher gelegene Gebiete ohne Gletscher erreichen ihre höchsten Abflüsse während der Schneeschmelze im Frühling. Im Mittelland fliesst der Niederschlag fast ganzjährlich direkt ab. Es gibt dort also keine grosse Konzentration der Abflüsse.

Daraus ergeben sich verschiedene saisonale und regionale Verteilungen der Abflüsse und der Abflussspitzen. Fachleute unterscheiden durch Eisschmelze (glazial), durch Schneeschmelze (nival) oder durch Regen (pluvial) geprägte Regimes und deren Kombinationen. In der Schweiz ergeben sich 16 verschiedene Regimes mit ihren typischen Abflusskurven (siehe Abbildung). Mit dem Klimawandel werden sich die Abflussregimes in der Zukunft verändern.

Die 16 Abflussregime-Typen nach Weingartner und Aschwanden (1992). Abgebildet sind die Pardé-Koeffizienten von Januar bis Dezember. Der Koeffizient ist ein normierter Abflusswert (Verhältnis der mittleren monatlichen Abflüsse zum mittleren jährlichen Abfluss) und erlaubt so einen Vergleich unterschiedlicher Einzugsgebiete.
Die 16 Abflussregime-Typen nach Weingartner und Aschwanden (1992). Abgebildet sind die Pardé-Koeffizienten von Januar bis Dezember. Der Koeffizient ist ein normierter Abflusswert (Verhältnis der mittleren monatlichen Abflüsse zum mittleren jährlichen Abfluss) und erlaubt so einen Vergleich unterschiedlicher Einzugsgebiete.
Die 16 Abflussregime-Typen nach Weingartner und Aschwanden (1992). Abgebildet sind die Pardé-Koeffizienten von Januar bis Dezember. Der Koeffizient ist ein normierter Abflusswert (Verhältnis der mittleren monatlichen Abflüsse zum mittleren jährlichen Abfluss) und erlaubt so einen Vergleich unterschiedlicher Einzugsgebiete.
Die 16 Abflussregime-Typen nach Weingartner und Aschwanden (1992). Abgebildet sind die Pardé-Koeffizienten von Januar bis Dezember. Der Koeffizient ist ein normierter Abflusswert (Verhältnis der mittleren monatlichen Abflüsse zum mittleren jährlichen Abfluss) und erlaubt so einen Vergleich unterschiedlicher Einzugsgebiete.

Bedeutung

Oberflächlich abfliessendes Wasser hat für den Menschen seit jeher eine grosse Bedeutung. Es wird als Transportweg genutzt, zu Trinkwasser aufbereitet, zur Kühlung verwendet, die Energie wird für die Industrie oder zur Stromproduktion verwertet und zu trockene Felder werden mit Wasser aus Oberflächengewässern bewässert.

Die Abflussmenge in Fliessgewässer kann für uns Menschen auch zu Problemen führen, nämlich wenn besonders viel oder besonders wenig Wasser abfliesst.

Hydrometrische Station Liène-Tseuzier
Hydrometrische Station Liène-Tseuzier
Hydrometrische Station Liène-TseuzierBild: Bruno Schädler
Bild: Bruno Schädler

Abfluss wird in einem Gewässer als Volumen angegeben, das während einer gewissen Zeit durchfliesst, typischerweise in Kubikmeter pro Sekunde.

Da der Abfluss eine wichtige Grösse ist, betreiben der Bund (BAFU) und die Kantone an allen grösseren und an vielen kleineren Gewässern Abflussmessstationen.

Der Abfluss eines Gewässers zu bestimmen ist nicht ganz einfach. Er kann auf verschiedene Arten gemessen werden:

  • Bei der Verdünnungs- oder Tracermethode wird eine zuvor exakt gemessene Menge einer harmlosen Chemikalie (z.B. Salz oder Farbstoff) ins Gewässer gegeben. Weiter Flussabwärts misst man dann, wie sehr dieser Stoff verdünnt wurde und leitet daraus die Wassermenge ab.
  • Ist der Gerinnequerschnitt eines Gewässers bekannt, kann mit einem Wasserflügel (ein Messinstrument mit Propeller) die Fliessgeschwindigkeit gemessen werden. Über die einfache Formel Gewässerbreite * durchschnittliche Tiefe * Fliessgeschwindigkeit erhält man den Abfluss.
    Mithilfe dieser Formel kann der Abfluss auch ohne Messung abschätzen, indem man ein Stück Holz ins Wasser wirft und so die Fliessgeschwindigkeit schätzt.
  • Für eine Messstation, die kontinuierlich Abflussdaten liefern soll, sind aber beide Methoden nicht geeignet. Dort kommt eine andere Methode zum Einsatz: Mit einer Drucksonde wird die Pegelhöhe des Gewässers konstant gemessen. Da Pegel und Abfluss zusammenhängen, kann man aus einigen Messungen (mit den oben genannten Methoden) eine sogenannte Pegel-Abfluss-Beziehung ableiten, und danach aufgrund dieser Beziehung vom kontinuierlich gemessenen Pegel auf den Abfluss schliessen. Nach einem Unwetter oder über längere Zeit kann sich diese Beziehung allerdings verändern und neue Messungen werden nötig.

Referenzen und weiterführende Literatur

November 2025, Basil Stocker, auf Basis des Berichts Wasser in der Schweiz – ein Überblick

Hydrologische Kommission der Schweiz (CHy): Abfluss. In: Wasser erklärt. https://naturwissenschaften.ch/water-explained, SCNAT (hrsg.), [abgerufen am DD.MM.YYYY]