Ökomorphologie
Neben der Qualität des Wassers an sich sind auch die Form des Gewässers und das gewässernahe Umland wichtige Faktoren des Gewässerschutzes.
Unter der Ökomorphologie wird die Natürlichkeit der Gewässerstruktur, also zum Beispiel die Uferbeschaffenheit und die Gewässerbreite, verstanden. Natürlichen Gewässern mit variabler Breite, Tiefe und Fliessgeschwindigkeit, Kies- und Sandbänken und bewachsenem Ufer stehen die kanalisierten oder sogar eingegrabenen Gewässer gegenüber. Von einer naturnahen, variablen Gewässerstruktur mit vielfältigen Lebensräumen profitieren viele Lebewesen, was die Artenvielfalt stärkt.
Die Vergrösserung der Siedlungsfläche, die Intensivierung der Landwirtschaft und Hochwasserschutzmassnahmen erhöhen den Druck auf die Fliessgewässer stark. Ein Viertel der Fliessgewässer im Mittelland ist heute kanalisiert oder eingedolt, wie die Abbildung zeigt.

Nach den Hochwassern von 1999, 2005 und 2007 hat der Bund den Hochwasserschutz neu überdacht. Obwohl viele Kanäle und Begradigungen ursprünglich auch zum Schutz von Hochwassern geplant wurden, hat sich gezeigt, dass natürlich belassene Gewässer besser geeignet sind, bei hohen Abflüssen Wasser zurückzuhalten.
Um weitere ähnliche Schadensfälle zu vermeiden – das Hochwasser von 2005 war der finanziell kostspieligste Schadensfall der letzten 100 Jahre – war eine neue Strategie gefragt: Flüsse sollen dank Renaturierungen wieder mehr Raum bekommen. So wird bei Hochwasser die Abflussspitze gesenkt und gleichzeitig werden die Flussräume ökologisch aufgewertet und gewinnen an Attraktivität als Naherholungsgebiet, wie beispielsweise an der Thur, Birs, Linth oder am Brenno.


Referenzen und weiterführende Literatur
Dezember 2025, Basil Stocker, auf Basis des Berichts Wasser in der Schweiz – ein Überblick


