Wassernutzung und -verbrauch

Staumauer Rawyl (Tseuzier)
Bild: Bruno Schädler
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Staumauer Rawyl (Tseuzier)
Staumauer Rawyl (Tseuzier) (Bild: Bruno Schädler)

Wasser wird in der Schweiz für vielfältige Zwecke genutzt. Nicht nur die Haushalte, auch Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft brauchen das kostbare Nass. Und aus Wasserkraft stammt mehr als die Hälfte des Schweizer Stroms. Mit unserer Wahl von Produkten und Nahrungsmitteln und unserem Umgang mit Trinkwasser können wir einen Beitrag zur weltweiten Schonung der Wasserressourcen leisten.

Es werden zwei Arten der Wasserentnahme unterschieden: der Wasserverbrauch und die Wassernutzung. Die Nutzung bezieht sich auf das Wasser, das für die Energiegewinnung oder Kühlung entnommen und nach Gebrauch sauber wieder an die Umwelt abgegeben wird. Mit Wasserverbrauch bezeichnet man die Wasserentnahmen, die verbraucht oder verschmutzt werden: Trinkwasser, Bewässerungswasser, Spülwasser, verdampfendes Kühlwasser oder Abwasser.

Wasserkraftwerke als grösste Wassernutzerinnen

Am meisten Wasser wird für die Produktion von Strom entnommen. Damit stellen die Wasserkraftwerke 50 bis 60 Prozent des in der Schweiz benötigten Stroms her, und zwar rund 36 TWh (Terawatt-Stunden). Das entspricht 50mal der Energie, die im Rheinfall bei Schaffhausen steckt. Durchschnittlich fliesst ein Wassertropfen zehn Mal durch eine Turbine, bevor er die Schweiz verlässt. Heute werden rund 30 Prozent der gesamten im Wasser vorhandenen Energie zur Stromerzeugung genutzt (BFE 2004). Ohne Lockerung der Umwelt- und Gewässerschutzbedingungen wäre laut Bund eine Erhöhung um 10 Prozent bis ins Jahr 2050 möglich (BFE 2012). Klimabedingt und kurzfristig werden die alpinen Kraftwerke mit stark vergletscherten Einzugsgebieten von der zunehmenden Gletscherschmelze profitieren. Mittelfristig wird es gesamthaft gesehen aber zu keinen Einbussen für die Wasserkraftnutzung durch die Klimaänderung kommen (SGHL & CHy, 2011).

Wasserverbrauch

Täglich brauchen Frau und Herr Schweizer rund 170 Liter Trinkwasser zum Trinken, Kochen, Waschen und Reinigen. Somit macht der Verbrauch in den Haushalten etwa ein Viertel des Gesamtverbrauchs aus, ein weiteres Viertel entfällt auf die Landwirtschaft. Allerdings fliesst rund die Hälfte des zur Landwirtschaft gerechneten Wassers ungenutzt durch die Brunnen ab. Gut die Hälfte des Wassers verbrauchen Gewerbe und Industrie (siehe Abbildung). Die Wassergewinnung findet zu einen Hälfte öffentlich statt (Trinkwasser), zur andern privat (Landwirtschaft, Industrie). Jährlich wird in der Schweiz ein Drittel des Wasservolumens des Thunersees verbraucht (2.2 km3).

Wasserverbrauch in der Schweiz (inkl. Eigenförderung): Prozentanteile der Nutzungsbereiche (Daten: Freiburghaus 2009).
Wasserverbrauch in der Schweiz (inkl. Eigenförderung): Prozentanteile der Nutzungsbereiche (Daten: Freiburghaus 2009).
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Wasserverbrauch in der Schweiz (inkl. Eigenförderung): Prozentanteile der Nutzungsbereiche (Daten: Freiburghaus 2009).
Wasserverbrauch in der Schweiz (inkl. Eigenförderung): Prozentanteile der Nutzungsbereiche (Daten: Freiburghaus 2009).

Trinkwasser

Woher kommt das Schweizer Trinkwasser? 40 Prozent sind Quellwasser, 40 Prozent werden aus dem Grundwasser gepumpt und 20 Prozent werden aus Oberflächengewässern – meist Seen – entnommen. Insbesondere das Seewasser benötigt eine zweistufige Aufbereitung bis zur Trinkwasserqualität. Ein Drittel des Trinkwassers wird einstufig aufbereitet, knapp die Hälfte gar nicht. Das Trinkwasser in der Schweiz weist also eine sehr hohe Qualität auf und kann mit Mineralwasser mithalten. Die Trinkwasserleitungen der Schweiz sind 53'000 Kilometer lang und würden 28 Mal um die Schweiz reichen. Etwa alle 50 Jahre müssen die Leitungen ersetzt werden, was pro Jahr 1000 Kilometer Leitungen entspricht. Das ist auch nötig, denn durch leckende Leitungen gehen jährlich 15 Prozent des Trinkwassers verloren.

