Boden

Der Boden gehört zu den Ökosystemen, die am wenigsten gut untersucht sind. Klar ist aber: Bodenorganismen sichern grundlegende Leistungen. Sie machen den Boden fruchtbar, regulieren den Wasserkreislauf, wirken gegen Bodenerosion und sind so das Fundament für die landwirtschaftliche Produktion. Eine hohe Vielfalt an Bodenlebewesen gilt dabei als Versicherung, damit der Boden auch unter veränderten Umwelteinflüssen seine vielfältigen Aufgaben erfüllen kann.

Unter unseren Füssen im Verborgenen befindet sich ein wesentlicher Teil der Biodiversität. Rund 25% der Arten auf der Erde leben im Boden. Welche Arten diese Biomasse umfasst, ist noch weitgehend unbekannt, handelt es sich doch um meist unscheinbare oder winzig kleine Organismen wie Bakterien, Pilze, Nematoden, Regenwürmer, Insekten, Spinnentiere und Tausendfüsser. Nur rund ein Prozent dieser Arten sind bekannt bzw. erforscht. Angesichts der gewaltigen Vielfalt überrascht dies nicht: In 1 Gramm Boden wurden bis zu 8000 verschiedene Bakteriengenome gefunden.

Die Bodenschicht hat sich in unseren Breitengraden seit der letzten Eiszeit in einem langsamen Prozess geformt. Verschiedene Bodentypen, die beeinflusst sind von unterschiedlichen Umweltbedingungen wie Niederschläge, Topografie oder Vegetation, beherbergen dabei ihre jeweils charakteristische Fauna und Flora.

Der Mensch prägt die Bodenbeschaffenheit stark mit und beeinflusst damit die Biodiversität. Mit dem steigenden Flächenverbrauch für die Bautätigkeit wird Boden versiegelt und umgelagert. Neben dem unmittelbaren Verlust an fruchtbarem Boden hat die Umnutzung unter anderem Zersiedelung und Verlust von Lebensräumen für Flora und Fauna, Barrieren in der Landschaft, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes sowie die Reduktion der Wasserversickerung zur Folge.

Standorte, an denen der Boden auf natürliche Weise durch Hangrutsche oder eine starke Dynamik des Wassers in einem Auengebiet durcheinander gebracht wird, bilden besondere Lebensräume für eine spezialisierte Fauna und Flora. Aber auch durch menschliche Einflüsse, wie Bautätigkeit oder Kiesabbau, entstehen vorübergehend sogenannte ruderale Standorte.

In der Landwirtschaft kann die Vielfalt der Bodenorganismen zugunsten einer erhöhten Fruchtbarkeit und Produktivität mit verschiedenen Massnahmen gefördert werden. Eine angepasste Fruchtfolge, bei der sich verschiedene Kulturen und Grasland abwechseln, ein hoher Gehalt an organischer Substanz im und auf dem Boden z.B. durch die Düngung mit Mist oder Kompost, reduzierte Bodenbearbeitung, Vermeidung von Bodenverdichtung und ein sparsamer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gehören dazu.