Was ist virtuelles Wasser?
Mit «virtuellem Wasser» bezeichnet man das Wasser, das für die Produktion von landwirtschaftlichen und industriellen Produkten benötigt wird, aber nicht in den Produkten selbst enthalten ist. Also zum Beispiel Wasser, das für die Bewässerung von Feldern oder im Abbau von Metallen benötigt wird. Ein Grossteil des virtuellen Wassers, das für unseren Konsum in der Schweiz verbraucht wird, fällt im Ausland an. Dieses Wasser gelangt zwar nie in die Schweiz und ist somit auch nicht Teil unseres Wasserhaushaltes, wird aber für uns in anderen Ländern verbraucht. Genaue Zahlen sind schwer zugänglich. Studien z.B. vom WWF und der DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) zeigen aber die Grössenordnungen auf.
Beispiel zur Erklärung
Eine Tomate enthält ca. 95 % Wasser. Für jedes Kilo Tomaten, das in die Schweiz importiert wird, werden also 9.5 dl Wasser mitimportiert. Für den Anbau dieser Tomaten wird im Produktionsland allerdings viel mehr Wasser verbraucht: für das selbe Kilo Tomaten ca. 250 Liter. Diese Zahl ergibt sich aus einer einfachen Rechnung: ein Tomatenfeld verbraucht ca. 500 mm Wasser (aus Regen, Bewässerung) zum Wachsen. Dieses Wasser verdunstet dabei. Auf einen Hektar ergibt dies 5000 m3/Jahr. Daraus lassen sich ca. 20 Tonnen Tomaten ernten, d.h. pro Tonne werden 250 m3 Wasser verbraucht oder eben 250 l/kg.
Für ein Kilo Kaffee sind das sogar über 20'000 Liter, das ergibt bei 10 g Kaffee pro Tasse einen Wasserverbrauch von über 200 l. Dieser enorme Verbrauch entfällt nicht etwa auf die industrielle Aufbereitung bis zur gerösteten Kaffeebohne, sondern auf das Wachstum der Pflanze: auf einem Hektar Kaffee-Plantage wachsen nämlich nur ca. 4 Tonnen Rohkaffee-Bohnen, woraus nach Trocknen, Schälen, Polieren und Rösten ca. 0.5 Tonnen fertige Kaffeebohnen entstehen. Hierfür hat die Kaffee-Plantage aber ca. 1000 mm Wasser verbraucht (aus Regen und Bewässerung), dies ergibt pro Hektar 10'000 m3. Zurückgerechnet auf die 0.5 Tonnen fertige Kaffeebohnen ergibt das 10'000 m3/5000 kg = 20 m3/kg.
Dieser Wasserverbrauch, der zwar nicht hier in der Schweiz anfällt, aber dennoch für unseren Konsum benötigt wird, wird als «virtuell» bezeichnet. Dies ist besonders problematisch, weil viele der Produkte mit hohem Wasserverbrauch in trockenen Ländern produziert werden. Die benötigte Bewässerung führt vor Ort teilweise zu grossen Problemen. Das Wasser fehlt nämlich in anderen Bereichen oder wird aus nicht erneuerbarem Tiefengrundwasser bezogen.
Allerdings muss hier beachtet werden, dass viele Produkte auch in Regionen angebaut oder produziert werden, wo genügend Wasser vorhanden ist. Ein hoher virtueller Wasserverbrauch ist also nicht überall gleich problematisch.
Wird der virtuelle Wasserverbrauch im Ausland zum im Kapitel Wasserverbrauch genannten Wert (rund 600 Liter Wasser pro Person pro Tag) hinzugerechnet, steigt der Verbrauch für eine in der Schweiz lebende Person auf rund 4000 l Wasser pro Tag. Das entspricht fast 30 Badewannen Wasser!
Referenzen und weiterführende Literatur
Januar 2026, Basil Stocker, auf Basis des Berichts Wasser in der Schweiz – ein Überblick