Wie die Abbildung unten erkennen lässt, ist der Trinkwasserverbrauch pro Kopf rückläufig. Das weist darauf hin, dass die Bevölkerung sensibilisierter ist und zum Beispiel wassersparende Duschköpfe nutzt. Ausserdem sind Geräte wie Spül- und Waschmaschinen effizienter geworden. Ein wesentlicher Teil der Einsparungen sind aber keine eigentlichen Einsparungen, sondern Verlagerungen: Wasserintensive Industriezweige wie die Textilproduktion wurden ins Ausland verlegt. Zudem werden Güter und Lebensmittel vermehrt importiert, die zur Herstellung viel Wasser benötigen. Damit nimmt die Bedeutung des „virtuellen Wassers“ zu (mehr dazu im nächsten Kapitel).

Entwicklung des mittleren (qm) und des maximalen (qmax) Trinkwasserverbrauchs pro Einwohner und Tag (inkl. Gewerbe, Industrie, öffentliche Zwecke und Verluste) von 1945 bis 2011. Der maximale Tagesverbrauch im Jahre 1976 ist auf 900 Liter pro Person gestiegen und steht in Verbindung zu einer aussergewöhnlichen Trockenperiode in der ersten Sommerhälfte (Statistik SVG, www.trinkwasser.ch).
Entwicklung des mittleren (qm) und des maximalen (qmax) Trinkwasserverbrauchs pro Einwohner und Tag (inkl. Gewerbe, Industrie, öffentliche Zwecke und Verluste) von 1945 bis 2011. Der maximale Tagesverbrauch im Jahre 1976 ist auf 900 Liter pro Person gestiegen und steht in Verbindung zu einer aussergewöhnlichen Trockenperiode in der ersten Sommerhälfte (Statistik SVG, www.trinkwasser.ch).
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Entwicklung des mittleren (qm) und des maximalen (qmax) Trinkwasserverbrauchs pro Einwohner und Tag (inkl. Gewerbe, Industrie, öffentliche Zwecke und Verluste) von 1945 bis 2011. Der maximale Tagesverbrauch im Jahre 1976 ist auf 900 Liter pro Person gestiegen und steht in Verbindung zu einer aussergewöhnlichen Trockenperiode in der ersten Sommerhälfte (Statistik SVG, www.trinkwasser.ch).
Entwicklung des mittleren (qm) und des maximalen (qmax) Trinkwasserverbrauchs pro Einwohner und Tag (inkl. Gewerbe, Industrie, öffentliche Zwecke und Verluste) von 1945 bis 2011. Der maximale Tagesverbrauch im Jahre 1976 ist auf 900 Liter pro Person gestiegen und steht in Verbindung zu einer aussergewöhnlichen Trockenperiode in der ersten Sommerhälfte (Statistik SVG, www.trinkwasser.ch).

Bedenklich ist, dass das verbrauchte Wasser, das in unserem täglichen Konsum landwirtschaftlicher und industrieller Güter steckt, nur zu rund 25 Prozent durch heimische Wasserressourcen gedeckt wird. Drei Viertel davon benötigen Wasserressourcen anderer Regionen der Welt, deren Wasserbestimmungen – wenn überhaupt vorhanden – oft weniger streng sind als in der Schweiz.

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WasserVerstehen – Modul 2 – Wallis, Wassernutzung im Wandel
  • 2017

Wallis – Wassernutzung im Wandel

Das zweite Modul «Wallis – Wassernutzung im Wandel» enthält die Themen «Wasserdargebot», «Nutzung des Wassers», «Wasserverteilung» und «Wasserbewirtschaftung bis 2100».
Mehrzweckspeicher sichern Wasser- und Energieversorgung
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Mehrzweckspeicher sichern Wasser- und Energieversorgung

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Dieses Buch stellt in einem interdisziplinären Ansatz die Bedeutung von Wasserfällen mit ihren ökologischen und soziokulturellen Qualitäten vor. Es zeigt, welche Pflanzen- und Tierarten im Spritzbereich von Wasserfällen vorkommen. Touristische und kunsthistorische Bedeutungen von Wasserfällen werden beschrieben und quantifiziert sowie Aspekte, welche die Gesundheit der Menschen fördern, skizziert. Zudem wird eine neue Methode zur Erfassung der landschaftsästhetischen Qualitäten vorgestellt. Abschließend werden Empfehlungen zur Beurteilung der Erhaltungswürdigkeit von Wasserfällen aufgeführt.

Das Buch präsentiert wertvolle Grundlagen zur Diskussion über die Zukunft der Wasserfälle in der Schweiz.
Titelseite Cratschla 2/15
  • 2015

Cratschla 2/15

Schwerpunkt: Fliessgewässer in der Nationalparkregion
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  • 2014

Gesamtsynthese: Nachhaltige Wassernutzung in der Schweiz

Die umfassende Studie schildert den aktuellen Stand der Wassernutzung in der Schweiz und beschreibt Handlungsszenarien abhängig von der Entwicklung des Klimas, der Gesellschaft und der Wirtschaft.